. .
Politik im Ausland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
15. April 2010, 06:31 Uhr

"Bundeswehr lässt ihre Soldaten im Stich"

Die Zahl traumatisierter Soldaten ist durch den Afghanistan-Einsatz rasant gestiegen. Doch nur wenige bekommen in der Heimat Hilfe - ein Skandal, kritisiert der scheidende Wehrbeauftragte Robbe.

Guttenberg, Afghanistan, Bundeswehr, Kundus, Taliban, Verteidigungsminister, Soldaten, traumatisiert, PTBS

Nicht nur in der Ferne auf sich allein gestellt: Bundeswehrsoldat in Kundus© Michael Kappeler/DDP

Der scheidende Wehrbeauftragte Reinhold Robbe hat den Umgang der Bundeswehr mit Soldaten scharf kritisiert, die im Dienst verletzt wurden. Sie müssten oft jahrelang und häufig vergeblich um die Anerkennung ihrer Wehrdienstbeschädigung kämpfen, sagte er dem ARD-Magazin "Panorama". Das sei "verheerend" und ein "Skandal". Betroffene Soldaten würden von der Bundeswehr "im Stich gelassen". Vor allem Soldaten mit Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) stünden mit ihren Erkrankungen oft allein da, bemängelte der SPD-Politiker.

Zahl der traumatisierten Soldaten verdoppelt

Bereits in seinem jüngsten und letzten Jahresbericht hatte Robbe darauf hingewiesen, dass die Zahl traumatisierter Bundeswehrsoldaten massiv gestiegen sei. So wurden im vergangenen Jahr 466 Soldaten wegen PTBS behandelt - doppelt so viele wie 2008. Fast 90 Prozent der erkrankten Soldaten gehörten demnach zur Internationalen Schutztruppe Isaf in Afghanistan.

Nach wie vor ungeklärt sei die Dunkelziffer psychisch erkrankter Soldaten. "Nach meinen Erkenntnissen werden in der Truppe psychische Erkrankungen nach wie vor als stigmatisierend empfunden und von den Betroffenen insbesondere aus Angst vor persönlichen Nachteilen nicht offenbart", betonte Robbe in dem Wehrbericht.

Externe Gutachter müssen bewerten

Bis heute haben nach Angaben Robbes rund 600 Soldaten mit PTBS-Erkrankungen einen Antrag auf Wehrdienstbeschädigung eingereicht. Weniger als ein Drittel der Anträge seien anerkannt worden. Wie das Verteidigungsministerium auf Anfrage von "Panorama" mitteilte, ist die Zahl solcher Verfahren rasant gestiegen. Seien es im ganzen Jahr 2009 noch 109 Verfahren gewesen, so liege die Zahl schon jetzt bei 197. Zur Anerkennungsquote machte das Ministerium jedoch keine Angaben.

Typisch für diese Fälle sind dem Bericht zufolge eine lange Verfahrensdauer und am Ende ein negativer Bescheid. Dabei spielten externe, zivile Gutachter eine offenbar erhebliche Rolle. Eine solche Gutachterin aus Bremen etwa reduzierte den Beschädigungsgrad mit folgender Begründung: "Unter Beschuss zu stehen", könnte für einen Soldaten im Auslandseinsatz "nicht als außergewöhnlich belastend angesehen werden." Nach Auskunft des Verteidigungsministeriums sind für solche gutachtlichen Stellungnahmen nur drei Bundeswehr-Mitarbeiter fest eingeteilt, während insgesamt 22 Außengutachter für diese Aufgabe eingesetzt werden.

Im Zweifel gegen den Patienten

Robbe kritisierte die Vergabe von Gutachten "an Sachverständige, die von militärischer Materie offensichtlich keine Ahnung haben" massiv. "Hier muss unterstellt werden, dass der Dienstherr, der einen Auftrag gibt, ein bestimmtes Ergebnis haben will." Offenbar, so Robbe weiter, stecke System dahinter. Er müsse manchmal den Eindruck haben, dass in den "Wehrdienstbeschädigungsverfahren immer erst einmal für den Staat entschieden wird und gegen den betroffenen Patienten."

