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25. Oktober 2011, 09:56 Uhr

Gaddafi in der Wüste beerdigt

Die Leichen von Ex-Diktator Gaddafi und seinem Sohn Mutassim sind in der libyschen Wüste beerdigt worden - an einem geheimen Ort. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch forderte unterdessen die Übergangsregierung auf, das Massaker an Gaddafi-Anhängern aufzuklären.

Die Leiche des gestürzten libyschen Machthabers Muammar al Gaddafi ist in den frühen Morgenstunden an einem geheimen Ort in der Wüste beigesetzt worden. Dies berichtete der arabische Fernsehsender al Dschasira unter Berufung auf einen namentlich nicht genannten Vertreter der libyschen Übergangsregierung.

Es war ein "einfaches Begräbnis" in Anwesenheit muslimischer Kleriker, so hatte es die Übergangsregierung zuvor angekündigt. Gaddafis Sohn Mutassim ist gemeinsam mit seinem Vater beigesetzt worden. Mit dem Stamm des Herrschers hatte es keine Einigung über eine Überstellung der Leichname gegeben.

Zuvor waren die Leichen Gaddafis, seines Sohnes Mutassim und seines Armeechefs aus einem Kühlraum in der Stadt Misrata an einen unbekannten Ort gebracht worden. Sie waren dort tagelang zur Schau gestellt worden. Die Ausstellung der verwesenden Körper hatten bei ausländischen Verbündeten des Übergangsrates Befremden ausgelöst. Gaddafi wurde am Donnerstag vergangener Woche gefasst und starb wenig später unter Umständen, die noch immer nicht geklärt sind. Viele Anzeichen deuten jedoch darauf hin, dass ihn Kämpfer des Übergangsrates nach seiner Gefangennahme gezielt erschossen hatten.

Massaker an Gaddafi-Anhängern

Die Milizen des Übergangsrates geraten unterdessen zunehmend ins Zwielicht. Mitarbeiter der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch fanden Anhaltspunkte für ein Massaker unter 53 Gaddafi-Anhängern in Sirte. Bei einigen der Toten waren die Arme mit Plastikbändern hinter dem Rücken zusammengebunden, hieß es in dem Bericht, den die Organisation am Montag veröffentlichte. Mit Hilfe von Bewohnern der Umgebung konnten einige der Männer als örtliche Gaddafi-Kader und -Anhänger identifiziert werden.

Human Rights Watch forderte den Übergangsrat auf, "eine unverzügliche und transparente Untersuchung der offensichtlichen Massenhinrichtung einzuleiten und die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen". Die Leichen lagen auf einem Grundstück nahe einem Hotel, das zum Zeitpunkt des Todes der Männer von Anti-Gaddafi-Kämpfern kontrolliert worden war. Die Blutspuren, Einschüsse im Grasboden und die Verteilung der Geschosshülsen deuteten darauf hin, dass die meisten Opfer gemeinsam an dieser Stelle erschossen worden seien, hieß es in dem Bericht.

Sollte sich die Massenerschießung eindeutig Anti-Gaddafi-Milizen zuschreiben lassen, wäre dies das schwerste Kriegsverbrechen, das diese in ihrem acht Monate währenden Kampf gegen das Regime begangen haben. Bislang wurden vor allem Übergriffe gegen Gaddafi-Anhänger wie willkürliche Verhaftungen und Misshandlungen bekannt. Außerdem wurden mancherorts Dorfbewohner vertrieben, weil sie der Sympathien für Gaddafi verdächtigt wurden.

Nato sieht Ziele erreicht

Die Nato sieht das Ziel ihres Militäreinsatzes in Libyen erreicht. Alle Gebiete Libyens seien heute unter Kontrolle des Nationalen Übergangsrates, sagte der Kommandeur des Einsatzes, der kanadische General Charles Bouchard, am Montag in seinem Hauptquartier in Neapel. "Die Gefahr organisierter Angriffe von Resten des Gaddafi-Regimes ist vorbei."

Zugleich verteidigte Bouchard den Angriff auf einen Konvoi von 175 Fahrzeugen, mit dem Gaddafi am Donnerstag versucht hatte, aus Sirte zu flüchten. "Wir hatten die Befürchtung, dass die Kämpfer aus Sirte sich mit Resten der Kämpfer aus Bani Walid zusammenschließen und dann Zivilisten in einer Stadt als Geiseln nehmen könnten", berichtete Bouchard. "Wir haben daher beschlossen, den Konvoi aufzubrechen und in kontrollierbare Teile aufzuspalten. Wir haben unsere Waffensysteme zweimal auf den Konvoi gerichtet und dieses Ziel erreicht." Auf einigen Pickup-Fahrzeugen hätten sich Raketen und Maschinengewehre befunden: "In unserer Einschätzung war das eine eindeutige potenzielle Bedrohung der Zivilbevölkerung."

swd/Reuters/DPA
 
 
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