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29. Oktober 2009, 21:28 Uhr

EU-Gipfel einigt sich auf Zugeständnis an Tschechien

Es fehlt nur noch die Unterschrift des tschechischen Staatspräsidenten Vaclav Klaus unter dem EU-Reformvertrag. Nun hat Klaus in Brüssel bekommen, was er wollte - der EU-Gipfel einigte sich darauf, Tschechien eine Ausstiegsklausel aus der Grundrechtecharta zu gewähren.

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Die Staats- und Regierungschefs der EU haben den Weg Weg für das Inkrafttreten des Lissabon-Vertrags so gut wie freigemacht© DPA

Mit einem Zugeständnis an Tschechiens Präsident Vaclav Klaus haben die Staats- und Regierungschefs der EU am Donnerstag den Weg für das Inkrafttreten des EU-Reformvertrags von Lissabon so gut wie freigemacht. Sie einigten sich am Donnerstagabend in Brüssel auf eine Formel, die Klaus zur Bedingung für seine Unterschrift unter die Ratifizierungsurkunde gemacht hatte. Sofern jetzt das tschechische Verfassungsgericht Anfang November den Vertrag erneut für legal erklärt, könnte dieser nach Unterschrift durch Klaus zum Jahresende in Kraft treten.

Die Gipfelrunde applaudierte, als Schwedens Premierminister Fredrik Reinfeldt die Einigung verkündete, sagten EU-Diplomaten. Reinfeldt erwartet nach der Einigung eine rasche Ratifizierung des Lissabon-Vertrags. "Der Weg für die Ratifizierung durch Tschechien steht jetzt offen", sagte er am Donnerstagabend in Brüssel nach den Gipfelberatungen. Die mit Prag vereinbarte Fußnote sei "auch von den benachbarten Ländern" Tschechiens akzeptiert worden. "Die Einigung war möglich, weil viele europäische Politiker Führungsstärke und guten Willen gezeigt haben", sagte Reinfeldt. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sagte: "Alle politischen Hürden sind beseitigt. Der Lissabon-Vertrag kann sehr rasch in Kraft treten, sofern auch das tschechische Verfassungsgericht zustimmt."

Tschechien erhält eine Fußnote zum Vertrag, mit der klargestellt wird, dass die im Lissabon-Vertrag enthaltene Grundrechtecharta keine Rechtsgrundlage für mögliche Klagen gegen die sogenannten Benes-Dekrete von 1945 sind. Auf der Grundlage dieser Dekrete waren mehr als zwei Millionen Sudetendeutsche und Hunderttausende von Ungarn aus der damaligen Tschechoslowakei vertrieben worden.

Die nunmehr nachträglich genehmigte Fußnote entspricht einer Formulierung, die von Großbritannien und Polen bereits während der Verhandlungen zum Lissabon-Vertrag durchgesetzt worden war. Darin heißt es, der Europäische Gerichtshof (EuGH) habe kein Recht, Verwaltungsvorschriften der beiden Staaten unter Berufung auf die Grundrechtecharta für illegal zu erklären. Es würden keine einklagbaren Rechte geschaffen, die Großbritannien und Polen nicht selbst in ihrem Recht vorgesehen hätten. Die Staats- und Regierungschefs einigten sich auch auf einen Paragraphen in der Abschlusserklärung des Gipfels, mit der Bedenken Ungarns und der Slowakei Rechnung getragen werden soll.

Nach der Einigung mit den Regierungen Tschechiens und der Slowakei ging es im Kreis der Staats- und Regierungschefs vor allem darum, auch die Zustimmung von Ungarn, Deutschland und Österreich zu bekommen. Diese drei Staaten hatten zur Bedingung für ihr Einverständnis gemacht, dass in keinem EU-Text die Rechtmäßigkeit der Benes-Dekrete - wie ursprünglich von Prag gefordert - direkt und namentlich erwähnt werden dürften. Die Formulierungen müssten jenen entsprechen, die für Großbritannien und Polen vereinbart worden waren.

DPA
 
 
KOMMENTARE (7 von 7)
 
