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7. September 2009, 10:11 Uhr

Bundeswehr empört über US-Generäle

Der schwere Luftangriff mit Dutzenden Toten in Afghanistan sorgt für Zoff zwischen Bundeswehr und US-Armee. Die Deutschen beklagen angeblich "von den USA gezielt gestreute Fehlinformationen".

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Von allen Seiten hagelt es Kritik an dem Luftschlag in Afghanistan, bei dem angeblich Dutzende Zivilisten ums Leben gekommen sind© AP

Der von der Bundeswehr angeforderte Luftangriff auf zwei entführte Tanklastzüge in Afghanistan hat einem Zeitungsbericht zufolge zu schweren Verstimmungen innerhalb der Nato-Truppe Isaf geführt. Wie die "Neue Osnabrücker Zeitung" (NOZ) berichtet, empören sich hochrangige deutsche Militärs über "offenbar von den USA gezielt gestreute Fehlinformationen in einem laufenden Untersuchungsverfahren". Grund sei unter anderem ein Artikel der "Washington Post", in dem schwere Vorwürfe gegen den deutschen Kommandeur des Bundeswehrlagers in Kundus, Oberst Georg Klein, erhoben werden.

Nach Ansicht deutscher Militärs sei der Bericht eine "bodenlose Frechheit", berichtet die NOZ. Entgegen üblicher Verfahren habe das siebenköpfige Nato-Untersuchungsteam von US-General Stanley McChrystal einem US-Journalisten erlaubt, die Ermittlungen zu verfolgen. "Das stinkt zum Himmel", sagte ein Bundeswehr-Angehöriger dem deutschen Blatt. "Offensichtlich ist Oberst Klein das Bauernopfer, um das deutsche Engagement in Afghanistan zu diskreditieren."

"Das ist die Retourkutsche"

In den vergangenen Jahren hätten sich zwischen den Verbündeten viele Verstimmungen aufgebaut, nicht zuletzt wegen der oft von deutscher Seite geäußerten Kritik an dem militärischen Vorgehen der USA, berichtet die "NOZ" unter Berufung auf deutsche Militärkreise. "Das ist die Retourkutsche", hieß es dort. Zudem gebe es das Gerücht, dass die USA die Deutschen aus Kundus "herausekeln wollten".

Die "Washington Post" hatte unter Berufung auf ein Nato-Erkundungsteam berichtet, Klein habe den Angriff auf Grundlage von nur einer Quelle befohlen. Die Isaf wies den Bericht mit Verweis auf noch laufende Ermittlungen zurück.

Gab es zivile Opfer?

Am Wochenende hatte die Zeitung unter Berufung auf ein Nato-Untersuchungsteam in Kundus 125 Tote gemeldet. Bei dem Angriff in der Nacht zum Freitag seien mindestens zwei Dutzend Zivilisten ums Leben gekommen.

Verteidigungsminister Jung rückte am Montagmorgen von seiner strikten Aussage ab, bei dem Luftangriff habe es keine zivilen Opfer gegeben. Eindeutig scheine ihm, "dass der überwiegende Anteil Taliban gewesen sind", sagte Jung im ZDF. Noch am Sonntag war der Minister bei seiner Darstellung geblieben, es seien wenig mehr als 50 Taliban gestorben, aber keine Zivilisten.

Wie die "Bild"-Zeitung am Montag unter Berufung auf einen afghanischen Untersuchungsbericht meldet, stützen afghanische Offizielle jedoch Jungs erste Version. Sie gehen davon aus, dass es bei der Attacke keine zivilen Opfer gab. In dem an Präsident Hamid Karsai gerichteten Dokument, das unter anderem der Provinz-Gouverneur von Kundus, der Polizei-Chef, der Provinzratsvorsitzende und ein Kommandeur der afghanischen Armee unterzeichneten, heißt es dem Blatt zufolge: "Durch die Explosion wurden 56 bewaffnete Personen getötet und zwölf Personen verletzt." Einer der Verletzten sei später im Krankenhaus gestorben.

"Alle Getöteten gehörten zu den Taliban"

Über den Ort des Geschehens schreiben die Offiziellen: "Der Tatort befindet sich weit entfernt von bewohnten Ortschaften. Die gefundenen Gegenstände, der Ort und die nächtliche Uhrzeit (02.30 Uhr) lassen den Schluss zu, dass alle Beteiligten den Taliban-Gruppierungen angehören." Am Tatort gefunden worden seien "zwei verbrannte Traktoren, zwei verbrannte Tanklastzüge, eine verbrannte Leiche, menschliche Überreste, mehrere verbrannte Ak47, dazugehörige verbrannte Magazine." Noch vor dem Eintreffen der polizeilichen Untersuchungskommission seien Waffen, Munition und Leichen "durch die Taliban entfernt" worden. Die auf Anordnung von Präsident Karsai gebildete Untersuchungskommission, so der Polizeibericht, sehe es als bewiesen an, dass "alle Getöteten zu den Taliban und ihren Verbündeten gehören".

Wiederum anders äußert sich die örtliche Nichtregierungsorganisation "Afghanistan Rights Monitor". Ihr zufolge wurden bei dem Luftangriff außer mehr als einem Dutzend Taliban auch 60 bis 70 Zivilisten getötet.

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