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Mo Yan wischt "Schmutzwasser" gelassen ab

Nun macht er seinem Ärger Luft: Bei der Nobelvorlesung in Stockholm beschimpfte der chinesische Literaturnobelpreisträger Mo Yan seine Kritiker. "Dreckwasser" und "Steinewerfen" beeindrucke ihn nicht.

  Während seiner Nobelvorlesung in Stockholm ging der chinesische Schriftsteller Mu Yan kaum auf die Kritik an seiner laxen Haltung zur Zensur ein - stattdessen huldigte er seiner Mutter

Während seiner Nobelvorlesung in Stockholm ging der chinesische Schriftsteller Mu Yan kaum auf die Kritik an seiner laxen Haltung zur Zensur ein - stattdessen huldigte er seiner Mutter

Der chinesische Literaturnobelpreisträger Mo Yan sieht Kritik an seiner politischen Rolle in China als "Dreckwasser" und "Steinewerfen". Bei der traditionellen Nobelvorlesung drei Tage vor Entgegennahme der Auszeichnung sagte der 57-Jährige am Freitag in Stockholm, der Gegenstand der Debatte habe mit ihm als Person "so gut wie nichts zu tun". Chinesische Kritiker sowie unter anderem die deutsch-rumänische Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller werfen Mo Yan unkritische Anpassung an die Machthaber in China vor.

Empörung lösten Äußerungen Mo Yans vom Vortag in der schwedischen Hauptstadt aus, als er die Zensur in seiner Heimat mit lästigen, aber unumgänglichen Sicherheitskontrollen an Flughäfen verglich. Gleichzeitig lehnte er es ab, sich einer Initiative von 134 Nobelpreisträgern zur Freilassung des inhaftierten chinesischen Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo anzuschließen.

Mit Steinen beworfen, mit Dreckwasser überschüttet

Zur Kritik an ähnlichen Äußerungen auch vorher schon sagte der Schriftsteller bei der Nobelvorlesung nach dem vorab verbreiteten Text: "Ich fühle mich wie ein Theaterbesucher, der dem Treiben auf der Bühne zusieht. Ich sehe, wie ein Preisträger mit Blumen überhäuft, aber auch mit Steinen beworfen und mit Dreckwasser überschüttet wird." Er wische sich das "Schmutzwasser" aber gelassen ab und sage zum Publikum: "Für einen Schriftsteller ist der beste Weg sich zu äußern das Schreiben."

Als vorsichtige, indirekte Aufforderung zu mehr Zivilcourage werteten Beobachter eine von Mo Yan wiedergebene Geschichte aus seiner Kindheit. Dabei habe er als Schüler in den 60er Jahren einen Mitschüler denunziert, der sich dem Gruppenzwang zu allseitigem "Heulen" bei einer Ausstellung über Leiden des Volkes verweigerte. Mo Yan sagte weiter: "Wenn alle weinen, dann sollte es einen geben, der nicht weint. Und wenn das Geheule zudem nur zur Schau gestellt ist, dann ist es umso wichtiger, dass einer sich dem Weinen verweigert."

Rede als Huldigung an seine Mutter

Den größten Raum bei der Vorlesung nahm eine Huldigung des Nobelpreisträgers an seine Mutter mit Erzählungen aus der eigenen, bitterarmen Kindheit in einem Dorf ein. Mo Yan berichtete auch über seinen literarischen Weg als "Geschichtenerzähler" von ersten Versuchen während der Armeezeit über Nachahmungsversuche von großen westlichen Vorbildern wie William Faulkner und Gabriel García Márquez bis zur späteren Besinnung auf alte chinesische Erzähltraditionen.

Mo Yan nimmt seine mit acht Millionen Kronen (925 000 Euro) dotierte Auszeichnung am Montag aus der Hand von Schwedens König Carl XVI. Gustaf zusammen mit den Preisträgern für Medizin, Physik, Chemie und Wirtschaftswissenschaft in Empfang.

nw/DPA/DPA

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