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4. November 2009, 16:41 Uhr

Bundeswehr offenbar doch durch Nato-Bericht belastet

War doch alles ganz anders? Die Bundeswehr wird offenbar durch den Nato-Bericht zum tödlichen Luftschlag auf zwei Tankwagen in Afghanistan schwer belastet. Laut einem Medienbericht wird insbesondere das Verhalten des deutschen Oberst Georg Klein gerügt. Auch der damalige Verteidigungsminister kommt nicht gut weg.

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Ein afghanischer Soldat vor einem der beiden ausgebrannten Tanklaster, die auf deutschen Befehl hin von Amerikanern bombardiert wurden© AP

In dem Nato-Bericht zur Aufklärung des Luftangriffs auf zwei entführte Tanklastwagen in Afghanistan werden offenbar schwere Vorwürfe gegen die Bundeswehr erhoben. Das berichtete die "Kölnische Rundschau" am Mittwoch unter Berufung auf das als geheim eingestufte Papier. So hätten sich die US-Piloten der angeforderten Kampfflugzeuge fünf Mal versichert, ob sie die beiden entführten Tanklastzüge tatsächlich bombardieren sollen, obwohl wichtige Einsatzregeln für diesen Befehl nicht eingehalten würden. Der Luftschlag war damals vom deutschen Bundeswehr-Oberst Georg Klein angeordnet worden.

Weiter wird in dem Nato-Bericht laut "Kölnischer Rundschau" darauf hingewiesen, es hätten sich zum Zeitpunkt des Angriffs weder Bodentruppen bei den Tanklastzügen aufgehalten, noch sei vor der Bombardierung das Hauptquartier der internationalen Isaf-Truppe eingeschaltet worden. Auch sei eine "Gefahr im Verzug", mit der Klein seine Anforderung begründet hatte, nicht nachvollziehbar gewesen, da die benzinbeladenen Lkw auf einer Sandbank am Ufer des Kundus-Flusses festsaßen. Darüber hinaus fiel der Isaf-Führung laut Bericht auf, dass ein afghanischer Nachrichtenermittler außergewöhnlich häufig, nahezu im Minutenabstand, betont habe, dass sich ausschließlich Terroristen an den Tanklastzügen aufhielten.

Kritik an Kommunikation des Verteidigungsministeriums

Besonders scharfe Kritik übt die Nato laut "Kölnischer Rundschau" an der Kommunikation des Bundesverteidigungsministeriums. Es sei unverständlich, dass der damalige Minister Franz Josef Jung (CDU) und die Bundeswehr-Führung wider besseres Wissen noch zwei Tage nach dem Luftschlag erklärt hätten, dass es keine zivilen Opfer gegeben habe. Bei dem Angriff Mitte September nahe des nordafghanischen Kundus waren zahlreiche Menschen getötet worden, darunter auch Zivilisten. Der Nato-Bericht wurde vom Bundesverteidigungsministerium bislang nur Mitgliedern des Verteidigungsausschusses sowie den Fraktionschefs im Bundestag zugänglich gemacht.

Guttenberg regt offenen Bericht an

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat die Nato unterdessen gebeten, Teile ihres Untersuchungsberichts zu dem folgenschweren Luftangriff öffentlich zu machen. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums regte Guttenberg an, eine nicht als geheim eingestufte Version vorzulegen. Es gehe darum, in der Öffentlichkeit für mehr Transparenz zu sorgen, sagte ein Ministeriumssprecher in Berlin. Der Minister habe den Kommandeur der Internationalen Schutztruppe ISAF, Stanley McChrystal, daher um einen offenen Bericht gebeten.

AFP
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