Für den Westen sind es Reförmchen, für Kuba riesige Schritte: Nach zwei Jahren an der Macht führt Raul Castro die private Landwirtschaft ein und duldet sogar eine neue Oppositionspartei. Damit sich aber nicht noch mehr ändern muss, hofft er auf einen US-Präsidenten namens John McCain. Von Tobias Käufer, Havanna

Auch wenn nun Raul an der Spitze steht - in Kuba passiert nichts ohne Fidel Castro© Alejandro Ernesto/DPA
Die Botschaft ist überdimensional und nicht zu übersehen: Wenn Raul Castro ans Mikrofon tritt, dann darf ein riesiges Bild des Übervaters Fidel Castro im Hintergrund nicht fehlen. Und wenn mal kein Bild des Revolutionsführers aufzutreiben ist - und das ist in Kuba eigentlich nie der Fall - huldigt Raul seinem Bruder eben verbal. All das soll den Kubanern signalisieren, hier passiert nichts ohne den "Maximo Lider".
Fidel Castro tritt nach seiner schweren Erkrankung öffentlich nicht mehr in Erscheinung, aber in Filmausschnitten, Videos und Lobeshymnen ist Kubas ehemalige Nummer eins noch allgegenwärtig. Mal in der Diskussion mit seinem Bruder Raul, mal mit Lieblingsgast, Venezuelas Staatspräsident Hugo Chavez. Den schleichenden Veränderungsprozess den Raul seit seinem Aufstieg an die Staatsspitze vor zwei Jahren eingeleitet hat, trägt Fidel mit. Alles ist also in guten Händen, so soll es das kubanische Volk glauben.
Die Veränderungen in den beiden vergangenen Jahren sind aus europäischer Sicht zwar nur klein, aus kubanischem Blickwinkel aber dagegen enorm. Vor allem die weltweite Nahrungsmittelkrise setzt dem Inselstatt kurz vor seinen 50-jährigen Revolutionsfeierlichkeiten im Januar arg zu. Raul Castro reagierte pragmatisch und so ganz und gar nicht kommunistisch: Er gab das brachliegende Ackerland Kubas für die private Landwirtschaft frei. Auf diese Weise hofft Kuba von seinen Nahrungsmittelimporten zumindest ein klein wenig unabhängiger zu werden. Immerhin mehr als drei Viertel aller Lebensmittel muss die Regierung aus dem Ausland teuer einkaufen.
Insgeheim ist dies auch ein Eingeständnis, dass die eigene Landwirtschaftspolitik versagt hat. Da helfen auch die Ölmillionen des Gesinnungsgenossen Chavez aus Caracas nicht weiter, die im Gegenzug für die Dienstleistungen kubanischer Ärzte fließen. Also entdeckt Kuba die Marktwirtschaft, in kleinen Schritten zwar, aber die ersten Dämme brechen. Endlich dürfen die Kubaner auch in kubanischen Hotels Urlaub machen. Dieses Privileg war bislang nur entsprechend zahlungskräftigen Ausländern vorbehalten. Private Mobiltelefone sind nun gestattet und nun werden auch private Taxis zugelassen, allerdings war dies angesichts eines Heeres an illegalen "Transport-Unternehmern" wohl kaum noch zu vermeiden.
Castro bereitet seine Landsleute auf schwere Zeiten vor, statt Ihnen sozialistische Märchen aufzutischen: Lohnerhöhungen gibt es keine, das Renteneintrittsalter wird auf ein realistisches Maß erhöht und außerdem werden die Lebensmittel knapp. Botschaften, die nicht gerade Beifallsstürme auslösen, aber zumindest die eigene Glaubwürdigkeit erhöhen.