BRDigt (30.10.2009, 22:21 Uhr)
Tschechien boykottieren!
Der Wohlstand, den sich Tschechien seit '89 erarbeitete, beruht auf deutschen Touristen (Pilsner, Karlsbad) und den Kunden unserer verlängerten Werkbänke (VW-Skoda). Statt nachzudenken und vielleicht ein Promille der die Säuberungen überlebenden Sudetendeutschen (darunter auch jüdische) zu restituieren, damit die aus den versauerten Wiesen und verfallenen Fabriken der Grenzgebiete in Teilen mal wieder etwas machen würden, paukt der ominöse Herr Klaus (namentlich ein verkappter Selbsthasser) seinen ethnischen Säuberungsstaat in jene EU-Sonderregelung. Für mich heißt es dann eben: es fließt auch weiterhin kein Cent nach Tschechien, mal abgesehen von den steuerfinanzierten Tributzahlungen antideutscher BRD-Regierungen. Zum Trost bleibt gültig: Unrecht Gut gedeihet nicht!
utospatz (30.10.2009, 17:22 Uhr)
Hat irgendwann irgendjemand je
hinterfragt, was Europa eigentlich ist?
Ein Konklumerat von politischen Opportunisten die sich wichtiger nehmen als der letzte Ziegenhirte? Schließlich haben wir unsere Steuerzahler und sonstige Fußgänger im Rücken?
Dann einigen die sich im Oktember beim Spargelessen auf etwas, was selbst eine Wildsau nicht versteht? Wie verblödet, bzw. pervers ist der Neandertaler eigentlich geworden? Welche Menschen, bzw. Idioten leben eigentlich auf diesem Kontinent?
rochen (30.10.2009, 17:09 Uhr)
Die Maske ist gefallen...


Jetzt hat Europa endgültig die Maske fallen lassen und sein wahres Gesicht gezeigt! Obwohl ja bereits für wenige, durch den Bescheid des EGMR in Strassburg im letzten Jahr, keine Illusionen über die Lage der Menschenrechte in Europa mehr bestanden, hat die Tschechei nun für jedermann für absolute Klarheit gesorgt. Das ist das Positive, denn fast wäre es gelungen die selben Untaten die bereits vorher mit Großbritannien und Polen begangen wurden, unter dem Teppich zu halten. Klaus hat alles nun öffentlich gemacht!

Aber niemand in Europa (außer den Akteuren) hat anscheinend mitbekommen, dass Europa, mit diesem Entscheid nun auch für Tschechin, die Menschenrechte endgültig und unwiderruflich verraten hat! Dieses Datum wird in die Geschichte eingehen wie das "Ermächtigungsgesetz" von 1933, oder die Verabschiedung des Versailler Vertrages 1919 durch den Völkerbund!

Erst in Generationen vielleicht wird die wahre Tragweite dieses Beschlusses der europäischen Öffentlichkeit bewusst werden.

Mit der "Durchlöcherung" der Grundrechtecharta für Europa ist diese ad absurdum geführt worden - das Menschenrecht in Europa ist ab jetzt wirklich nur noch eine leere Hülle!

Der Lissabon - Vertrag ist für uns Bürger bereits eine Katastrophe, sie wird aber durch das, was gerade mit der Grundrechtecharta passiert, bei weitem in den Schatten gestellt!

Die deutschen und österreichischen Vertriebenen sind die ersten Opfer!

Gruß, C. Pichlo

P.S. Nun wissen wir auch, warum die Kanzlerin ihrer vornehmsten Pflicht nach ihrer Wiederwahl gestern nicht nachkam und dem deutschen Volk ihr Regierungsprogramm für die nächste Legislatur erklärte. Sie wollte unbedingt, als die Hauptverantwortliche, an dem "Leichenschmaus" für das Völkerrecht gestern in Brüssel teilnehmen!
Der Sargdeckel wurde gestern zugeklappt - endgültig!
mantrid (30.10.2009, 12:24 Uhr)
Europa der ewig gestrigen
Bei den Benes-Dekreten geht es um die Diskriminierung und Entrechtung nationaler Minderheiten, in diesem Fall von tchechischen Staatsbürgern deutscher Nationalität. Ein Europa, das Minderheiten nicht schützt (gilt auch für Sinti, Roma, Juden, Muslime, Sorben usw.) ist eine Schande für die Menschheit
pops (30.10.2009, 09:00 Uhr)
Verstehe ich nicht...
Entweder ich will in welchen Verein auch immer oder ich lasse es. Kassieren und die Rosinen herauspicken wollen alle. Wenn sie nicht wollen - und tschüss! Dann sind sie eben nicht in der EU. Stört es irgend jemand? Gibt es nicht schon genug wichtige Probleme? Muss man jedem mickrigen Erpresser nachgeben?( Siehe die jetzige Gerichtsverhandlung gegen den Deppen, der die Ägypterin umbrachte - in Deutschland gibt es ein Vermummungsverbot. Und was wird diesem Idioten gestattet?) Wo leben wir denn mittlerweile?
Angekratzt: Pops
MRP66 (30.10.2009, 08:53 Uhr)
Es scheint so,
dass man sich langsam bewaffnen muss um seine Freiheit eines Tages zu verteidigen!
Und das meine ich ernst.
Nicht umsonst ist das EU-Gebäude eine Kopie des Turmes von Babylon. Freiheit ade....
Kroko (30.10.2009, 00:08 Uhr)
Das
ist aber freundlich ausgedrückt..;)

Ich anerkenne diesen Vertrag nicht; Ich anerkenne keine Regeln, die von irgendeiner selbsternannten EU-Institution kommen.

Den restlichen Kommentar behalte ich bei mir....Stasi hört mit...

Bitterböse Kroko
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