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3. Juli 2007, 17:30 Uhr

Die Amtsanmaßung des George W. Bush

Der Kongress kann fordern, was er will, die Gerichte können entscheiden, was sie wollen - sobald Bushs Buddys in Gefahr sind, strapaziert der US-Präsident sein "executive privilege". Davon profitiert nun Lewis Libby. Nicht so die Demokratie. Ein Kommentar von Hans-Hermann Klare

George W. Bush, der Präsident ...© Gerald Herbert/AP

Eigentlich kann George W. Bush kaum jemanden noch wirklich überraschen.

Selbst wenn er einen Krieg gegen den Iran vom Zaun brechen würde - man hätte es vorher für möglich gehalten. Und doch gibt es Nachrichten aus dem Weißen Haus, auf die man nicht gefasst ist. Das war der Fall als Bush von seinem Recht als Präsident Gebrauch machte und den engsten Mitarbeiter seines Vizepräsidenten, Lewis Libby, begnadigte und vor 30 Monaten Gefängnis bewahrte. Während Minderjährigen in den USA die Todesstrafe droht, weil angeblich Recht und Ordnung keine Nachgiebigkeit zulassen, geht Gnade vor Recht, wenn die Gesinnung stimmt wie im Fall Libby.

Libbys und die Irak-Mission

Ein Gericht hatte ihn wegen Meineids im so genannten Spygate-Prozess verurteilt. Darin ging es um die Enttarnung einer ehemaligen CIA-Agentin. Das ist in den USA strafbar. In Wahrheit aber saß bei dem Prozess Libbys Vorgesetzter Vizepräsident Dick Cheney auf der Anklagebank. Denn mit gezielten Indiskretionen und Falsch-Informationen hatten beide den Irak-Krieg in der Öffentlichkeit vorbereitet und Kritiker zu diffamieren versucht. Die Enttarnung der CIA-Agentin Valerie Plame, Ehefrau des ehemaligen US-Botschafters und Irak-Krieg-Kritikers Joseph Wilson, war dabei einer der vielen Tricks. Dick Cheney und Lewis Libby galten nicht nur als die größten Kriegstreiber der Administration. Für viele waren sie die Strippenzieher.

Nun befreit George Bush einen Mann, der für den Irak-Krieg eine Mitverantwortung trägt und damit auch für die katastrophalen Umfragewerte des Präsidenten wie das schlechte Image der USA in der Welt. Weshalb? Weil Bush weiter von Libby's Ex-Chef Dick Cheney abhängig ist? Weil er ganz einfach unverfroren ist? Wahrscheinlich ist es viel schlimmer. Bush macht es, weil er auf einer Mission ist und ihm dafür jedes Mittel recht erscheint.

... und sein Schützling Lewis "Scooter" Libby© Pablo Martinez Monsivais/AP

Das "executive privilege"

Ob Gerichte ihn zwingen, die Internierung von Gefangenen in Guantanamo zu ändern. Ob der Kongress das Weiße Haus auffordert, Unterlagen herauszurücken, um zu überprüfen, wie das Justizministerium und Bushs Berater Carl Rove politisch unliebsame Staatsanwälte absägen. Ob eine Kommission versucht herauszufinden, weshalb Milliarden-Aufträge für den Aufbau des Irak ohne öffentliche Ausschreibung an Dick Cheneys alte Firma Haliburton gehen. Bush blockt und bockt, solange es geht. Kein Präsident in den USA hat mehr für geheim oder im Sinne der nationalen Sicherheit für vertraulich erklärt als George W. Bush und seine Leute. Bush und Cheney berufen sich dabei auf das "executive privilege". Danach hat der Präsident das Recht, quasi über dem Gesetz stehend, im Interesse des Landes und seiner Sicherheit Entscheidungen zu treffen, die sich der Prüfung durch Parlament oder Justiz entziehen. Das steht zwar nicht in der US-Verfassung, ist aber nach Meinung des Obersten Gerichtshofs der USA unter bestimmten eingeschränkten Umständen erlaubt. Bush und Cheney interpretieren dieses Recht so, als sei ihnen alles gestattet.

Nixons Amtsverständnis

Wie sehr solch eine Einstellung nicht bloß die Macht des Präsidenten steigert, sondern die demokratische Basis eines Staates aushöhlt, zeigt das Beispiel Richard Nixon. Der nahm als Präsident sein"executive privilege " gern in Anspruch und hielt es darum für legitim, politische Gegner zu bespitzeln oder gar bei ihnen einzubrechen.

Das endete 1973 mit der Amtsenthebung Nixons. Es war ein Sieg der Demokratie in den USA, aber keineswegs eine Niederlage solch Denkens und solcher Amtsanmaßung. Noch Jahre später erklärte Richard Nixon in einem Interview: "Wenn der Präsident etwas tut, bedeutet es, dass es nicht illegal sein kann." George W. Bush und Dick Cheney würden es wohl genauso formulieren.

Nur dass keiner sie des Amtes entheben will.

Ihre Meinung

Kann und darf ein Präsident über dem Gesetz stehen?

