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Obama hält vage Ölpest-Rede

Vor acht Wochen begann das Öl-Drama im Golf von Mexiko. Nun hat Barack Obama seine erste Live-TV-Ansprache aus dem Weißen Haus gehalten, in der er Amerika auf eine neue Energiepolitik einstimmt. Zu spät, zu schwunglos, nicht kämpferisch genug war diese Rede, so das Urteil seiner Kritiker.

Vom Oval Office aus sprechen US-Präsidenten der Nation Mut zu und Trost in Zeiten von Krisen und Krieg. Für Barack Obama gab die Ölpest den Anlass für seine erste Ansprache in dem feierlichen Rahmen. Doch selbst Anhänger rieben sich hinterher verwundert die Augen.

Der Ort der Rede sagte alles. Sein Amtszimmer, das legendäre Oval Office, hatte US-Präsident Barack Obama gewählt, um sich im Öl-Drama im Golf von Mexiko an die Nation zu wenden. Dort, von wo George W. Bush aus den Amerikanern nach dem Terror des 11. September 2001 Mut zusprach und Ronald Reagan nach der Explosion des Space Shuttle "Challenger" 1986 die Nation zu trösten suchte.

Nett, mit sanfter Stimme

Die Botschaft war klar: Niemand nimmt die schlimmste Ölpest in der Geschichte des Landes ernster als der Präsident - nachdem die Kritik am Umgang der Regierung mit der Katastrophe zum Trommelfeuer angeschwollen war. Zu langsam die Reaktion, zu kühl der Präsident, lautete das Lamento. Aber selbst unter Anhängern konnte Obama, der begnadete Kommunikator, nicht überzeugen. Ziellos, planlos, wie die Versuche, das alptraumhafte Bohrloch zu stopfen, sei die 18-minütige Rede gewesen, krittelten sogar US-Medien, die ihm sonst zugetan sind.

Ungewohnt schwunglos wirkte die Ansprache auf jene, die viele seiner Reden sahen. Nett, nicht kämpferisch, saß er eingerahmt von zwei Flaggen mit grauem Jackett und kleinkarierter, blauer Krawatte. Vom Ziel, binnen "Tagen oder Wochen" bis zu 90 Prozent der rostbraunen Gift-Soße einfangen zu können, sprach der Präsident mit sanfter Stimme. Von einem Treuhandfonds, den BP zu füllen, aber nicht zu verwalten hat. Und viel von einer Zukunft mit sauberen Energien, deren Notwendigkeit nach Obamas Worten gerade im Angesicht der Katastrophe deutlicher denn je geworden ist. Er rief zu einer "nationalen Mission" für die Nutzung erneuerbarer Energien auf. Die Ölpest sei "die bisher schmerzlichste und nachdrücklichste Ermahnung, dass die Zeit zur Nutzung sauberer Energien gekommen ist".

"Er war völlig ohne Ziel"

Doch selbst für linksliberale US-Medien war es nicht ganz der gewünschte Ton. "Wir wissen, dass das Land nach Beruhigung giert. Wir sind nicht sicher, ob das amerikanische Volk sie am Dienstagabend in einer Rede erhielt, in der Konkretes zu kurz kam und der es an Selbstkritik fehlte", mäkelte die "New York Times" in einem Kommentar. "Er war völlig ohne Ziel. Es war verblüffend, da zuzuhören", meinte Keith Olbermann, für amerikanische Verhältnisse stramm linker Starmoderator des US-Fernsehsenders MSNBC.

Auch andere, die sonst meist Freundliches über Obama sagen, rieben sich die Augen. "Diese Sache mit dem Commander-In-Chief ist irgendwie abhandengekommen", befand der Washington-Korrespondent des Magazins "Newsweek", Howard Fineman. Schließlich gehe es hier um einen Krieg gegen das Öl. Staunen löste der Präsident aus, als er die Entschlossenheit der Nation hervorhob, "für jenes Amerika zu kämpfen, das wir für unsere Kinder wollen". Um dann hinzuzufügen: "Auch wenn wir nicht genau wissen, wie es aussieht. Auch wenn wir noch nicht präzise wissen, wie wir dorthin gelangen." Mit tiefen Falten in der Stirn meinte eine Obama sonst höchst zugetane TV-Moderatorin: "Fühlen Sie die Befähigung, das Schicksal unserer Nation zu formen?"

Die Unzufriedenheit mit Washington wächst

Schon seit Wochen wächst mit dem Zorn auf den Energieriesen BP im Volk die Unzufriedenheit mit Washington und dem Kampf der Obama-Regierung gegen das Öl. Rund Dreiviertel der Amerikaner sind von den bisherigen Anstrengungen nicht eben begeistert, fanden Umfragen heraus. Und nach Angaben der US-Regierung ist das Ausmaß der Katastrophe noch dramatischer als bislang bekannt: Nach jüngsten Schätzungen strömen derzeit bis zu 8200 Tonnen Öl pro Tag ins Meer. Erst vor wenigen Tagen war die Menge auf ein tägliches Maximum von 5400 Tonnen nach oben korrigiert worden.

Die Ölpest sei durchaus dazu geeignet, zum bestimmenden Thema des zweiten Amtsjahres des Präsidenten zu werden, meint "Newsweek"-Kolumnist Jonathan Alter. Schon lange frohlocken Republikaner und Konservative, die Katastrophe könnte Obamas "Katrina" werden - in Anspielung auf den chaotischen Hilfseinsatz unter Präsident George W. Bush, nachdem der Hurrikan vor fünf Jahren in New Orleans und Umgebung hundertfachen Tod und Verwüstung angerichtet hatte. Für Bush wurde es zu einem entscheidenden politischen Sargnagel.

Eine Situation, die für den Präsidenten und seine Demokraten brandgefährlich werden könnte, angesichts der wichtigen Kongresswahlen im November, bei der Obamas Partei ihre Mehrheiten verteidigen muss. Es geht um alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus und immerhin ein Drittel des Senatsmandate. Erst am Dienstag machte der US-Rundfunksender NPR eine Umfrage publik, die nichts Gutes erwarten lässt: Demnach könnten die Demokraten weit über 30 Sitze im Abgeordnetenhaus einbüßen. "Die Ergebnisse sind ein Weckruf für die Demokraten", befand das mit der Erhebung beauftragte Institut GQR.

Frank Brandmaier, DPA/DPA
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