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12. Dezember 2009, 17:35 Uhr

Obama geißelt Banker als einen "Haufen Bonzen"

Die Wall Street wehrt sich mit Händen und Füßen gegen die von US-Präsident Barack Obama geplante Reform der Finanzmärkte. Obama lässt sich aber nicht beirren und hat in einem Interview klare Worte für die Börsianer gefunden.

Obama. Banker, Wall Street, Boni, Reform

US-Präsiden Barack Obama will sich von den Bankern nicht einschüchtern lassen© Shawn Thew/EPA

Mit einer Schimpftirade hat US-Präsident Barack Obama die Pläne von US-Banken kritisiert, trotz Finanzkrise wieder Boni in Millionenhöhe auszahlen zu wollen. "Ich habe nicht für dieses Amt kandidiert, um einem Haufen Bonzen an der Wall Street zu helfen", sagte er dem Fernsehsender CBS. Um Finanzkrisen in Zukunft zu verhindern, billigte das US-Repräsentantenhaus eine umfassende Finanzmarktreform. Obama fand in dem CBS-Interview, das am Sonntag ausgestrahlt werden sollte, deutliche Worte für die Kreditinstitute, die in der Finanzkrise durch staatliche Unterstützung vor der Pleite bewahrt wurden und jetzt wieder hohe Prämien zahlen wollen. Viele Manager wunderten sich immer noch darüber, "dass sich die Leute über die Banken ärgern", kritisierte er. "Aber lasst uns überlegen: Ihr nehmt zehn, zwanzig Millionen Dollar an Boni in Anspruch, nachdem Amerika das schwerste Wirtschaftsjahr seit Jahrzehnten durchgemacht hat und ihr das Problem verursacht habt."

Keine Boni-Steuer in den USA

Eine Reihe von US-Banken hatte sich um eine schnelle Rückzahlung staatlicher Hilfen bemüht, um sich aus der engen Aufsicht des Staates zu lösen. Mit Wells Fargo und der Citigroup halten derzeit lediglich noch zwei große Banken Kapital aus dem Konjunkturprogramm.

Obama kritisierte, dass die Institute, deren Überleben durch die Unterstützung des Steuerzahlers gesichert worden sei, sich gegen Finanzkontrolle wehrten. Der US-Präsident zeigte sich frustriert darüber, dass trotz der anhaltenden Rezession "einigen Leuten an der Wall Street noch kein Licht aufgegangen" sei.

Dem Beispiel Großbritanniens und Frankreichs zur Einführung einer Sondersteuer auf Bonuszahlungen für Banker wollen die USA aber vorerst nicht folgen. Auf die Frage, ob Washington an ähnlichen Plänen arbeitete, erklärte das US-Finanzministerium in einer E-Mail an die Nachrichtenagentur AFP: "Im Moment nicht." Großbritannien hatte am Mittwoch eine Sondersteuer von 50 Prozent auf Banker-Boni ab einer Summe von 25.000 Pfund (knapp 28.000 Euro) angekündigt. Auch in Frankreich wird an einer Boni-Steuer gearbeitet. Allerdings will die Regierung Obamas mit einem "Wall-Street-Gesetz" künftige Wirtschaftskrisen verhindern. Das Repräsentantenhaus billigte am Freitag eine entsprechende Finanzmarktreform. Gegen den Widerstand der Republikaner votierten die Demokraten mit 223 zu 202 Stimmen für einen 1300 Seiten starken Gesetzentwurf, der die umfassendsten Regelungen seit der Krise in den 30er Jahren vorsieht.

Lobbyisten kämpfen gegen Reformen

Neben der Einrichtung einer Verbraucherschutzbehörde für Finanzkunden soll bei Immobilienkrediten künftig die Maßgabe gelten, dass Banken vor der Gewährung zunächst prüfen müssen, ob die Kunden den Kredit überhaupt bedienen können. Es soll auch für mehr Transparenz beim Derivatehandel sorgen.