Diskutieren Sie mit! Bisherige Beiträge (31)
Ein Kommentar von Hans-Hermann Klare
 
 
KOMMENTARE (10 von 31)
 
hiro42 (04.07.2007, 14:24 Uhr)
Europa
Das der gefährlichste Terrorist der Welt im weissen Haus sitzt und die USA mit einer echten Demokratie nicht wirklich viel gemeinsam haben - darüber ist ja schon genug geschrieben worden. Wenden wir den Blick aber mal nach Europa: Italien: Berlusconi dessen Verbindungen zur Mafia nicht mal ein Geheimniss sind hatte 3 Amtszeiten. Frankreich: Sarkozy - ist noch dicker mit seinen Freundin aus der Hochfinanz, als Schröder es jemals war. Und ob die Bundesregierung (egal welche) immer im Interesse des Volkes und der Demokratie handelt darf doch auch mal stark bezweifelt werden. Bleibt nur der Verweiss auf Chuchill der sagte: "Die Demokratie ist die schlechteste aller Lösungen, abgesehen von allen anderen."
bernie-abg (04.07.2007, 11:25 Uhr)
Der Vergleich...
...mit Clinton hinkt.
Es ist richtig, daß jeder Präsident am Ende seiner Amtszeit Begnadigungen ausspricht. Allerdings haben diese Täter zumindest einen Teil ihre Strafe im Gefängnis abgesessen.
In Libbys Fall ist es zwar nur eine Teil-Begnadigung, aber die Geldstrafe bezahlt er aus der Portokasse (falls er sie überhaupt selber bezahlen muss!)und die Suche nach einem hochbezahlten Spitzenjob erübrigt sich für diesen besonderen Vorbestraften auch.
Bush begründet die Begnadigung damit, daß Libbys Familie genug "gelitten" hätte.
Beim Amtsenthebungverfahren gegen Clinton, spielte es für die Republikaner keine Rolle als sie das Privatleben der Clintons schonungslos an die Öffentlichkeit gezerrt haben.Diese "double-standarts" zeigen wie moralisch verkommen die Republikaner sind.
Malt (04.07.2007, 11:05 Uhr)
demotatur!
Wir ALLE leben doch in einer Demotatur... wir wählen eben die Verbrecher, sie müssen sich nicht mal an die Macht putschen. Oder wie ist es sonst zu sehen, dass ein Kohl sich einfach hinsetzten kann, als Zeuge, und nur wiederholt: Ich sag' nix!"? Jeder "Normalo" wäre in Beugehaft gekommen bis er das Maul aufgemacht hätte...
Oder wie kann es in einer Demokratie angehen, dass ein Schröder nach seiner Amtszeit bei einem Unternehmen anheuert, dem er während seiner Amtszeit einen Martvorteil verschafft hat? Bzw. wie kann es sein, dass man nicht mal mehr öffentlich sagen darf, dass er sich hat schmieren lassen (was JEDEM normalen Menschen eh klar sein muss), weil es per Gericht verboten wurde?
Wie kann ein Innenminister öffentlich sagen, dass er davon wusste, dass die Ihm unterstellten Behörden wissentlich (unwissentlich wäre übrigens auch nicht besser gewesen!) geltende Gesetzte gebrochen haben (Stichwort: Überwachungen ohne richterliche Genehmigung), und auch nur einen Tag länger in Amt und Würden bleiben?
-
Wir haben selbst einen riesen Haufen scheiße in Deutschland der bis zum Himmel stinkt, vielleicht sollten wir uns erstmal darum kümmern, bevor wir auf den anderen rumhacken? Klar ist das, was Busch da getrieben hat moralisch verwerflich. Aber er darf es laut Gesetz machen. Ich wäre mittlerweile froh, wenn unsere Politiker wenigstens schon so weit wären, dies auch zu berücksichtigen!
dispo4 (04.07.2007, 09:56 Uhr)
gewählt ist gewählt
Zur Erinnerung:
George W. Bush ist der gewählte Präsident der U.S.A.
Ihm stehen die Rechte zu, die er anwendet. Punktum !!!
oscarherz (04.07.2007, 09:54 Uhr)
undemokratisch
Dieses ist nur ein weiterer Beweis, daß es in den USA die vielgepriesene amerikanische Demokratie nicht gibt. Die USA sind keine Demokratie und haben somit auch kein Recht anderen Staaten undemokratisches Verhalten vorzuwerfen. Im übrigen gehört Bush nach Haag.
kasa55 (04.07.2007, 09:51 Uhr)
Es wird immer so sein...
dass es Gleiche und Gleichere gibt. Wer an der Macht sitzt nutzt diese aus ob in der Politik oder der Wirtschaft.
Im Grunde ist jede Demokratie sowie jede Wirtschaft eines Landes unterhöhlt und aus den Ankern gehoben.
Manchmal bekommt man das anhand von Nachrichten mit, meistens geschieht dies aber auf Ebenen, die es jarzehntelang verstanden haben Dinge so zu vertuschen, dass sie niemand wahrnimmt.
