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25. Juli 2005, 12:38 Uhr

Rucksackbomber sollen aus Somalia kommen

Bei den jetzt identifizierten Rucksackbombern von London soll es sich um Somalier handeln, wie britische Zeitungen berichten. Tony Blair plant unterdessen die Verschärfung der Antiterror-Gesetze.

Peter Clarke mit den Fahndungsfotos der Rucksackbomber© Matt Dunham/AP

Die Londoner Polizei hat am Montag zwei der vier Rucksackbomber vom vergangenen Donnerstag identifiziert. Bei den beiden mutmaßlichen Terroristen handelt es sich nach Polizeiangaben um Muktar Said Ibraihim alias Muktar Mohammed Said und Yasin Hassan Omar. Zur Herkunft der beiden machte die Polizei keine Angaben. Nach britischen Presseberichten stammen die Identifizierten aus dem nordostafrikanischen Land Somalia. Sie hätten in London seit Jahren von staatlicher Unterstützung gelebt, berichteten die Zeitungen "Daily Mail" und "The Sun".

Ein Nachbar erzählte, er habe vor kurzem gesehen, wie Muktar Said Ibrahim und Yasin Hassan Omar etwa 50 Kisten in ihre Wohnung getragen hätten. "Ich habe sie gefragt, was sie da nach oben schleppten, und sie haben gesagt: Tapetenentferner. Im Nachhinein betrachtet könnte das etwas ganz anderes gewesen sein." Die Wohnung in einem Nordlondoner Hochhaus war am Montag von bewaffneten Polizisten durchsucht worden.

Ibrahim und Omar sind ebenso wie ihre beiden noch nicht identifizierten Komplizen untergetaucht. Sie hatten am Donnerstag versucht, Bomben in drei U-Bahnen und einem Bus zu zünden, was aber nicht funktionierte. Eine fünfte Bombe wurde später in einem Londoner Park gefunden.

Alle Bomben hätten sich in durchsichtigen Plastiktonnen befunden. Clarke zeigte eine solche in Indien hergestellte Tonne während einer Pressekonferenz und bat die Bevölkerung um ihre Mithilfe. Die Bomben der Täter hatten alle nicht gezündet. Scotland Yard veröffentlichte außerdem neue Bilder von den verhinderten Selbstmordattentätern.

Nach Informationen des BBC-Fernsehens hat die Polizeieinheit, die die Anschläge untersucht, am Montag zwei weitere Männer festgenommen. Drei waren bereits in Haft. Bei ihnen handelt es sich jedoch nicht um die Rucksackbomber. Die Polizei vermutet sie weiter in Großbritannien und befürchtet, dass sie wieder zuschlagen könnten. Der Scotland- Yard-Chef Sir Ian Blair sprach von einem "Wettlauf gegen die Zeit". Gesundheitsministerin Patricia Hewitt sagte, die Briten lebten nun in einem "permanenten Terrorzustand". Nach Informationen der "Times" schickte die Polizei noch mehr Scharfschützen in Zivil auf die Straße.

Der britische Premierminister Tony Blair will Dienstag die Planung neuer Antiterrorgesetze mit den Oppositionsparteien besprechen. Dazu erwartet er die Chefs der Konservativen und der Liberaldemokraten, Michael Howard und Charles Kennedy, in der Downing Street. Auf der Tagesordnung steht unter anderem eine Forderung der Polizei, Verdächtige auch ohne Anklage bis zu drei Monate festhalten zu dürfen. Zurzeit liegt die Grenze bei zwei Wochen. Die Konservativen wollen die Gesetze so ändern, dass abgehörte Telefongespräche künftig vor Gericht als Beweise zugelassen werden.

Blair nahm am Montag erstmals zu der Erschießung des 27-jährigen Jean Charles de Menezes Stellung. "Wir sind alle tieftraurig über den Tod dieses unschuldigen Menschen", sagte er. Er könne die Wut der Angehörigen nur zu gut verstehen. Gleichzeitig warb er um Verständnis für die Polizei, die "zurzeit unter sehr schwierigen Umständen" arbeite. Doch die Familie von Menezes will die Polizei verklagen. Sie bestritt auch, dass das britische Visum des Elektrikers abgelaufen gewesen sei. Die BBC hatte unter Berufung auf Polizeiquellen gemeldet, dies erkläre vielleicht, warum er vor der Polizei davongelaufen sei.

Nach einer am Montag veröffentlichten Umfrage im Auftrag der Zeitung "Daily Mirror" glauben 85 Prozent der Briten, dass die Beteiligung ihres Landes am Irakkrieg eine der Ursachen für die Terroranschläge ist. Blair bestritt dies am Montag erneut. Mit dem französischen Premierminister Dominique de Villepin vereinbarte er den Austausch von Informationen zu islamischen Hasspredigern.

Führende muslimische Geistliche verurteilten die Anschläge bei einer internationalen Konferenz in London. Auch der umstrittene Professor Tariq Ramadan aus Genf sagte: "Wir dürfen nicht vergessen, dass das Töten von Unschuldigen niemals gerechtfertigt ist." Der ehemalige Premierminister John Major forderte die konsequente Abschiebung von Hasspredigern.

Reuters
 
 
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