Der Ausschuss des Repräsentantenhauses für Finanzdienstleistungen, der das Reformprojekt ausgearbeitet hat, würdigte das Votum in einer Erklärung als "historisch". Trete das Gesetz in Kraft, schütze es die US-Bürger vor "skrupellosen Banken und Kreditkartenunternehmen". Die US-Handelskammer zeigte sich hingegen "enttäuscht". Die Reform würde "negative Auswirkungen" auf alle Wirtschaftsbereiche haben. Der republikanische Abgeordnete Eric Cantor sagte, die Reform "mache den Menschen Angst und schaffe Ungewissheit".

Obama forderte den Senat auf, das Gesetz möglichst schnell passieren zu lassen. Republikaner sowie eine Heerschar von Lobbyisten für Banken und andere Wall-Street-Unternehmen kämpfen bereits seit Monaten für eine Abschwächung oder Verzögerung der Reformen. Ihrer Ansicht nach handelt es sich dabei um unnötige und kostspielige Eingriffe in die Branche.

Die Auseinandersetzung wird sich nun in den kommenden Monaten im Senat fortsetzen. Dort ist derzeit ein Gesetzentwurf mit ähnlichen Reformvorschlägen anhängig - einige von ihnen radikaler als die des Repräsentantenhauses, andere gemäßigter. Beide Vorlagen müssen noch in Deckung gebracht werden, ehe das Gesetz dann Obama zur Unterschrift vorgelegt wird.

AFP/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 18)
 
Administrator (14.12.2009, 09:22 Uhr)
@prologo
Hier wird in keinster Weise politische Zensur ausgeübt. Wir behalten uns nur vor Kommentare zu löschen die gegen unsere Regeln verstoßen. Darunter fallen Beleidigungen, Schimpfwörter etc.

Und das von ihnen angesprochene Problem, dass Kommentare zwischenzeitlich verschwinden und wieder auftauchen, ist leider auf ein Caching-Problem zurückzuführen.

Herzliche Grüße,

Ihre stern.de-Admins


Administrator (14.12.2009, 09:18 Uhr)
Liebe User
wir haben an dieser Stelle einige Kommentare gelöscht. Bitte diskutieren Sie das Thema sachlich.

Herzliche Grüße,

Ihre stern.de-Admins

the_pope (13.12.2009, 11:55 Uhr)
Klare Taten statt Klartext
Man liest imer wieder Obama würde Klartext reden (und überhaupt sehr viel reden). Er ist aber nicht zum Reden gewählt worden, sondern zum Handeln. Und das was bei ihm an Taten herauskommt unterscheidet sich keinen Deut von dem was bei der Vorgängerregierung rausgekommen ist.

Zu den Bänkern. Noch im Septemper dieses Jahres hat Obama gesagt, er halte nichts davon die Bonis in irgendwelcher Weise zu regulieren. Und das ist die Aussage, die sich letzendlich in der Ralität widerspiegelt.

Servus,
the_pope
laketahoe (13.12.2009, 08:58 Uhr)
Scharfer Verstand und klare Worte
Mal wieder ist es Barack Obama, der nicht herumeiert sondern Klartext zur Sache spricht. Völlig zu recht geißelt er die Finanzbranche. Mich würde mal interessieren, woher das Geld kommt, mit dem fast alle mehr als in Not geratenen US-Banken die staatlichen Unterstützungen zurückgezahlt haben. Einfach lächerlich, zu denken, das hätte diesmal nichts mit Hypotheken auf künftige Zockergewinne oder eben nicht - zu tun.

Diese Branche müsste weltweit an die Kandarre genommen werden.

Aber da warten wir bei einer der besten Freundinnen und Förderinnen der Finanzbranche, Angela Merkel, lange. Die wird doch nicht potenzielle Gäste ihrer lauschigen Dinner im Kanzleramt vergraulen. Schon tragisch, wie diese verantwortungslose Frau hier gemeinsam mit ihren Freunden selbst nach dem Crash ein Süppchen vor sich hin köchelt,. das der deutsche Steuerzahler auszulöffeln hat.

@vegefranz

Selig die armen im Geiste!

Zu den hart arbeitenden Bankern mit 60-70 Stunden Arbeitszeit .....