Halte das Volk dumm, dann wirst du keinen Wiederstand haben. Gebe ihm oberflächliche Informationen mit einer Schlagzeile, damit man sich lange über ein Thema beschäftigt und dabei aber wesentlich wichtigere Dinge, die nicht für das öffentliche Ohr sind, erledigen zu können.
Es ist erschreckend welchen Weg die Menschheit eingeschlagen hat. Die Auswirkungen dafür werden wir, die normale Bevölkerung, alle noch zu spüren bekommen.
Und dies wird kein Computerspiel sein...
Fesche_Lola (04.07.2007, 09:29 Uhr)
Ich hoffe nur,...
...dass dieser Mann endlich kriegt, was er verdient. Er ist mit all seinem Tun und in all seiner grenzenlosen Dummheit eine Schande - und noch schlimmer - eine Gefahr. Für sein Volk und die ganze Welt. Warum stoppt ihn keiner? Stehen die Amis auf Volksverarschung? Dieser neueste Streich von ihm ist zwar nicht in dem Sinne "weltbewegend", aber exemplarisch für sein skrupelloses Ausnutzen des Präsidentenamtes.
wallerer (04.07.2007, 09:21 Uhr)
@udogoebel
"In gewisser Weise bin ich nicht ueberrascht ueber dieses einseitige Kommentar von Herrn Klare. Es waere interesant zu hoeren das Begnadigungen schon immer stattgefunden haben. Auch wenn man beruecksichtig wen Bill Clinton in den letzten Tagen seiner Amtszeit noch begnadigt hat (140 insgesamt), dann wird diese Diskussion ins rechte Licht gerueckt...."
Herr Goebel hat ja recht - aber letztendlich ist es mir egal, wer wen begnadigt. Wenn die Begnadigung aus solch durchsichtigen Gründen erfolgt, ist sie schlicht und ergreifend unrecht - welcher Präsident unterschreibt, spielt insofern keine Rolle, als dass der Vorgang an sich nicht gerechter wird.
stern-user (04.07.2007, 08:30 Uhr)
@udogoebel
Da haben Sie natürlich Recht. Clinton hat auch viele begnadigt. Nur mit einem Unterschied: Das Leben von niemandem wurde gefährdet. Können Sie sich vorstellen wie das Leben von Frau Plame sich verändert hat. Die Frau ist doch ihres Lebens nicht mehr sicher, nachdem alle Welt weiß, dass sie mal Agentin bei der CIA war.
manndernichtdaist (04.07.2007, 08:26 Uhr)
God bless America!
Tja, was keiner so richtig erkennt ist, dass solche Machenschaften in Diktaturen Gang und Gäbe sind. Auch Hitler hat sich diejenigen um sich geschart die ihm Zucker in den Hintern geblasen haben.
Hier ist es nicht anders. Bush ist keine Marionette. Bush ist nicht dumm. Er tut so, als ob er nicht wisse was er da macht, aber das ist nur Lug und Trug. Er weiss sehr wohl wie er unter dem Deckmantel der Demokratie ein diktatorisches System aufbauen kann.
Aber das hatten wir ja schon in der Geschichte.... und die hat gezeigt, dass irgendwann der große Knall kommen wird.
Ich zitiere mal Peter Maffay aus dem Lied "Wie kannst du schlafen"
Du bleibst kalt
und die Welt ist in Aufruhr.
Hilflose Menschen kriechen in deiner Spur.
In einer Flut
aus Furcht und aus Tränen
verschwindet Leben
Tag für Tag.
Und du hältst
selbstverliebte Reden,
denn du bist sicher
Gott steht neben dir.
Weil dich nichts mehr aufhält,
keine Menschenrechte,
trägst du den Terror hin an jede Tür.
Wie kannst du schlafen,
wie kannst du ruh´n,
wie kannst du schlafen,
bei all´ deinem Tun?
Weinende Mütter,
trauernde Väter,
deine eigenen Kinder schickst du in den Krieg.
Wenn sie dann sterben,
für all´ deine Lügen,
feierst du den Tod als deinen Sieg.
Wie kannst du schlafen,
mit all´ deinem Frust,
wie kannst du schlafen,
mit Hass in der Brust,
wie kannst du atmen,
erstickst du nicht,
wenn die Welt in sich zusammenbricht?
Deine Mitdenker sind Henker
und sie beugen das Gesetz.
Keiner, der sie in die Knie zwingt.
Sie betrügen und sie lügen,
die Wahrheit geht ihnen ins Netz,
Zeit dass man sie vor die Türe setzt.
Ihr alle spielt
viel zu sehr mit dem Feuer.
Ihr seid blind,
doch ihr merkt es nur noch nicht.
Denn einer wird zielen,
einer liegt auf der Lauer
und dann ist Schluss,
denn dann geht´s aus,
dein Licht.
Wie kannst du schlafen,
mit dieser Gewalt,
wie kannst du schlafen
und wann machst du halt?
Keine Vergebung
vor dem jüngsten Gericht,
kein Pardon,
denn das verdienst du nicht.
Wie kannst du schlafen?
Trifft das Ganze ziemlich gut, wie ich finde.
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