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Krawalle auf der Flüchtlingsinsel

Auf Lampedusa wird es eng. Nachdem hunderte tunesische Flüchtlinge in den letzten Wochen per Boot auf der Insel gestrandet waren, kam es zu Krawallen zwischen überforderten Einwohnern und demonstrierenden Tunesiern. Statt zu schlichten, zeigte die Polizei Härte.

  Bei Krawallen zwischen Anwohnern, der Polizei und tunesischen Flüchtlingen gab es Dutzende Verletzte auf der italienischen Insel Lampedusa

Bei Krawallen zwischen Anwohnern, der Polizei und tunesischen Flüchtlingen gab es Dutzende Verletzte auf der italienischen Insel Lampedusa

Auf der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa ist am Mittwoch der Streit zwischen Flüchtlingen und Einwohnern eskaliert: Als hunderte Tunesier mit dem Ruf "Freiheit, Freiheit" für ihren Transfer aufs Festland demonstrierten, bewarfen die Einwohner sie mit Steinen, wie italienische Medien berichteten. Mehr als ein Dutzend Menschen wurden verletzt, als die Polizei mit Schlagstöcken gegen die Flüchtlinge vorging. Die Flüchtlinge drohten ihrerseits, Gasflaschen zur Explosion zu bringen. Nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur Ansa wurden drei Polizisten und ein Dutzend Flüchtlinge verletzt.

Die Lage auf der kleinen Insel hatte sich verschärft, nachdem in den vergangenen Tagen mehr als tausend Flüchtlinge aus Tunesien eingetroffen waren. Die Proteste begannen, als am Dienstagnachmittag eine Gruppe von Flüchtlingen in ihrem Aufnahmelager einen Brand legte, durch den drei Gebäude des Lagers zerstört wurden. Die Flüchtlinge fordern ihren Transfer aufs italienische Festland. Gemäß einem Abkommen mit der tunesischen Regierung müssen sie jedoch nach Tunesien zurückgebracht werden.

"Wir haben ein Kriegsszenario"

Dutzende Bewohner belagerten das Büro von Bürgermeister Bernardino De Rubeis, dem sie zu große Nachsicht mit den Flüchtlingen vorwerfen. De Rubeis zeigte Journalisten einen Baseballschläger und sagte, er sei bereit, sich zu verteidigen. "Wir haben ein Kriegsszenario, der Staat muss umgehend Helikopter und Schiffe schicken, um die Tunesier wegzubringen", sagte der Bürgermeister. Auch der sizilianische Gouverneur Raffaele Lombardo sprach sich für die sofortige Evakuierung der Aufnahmelager aus.

Die nahe Sizilien gelegene Insel Lampedusa ist der südlichste Ort Italiens, weshalb dort immer wieder Bootsflüchtlinge aus Afrika eintreffen, die in die EU gelangen wollen. Allein in diesem Jahr schafften mehr als 48.000 Menschen die Fahrt nach Süditalien. Schätzungen zufolge starben rund 2000 weitere Menschen bei der Überfahrt. Auch am Mittwoch trafen auf einem Boot knapp 150 weitere Flüchtlinge aus der Türkei in der süditalienischen Region Kalabrien ein, wie lokale Medien berichteten.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) warf derweil der EU-Grenzschutzagentur Frontex schwere Versäumnisse bei der Behandlung illegaler Einwanderer zu Beginn ihres Einsatzes in Griechenland vor. Die 200 Frontex-Beamten, die seit November 2010 an der Grenze zur Türkei eingesetzt werden, hätten die aufgegriffenen Einwanderer an die griechischen Behörden überstellt, obwohl diese sie in überfüllten Auffanglagern unter "unmenschlichen und erniedrigenden" Bedingungen untergebracht hätten.

Flüchtlingsströme auch in Griechenland

Die EU-Kommission wies die Vorwürfe zurück. Die Frontex-Grenzschützer könnten nicht für die Situation in den Unterbringungslagern verantwortlich gemacht werden, sagte ein Sprecher von Innenkommissarin Cecilia Malmström. Die rund 150 Kilometer lange Landgrenze zwischen Griechenland und der Türkei ist für Flüchtlinge aus Ländern wie Afghanistan, Irak und Somalia zum Haupteingangstor in die Europäische Union geworden.

ono/AFP/AFP

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