Niemand ausser Ärzte und ähnliche Berufsgruppen mit Bereitschaftsdienst arbeitet heute 60-70 Stunden. Schon gar nicht Banker und Werbefuzzis, die das so gerne von sich behaupten....... Es ist gut so, dass es keine Studien mit verlässlichen Zahlen dazu gibt, wie produktiv diese Vielarbeiter tatsächlich sind..... das Geld der Anderen lässt sich schnell verzocken, wenn man selbst nicht Gefahr läuft, dafür rechtlich belangt zu werden.
cobdet (13.12.2009, 08:35 Uhr)
@vegefranz
vegefranz ist wieder da ! Und ? Hat er etwas dazu gelernt ? Eindeutig Nein !
Im Gegenteil
@vegefranz ihren Tiraden auf Andersgläubige nach scheinen sie sich ja zum Christentum zu bekennen....stimmen sie mit mir darin überein, das die "Nichtnutzung" göttlicher Gaben eine Sünde ist ?
Und hat ihnen nicht Gott ein Gehirn gegeben damit sie es benutzen ?

"Oh Sie Sünder ! "
Turmfalke (13.12.2009, 08:32 Uhr)
@Vegefranz
Solch einen Blödsinn habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Hart arbeitend, ich lach mich tot. Sitzen, Kaffee trinken, Leute über den Tisch ziehen, fremdes Geld verjuxen ist also arbeit.
Wen Vegefranz mal kennenlernen will was schwere arbeit ist, dann sollte er sich mal in Gelsenkirchen oder Bochum um einen Job im Bergwerk bemühen. Zur Not ginge auch ein Fließbandjob bei BMW in Leipzig oder hochdotierten Job als Leiharbeiter in einer Sklavenbude des modernen Raubrittertums.
Menschen die in Deutschland teils 30 Jahre schwer gearbeitet haben erhalten nach einen Jahr Alu Hartz IV, müssen von
Regelsätzen leben die unter aller Sau sind und hier werden Millionen Zahlungen als " Bonus " verteidigt.
Mir wird nur noch schlecht wenn ich solch einen Schwachsinn lese.
Preston (13.12.2009, 08:23 Uhr)
Die 60-Stunden Woche ist keine Erfindung der Banker
Jeder kleine Selbstständige arbeitet so viel - nur, daß er meistens nicht viel mehr verdient, wie ein Facharbeiter (vor 10 Jahren, heute sind die Facharbeiter alle bei Zeitarbeitsfirmen angestellt und verdienen die Hälfte) - und dafür noch von den Banken an die Wand gedrückt wird:
statt ihr Geld mit sinnvollen Krediten zu verdienen, wetten sie lieber auf den Hunger in der Welt.
Und dafür kriegen sie dann 20 Millionen Boni. Super.
vegefranz (13.12.2009, 07:16 Uhr)
mal wieder die Banker

letztlich sind das Leute, di 60-70 Stunden die Woche arbeiten. dafür solle die auch vernüftig verdienen.

die Boni mögen unverhätnismässig sein. Sozialneid halte ich aber dennoch nicht für angebracht.

Sehr viel schllmmer finde ich, dass die Lobby ein energisches Vorgehen gegen Sozialhifebetrug verhindert.

Milliarden fliessen ohne Grund und ungeprüft an Schwarzarbeiter, Araberclans und Arbeitsunwillige

DAS ist ein Skandal - nicht der Verdienst von hart arbeitenden Banker


Corazito3333 (13.12.2009, 01:26 Uhr)
Obama ein Produkt der Medien
ein sehr guter Rhetoriker aber nur das, denn bis dato alles nur leere Worte. Da lob ich mir die Angela - die weiß nix, die sagt nix - aber tiefe Wasser....oder so??????????????
Fakten (12.12.2009, 23:04 Uhr)
@Preston
85% der Wahl-Finanzierung fuer Obama kam von der Finanz-Industrie!
Wenn Sie schon Hitler hier nennen, dann lesen Sie doch mal die "Tischgespraeche Hitler's mit der Industrie und Hoch-Finanz".
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