Auch der ehemalige Leiter der Psychiatrie im Bundeswehrkrankenhaus Bad Zwischenahn, Oberfeldarzt a. D. Klaus Pellnitz, bestätigt den Eindruck, es werde in den Gutachten gezielt nach Gründen gesucht, um den Schädigungsgrad herabzusetzen: "Ich habe nie erlebt, dass ein Grad der Schädigung heraufgesetzt wurde", erklärte er.

Ein weiteres Problem bei der Versorgung kranker Soldaten sind laut "Panorama" die unterschiedlichen Zuständigkeiten. Nach Entlassung aus der Bundeswehr sind die Versorgungsämter der Länder zuständig, doch die scheinen überfordert zu sein. Manche Anträge von Soldaten würden monatelang nicht bearbeitet. Ein ehemaliger Soldat aus Leipzig, Steven Ruhnke, stehe nach einem mittlerweile 15 Jahre dauernden Verfahren mittellos da. Das Versorgungsamt habe ihn nun an das Sozialamt verwiesen. Jetzt müsse der ehemalige Bundeswehrsoldat Sozialhilfe beantragen.

joe/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 28)
 
Sozimod (16.04.2010, 17:22 Uhr)
Die Gründe der Bundeswehrsoldaten...
die mir persönlich mitgeteilt wurden waren:

Gute Aufstiegsmöglichkeiten
Viel Geld
Befreiung vom Taliban
Abenteuerlust

Dadurch bedingt das viele junge Menschen keine Arbeitsplätze finden, wählen sie die Möglichkeit Soldat zu werden.
In der Statistik der Wohlfahrtsverbände die arbeitslose junge Erwachsene bis 25 Jahre betreuen, erscheinen junge Soldaten als "erfolgreich" vermittelt.

Ein Skandal! Außerdem ist dieser Kriegseinsatz völkerrechtswidrig und somit Grundgesetzwidrig. Unsere Soldaten werden durch falsche Ideologien in einen nicht zu gewinnenden Krieg geschickt. Auch noch schlecht ausgerüstet, ärztlich betreut. Die Opfer dieses Krieges sind Zivilisten, Soldaten und deren Angehörige, sowie die Umwelt, die auf Jahrzehnte zerstört werden. Daher ist dieser Kampfeinsatz zu einhundert Prozent abzulehnen. Die Bundeswehr hat die Aufgabe unser Land(vor Ort) zu verteidigen. Dies ist nicht der Fall! Darum interessiert auch nicht was ehemalige Soldaten hier kommentieren. Gesetzwidrig ist gesetzwidrig. Wir greifen Afghanistan an, die Taliban verteidigen sich, wie unsere Soldaten dies auch in Deutschland tun würden. Der Abzug aus Afghanistan ist zwingend nötig. Sofort!

Auf diesem Link:
www.Connection-eV.de/aktion-gb.php.
könnt ihr euch für den desertierten Soldaten Joe Glenton einsetzen. Er wurde zu 9 Jahren Gefängnis verurteilt. Wer Gespräche mit ex Soldaten und pensionierten Befehlsgebern führt, wird die Grausamkeit dieses Krieges nur noch mehr fühlen. Warum wurde wohl das deutsche Volk um die tatsächlichen Gründe getäuscht? Auf diese Seiten könnt ihr euch informieren:

Nachddenkseiten.de
http://alles-schallundrauch.blogspot.com/
http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/Afghanistan/
linksfraktion.de
Um noch mehr Leid zu verhindern muss schnell gehandelt werden. Am besten sofort!
STR_EDDS (15.04.2010, 19:53 Uhr)
@Benutzer_name
Ich war ab '87 SAZ12. Und wie es aussieht waren wir in der selben Ecke der Welt eingesetzt. Ich würde behaupten, dass es in der BW inzwischen einen Generationenwechsel, speziell bei den Berufssoldaten gegeben hat. Mein Jahrgang ist da allmählich hineingewachsen. Und wir taten uns mit den alten Verwalternaturen, speziell in den Stäben, ebenfalls recht schwer.
.
Ich glaube nicht, dass in den letzten 10 Jahren mehrheitlich Leute zur BW gegangen sind, nur weil sie einen "sicheren Job" haben wollten. Ebenso wenig unterstelle ich denen die Sucht nach "Abenteuer". Beides ist es nämlich nicht. Das mag bis mitte der 80er noch anderts gewesen sein. Das will ich auch nicht bestreiten. Aber Dinge ändern sich. Und dieser Veränderung sollte man auch seine Sicht auf Dieselben anpassen.
.
Streichen Sie meinetwegen meinen Passus zum Thema "Stammtisch". Aber anerkennen Sie, dass man nicht von einer Einzelsitiuation auf die komplette Armee schliessen kann.
Be_nutzer_name (15.04.2010, 16:06 Uhr)
@ STR_EDDS
Getroffene Hunde bellen...
Ich hab schon darauf gewartet, dass der erstbeste auf den blanken Haken beißt und anfängt ausfallend zu werden. Aber da Sie sich bei Stammtischthemen ja offenbar so hervorragend auskennen, habe ich auch Verständnis für Ihr Niveau.
Fakt ist; ich schreibe nichts, was ich mir nur ausgedacht habe. Ich war selbst in einem KRK-Battallion und habe einen Schützenpanzer gefahren, meine Kompanie Panzergrenadiere wurde zum Einsatz nach Bosnien gerufen. Einige meiner Freunde und auch ich wurden gebeten, über eine Verpflichtung auf 4 Jahre nachzudenken, um mit zum Einsatz zu fahren, weil man gute Leute bräuchte. Auf Nachfrage, warum keine 2-Jahresstellen mehr zu haben seinen, bekamen wir die Antwort, dass diese alle schon besetzt seien von Typen, die sich direkt nach der Grundausbildung eingeschrieben hätten. Ich will nicht sagen, dass das ausnahmslos Idioten waren, aber viele hatten einfach nichts anderes zu tun und waren scharf auf das Geld für eine halbes Jahr Auslandseinsatz. Ausgewählt wurde da überhaupt nicht - es fuhr los, wer zuerst ´hier´gerufen hat. Da wundert es mich nicht, dass viele erst merken auf was sie sich eingelassen haben, wenns laut wird, und dann Schiss kriegen. Und um die Typen wird jetzt großes Theater gemacht.
Jedem guten Soldaten, der den Einsatz ordentlich abwickelt, schüttel ich die Hand und beglückwünsche Ihn, dass er nicht verletzt wurde oder in Extremsituationen geraten ist (@Sternlegucker: "Gedärme des Kameraden um die Ohren"---ist das aus Rambo??) - Aber die die am lautesten jammern - sind meist die, die es am wenigsten verdient haben, auch noch betüddelt zu werden - die gehören da nicht hin, weil sie den falschen Beruf haben. So einfach ist das.
sternlegucker (15.04.2010, 14:20 Uhr)
@STR_EDDS - Guter Kommentar
Wenn man die meisten Kommentare hier liest, könnte man denken, die posten direkt per Laptop vom Stammtisch nach 5 Bier und 3 Kurzen! Es sollte jedem einleuchtend sein, dass man es kaum simulieren kann, wenn einem von einer Sekunde zur nächsten die Gedärme des Kameraden um die Ohren fliegen. Und hier unsere Soldaten als Kapitalverbrecher zu titulieren, denn Mord ist ein solches, zeigt mir doch sehr, wessen Geistes Kind die meisten hier sind. Das Einzige, was hier menschenverachtend ist, sind die Kommentare von einigen.
Arioffz (15.04.2010, 13:31 Uhr)
Stammtischparole?!
@NewWorld da braucht es keiner Stammtischparolen sondern nur Aufmerksamkeit und man sieht wie manche Strafgefangene leben(bis auf wenige Bundesländerausnahmen) vom TV, Konsole, Schwimmbad, Freizeitaktivitäten , Sex usw......
STR_EDDS (15.04.2010, 13:25 Uhr)
@Benutzer_name
Selten so einen Mist gelesen. <erzählt man das in Ihrer Kneipe so. Die Kriterien für den Berufsoldat sind härter als Sie denken. Und "psychische Belastbarkeit" - mein Gott, hier merkt man, dass Sie keine Ahnung haben wovon Sie schreiben. Wollen Sie etwa im Einstellungsverfahren psychische Belastungsmomente und Traumata simulieren? Unglaublich, welche Experten hier immer ihre Meinung zum Besten geben.
Power (15.04.2010, 12:11 Uhr)
PTBS
So nennt man das also wenn Deutsche Soldaten Drogensüchtig nach Hause kommen. Gratulation Herr Robbe!!
NewWorld (15.04.2010, 11:44 Uhr)
@der2groeste
"Kriminelle in Gefängnissen genießen bessere Zustände als in Altenheimen,"

