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1. August 2005, 14:19 Uhr

Muslime verärgert über Kontrollen

London gleicht derzeit einem Hochsicherheitstrakt. Mit einem enormen Polizeiaufgebot sowie Scharfschützen soll die Hauptstadt vor weiteren Anschlägen geschützt werden. Einigen Bewohnern gehen die Personenkontrollen allerdings zu weit.

Polizisten kontrollieren die Londoner U-Bahn© Kirsty Wigglesworth/AP

In London herrscht wieder Ausnahmezustand. Der "Times" zufolge soll eine weitere Terrorgruppe Anschläge für den vergangenen Donnerstag geplant haben. Sie habe Zugang zu Sprengstoff sowie Kontakte zu der terroristischen Zelle in der Stadt Leeds, von wo die Bombenattentäter vom 7. Juli kamen. Andere extremistische Gruppen wollten beweisen, dass es kein Problem sei, neue Rekruten für Selbstmordattentate zu finden.

Die Stadt hat deshalb ihre Sicherheitsbemühungen drastisch ausgeweitet, die Polizei versucht mit hohem personellen Einsatz der Gefahr zu begegnen: Nach den Medienberichten werden auch am heutigen Montag erneut Tausende von Scharfschützen in den Straßen und auf den Dächer Londons im Einsatz sein, so die "Times".

Als weitere Maßnahme hat die Londoner Polizei angekündigt, Angehörige bestimmter Minderheiten in der U-Bahn verstärkt zu durchsuchen. Darüber sind aber vor allem junge Männer islamischen Glaubens verärgert. Sie fühlten sich zu Unrecht als Zielgruppe der Polizei, berichtet der britische Sender BBC am Montag. Vor allem nach der Erschießung des Brasilianers Jean Charles de Menezes, den die Polizei fälschlicherweise für einen Selbstmordattentäter hielt, fühlten sich viele Angehörige ethnischer Minderheiten völlig verunsichert.

Die Polizei verteidigte die Durchsuchungen, man werde sich auf keine bestimmte Gruppe konzentrieren. Außerdem gingen einer Durchsuchung immer polizeiliche Erkenntnisse voraus, niemand werde völlig grundlos einfach angehalten und durchsucht. Viele hätten nach den Anschlägen Verständnis für die Maßnahmen, solange sie höflich und mit Respekt behandelt werden, sagte ein Sprecher. Zudem ist der Antiterror-Chef von Scotland Yard, Peter Clarke, davon überzeugt, dass die Bedrohung "sehr real" bleibe.

Keine Rede von einer dritten Terrorzelle

Eine Polizeisprecherin bestätigte, dass die Ermittler weitere Verdächtige im Zusammenhang mit den Londoner Anschlägen suchten, von einer dritten Terrorzelle sei aber nicht die Rede gewesen.

Unterdessen bemüht sich das Land um die Rückführung des am Freitag in Rom festgenommenen Osman Hussain. Hussain und drei am gleichen Tag in Großbritannien verhafteten Männern wird vorgeworfen, für gescheiterte Bombenanschläge auf das Londoner Nahverkehrssystem verantwortlich zu sein. Nach Angaben der italienischen Ermittler soll Hussain unter falscher Identität nach Großbritannien eingereist sein. Der in Äthiopien geborene Hamdi Issac habe seinen Namen in Osman Hussain geändert, hieß es bei Antiterror-Polizei. Bei seinem Asylantrag habe der Mann angegeben, aus Somalia zu stammen.

DPA/AP/Reuters
 
 
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