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"Kein Haus, keine Arbeit, kein Geld"

Der Abzug der israelischen Truppen aus dem Südlibanon hat begonnen, gleichzeitig kehren die Flüchtlinge in ihre Heimat zurück. Der Krieg hat sie verbittern lassen und "wird für Generationen Groll nähren".

Ein kleines Kind läuft um das Zelt, die Milchflasche in der einen und ein buntes Auto in der anderen Hand. Im Zelt liegt sein Bruder mit Spielsachen und die Mutter stellt einen Sonnenschirm auf. Doch das Bild einer eher gelösten Ferien-Stimmung täuscht. Die libanesische Familie Jassin gehört zu den Tausenden, die jetzt in ein vom Krieg verwüstetes Dorf zurückgekehrt. Viele Menschen sind voller Verbitterung über Israel und seinen engsten Verbündeten die USA.

"Kein Haus, keine Arbeit, kein Geld", beschreibt Mohammed Jassin die Lage seiner Familie aus der Ortschaft Debbine. "Die Autowerkstatt, in der ich gearbeitet habe, ist weg. Also habe ich zwei Zelte gekauft. Wir warten ab, was passiert." Zugleich zeigt er sich entschlossen, den Verwüstungen zu trotzen: "Israel kann unsere Häuser zerstören, aber uns nicht das Land nehmen."

Der Krieg nährt den Groll

Seit Beginn des Waffenstillstandes am Montag haben sich zehntausende Flüchtlinge auf zerstörten Straßen auf den mühseligen Weg nach Hause gemacht. Viele zogen es vor, in der Nähe ihrer zerstörten Häuser zu campieren, statt in Schulen Unterkunft zu behalten. Sie machen Israel und die USA für ihr Los verantwortlich. "Wir haben die Zivilisation der USA und Israels aus erster Hand erfahren. Wir wussten gar nicht, dass sie so fortschrittlich und großartig ist", höhnt Ali Jassin in der zerstörten Hisbollah-Hochburg Chiam. Er glaube nicht, dass die USA und Israel so die Menschen für gewinnen könnten. "Das wird für Generationen Groll nähren."

Israel hatte den Krieg nach der Verschleppung zweier Soldaten durch die Hisbollah begonnen. Die Militäraktion zielte neben deren Befreiung auch darauf ab, Stellungen der Hisbollah im Südlibanon auszuschalten, aus denen heraus Nordisrael immer wieder mit Raketen angegriffen worden war.

Wie nach einer Naturkatastrophe

Manche Schiiten-Städte, in denen die Unterstützung für die Hisbollah groß war, sehen aus wie nach einer Naturkatastrophe. In Chiam, das bis zum Jahr 2000 von Israel besetzt war, hat kaum ein Gebäude den Krieg unbeschädigt überstanden. Trümmer eingestürzter Häuser und Autowracks blockieren die Straßen in einer Stadt, in der im Sommer mindestens 40.000 Menschen leben.

Mohammed Hasan beklagt den Verlust seines Möbelgeschäfts. "Drinnen ist alles kaputt. Von Möbeln im Wert von 100.000 Dollar konnte ich nur welche im Wert von 1000 Dollar retten." Auch er ist über die USA verbittert, welche die Libanesen hätten Demokratie lehren wollen, aber Gewalt gebracht hätten. "Wollen Sie mir sagen, dass die Täter Demokraten sind und wir Terroristen?" Israel und die USA betrachten die Hisbollah als Terrororganisation.

Andere Rückkehrer wie Sainab Dawi wünschen der Hisbollah und ihrem Chef Sajjed Hassan Nasrallah alles Gute. "Gott schütze Sajjed Hassan Nasrallah und die Jungens, die uns den Sieg gebracht haben", sagt die alte Frau.

Lin Noueihed/Reuters/Reuters

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