Sie waren schon im Gefängnis und können das beurteilen? Ich glaube kaum, aber Stammtischparolen weitergeben macht ja so richtig spaß!
Tabor999 (15.04.2010, 11:36 Uhr)
Was haben wir auch da verloren?
.. es gibt hier keine öffentliche Unterstützung weil es keinen interessiert. Milliarden Euro um einem Staat zu helfen der keine Hilfe will. Schade um unsere Männer und Frauen!
jugen (15.04.2010, 11:31 Uhr)
was will zu Guttenberg oder vielmehr Bundesregierung wirklich?
Seit zehn Tagen berichten britische Medien darüber, dass der deutsche Verteidigungsminister zu Guttenberg entgegen dem Beschluss des Bundestages und gegen alle deutschen Gesetze deutsche Kampfflieger zu Kampfeinsätzen nach Afghanistan schickt und zwar an Bord britischer Kampfflieger. Nach Angaben der Times wünschte zu Guttenberg höchstpersönlich den Kampfeinsatz des deutschen Kampffliegers (der dann mindestens 18 Mal im Kampf eingesetzt wurde) an Bord des schwer bewaffneten britischen Tornados. Nach Angaben der Times will er Deutschland so noch tiefer in den Afghanistan-Krieg hineinziehen. Die Times straft zu Guttenberg mit allerhöchster Verachtung, indem sie ihn schon in der Überschrift als "von Biggles" bezeichnet. Eine Witzfigur eben - amüsant und unterhaltsam, aber nicht wirklich ernstzunehmen...
MEHR ZUM ARTIKEL
Trauma Afghanistan Von der Angst, über Gras zu laufen

Angst vor Menschenmassen, Angst, über Gras zu laufen, Angst vor der Zukunft. Viele Soldaten, die von Auslandseinsätzen zurückkehren - vor allem aus Afghanistan - haben psychische Probleme. Viel zu oft bleiben sie damit allein, obwohl es ein gutes Netz an Hilfsangeboten gibt. mehr...

Traumatisierte Soldaten Der Horror nach der Heimkehr

Immer mehr deutsche Soldaten kehren traumatisiert von ihrem Auslandseinsatz in Afghanistan zurück. Die Zahl der Fälle Posttraumatischer Belastungsstörungen ist in den vergangenen zwei Jahren dramatisch gestiegen. Jetzt wird das Dilemma ein Fall für die Politik. mehr...

Bundeswehr in Afghanistan Der Krieg im Kopf

Deutsche Soldaten sind weltweit im Einsatz: Kosovo, Bosnien, Libanon. In Afghanistan soll ihr Kontingent demnächst aufgestockt werden. Diese Einsätze gefährden nicht nur Leib und Leben, sondern auch die Psyche, wie ein Besuch im Hamburger Bundeswehrkrankenhaus zeigt. mehr...

Truppenbesuch von Guttenberg Bundeswehr rüstet in Afghanistan auf

Die Bundeswehr-Soldaten im afghanischen Kundus erhalten neues Kriegsgerät. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg informierte sich während eines Überraschungsbesuchs vor Ort über die Situation . mehr...

stern-Umfrage Immer mehr Deutsche plädieren für Afghanistan-Rückzug

Vor gut einem Jahr waren noch 55 Prozent der Deutschen für einen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan. Nach dem Tod der drei deutschen Soldaten am Karfreitag ist der Einsatz am Hindukusch noch unbeliebter geworden - oder vielmehr, er ist so unbeliebt wie nie zuvor. mehr...

Trauerfeier für Bundeswehrsoldaten Die Illusion vom machbaren Krieg

Kanzlerin Merkel reist nach Selsingen, ebenso der Verteidigungsminister. Öffentlich betrauern die drei in Afghanistan gefallene Soldaten. Und vertuschen gleichzeitig, warum sie sterben mussten. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe