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5. November 2009, 07:39 Uhr

Guttenberg geht offenbar auf Distanz zu Jung

"Militärisch angemessen" - die Bundeswehrführung und auch Ex-Verteidigungsminister Franz-Josef Jung sahen Oberst Georg Klein durch den Nato-Untersuchungsbericht zum tödlichen Angriff auf zwei entführte Tanklaster in Afghanistan entlastet. Jungs Nachfolger kommt dagegen offenbar zu einer anderen Einschätzung.

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Afghanische Soldaten vor einem der beiden ausgebrannten Tanklaster, die auf deutschen Befehl hin von Amerikanern bombardiert wurden© Jawed Kargar/DPA

Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sieht den von dem deutschen Oberst Georg Klein angeordneten Luftangriff auf zwei von Taliban entführte Tanklastwagen in Afghanistan offenbar kritischer als sein Vorgänger Franz-Josef Jung (CDU). Nach Informationen der "Leipziger Volkszeitung" (LVZ) geht die politische Spitze des Ministeriums nun auf Distanz zur Version von Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan und der von Jung, wonach Klein "militärisch angemessen" reagiert habe. Laut dem Blatt wird Guttenberg die Obleute der Bundestagsfraktionen im Verteidigungsausschuss heute über seine Sicht unterrichten. In Abstimmung mit Guttenbergs Vorgänger Jung hatte Schneiderhan den Bundeswehr-Oberst gegen die schweren Vorwürfe verteidigt, die ein als geheim eingestufter Nato-Untersuchungsbericht erhebt. Die "LVZ" zitierte nun Vertreter des Ministeriums, wonach Guttenberg "zu einer eigenen Einschätzung kommen" wird. Eine "gewisse Diskrepanz" zwischen den geltenden Einsatzregeln und dem konkreten Verhalten Kleins lasse sich nicht wegdiskutieren, heißt es demnach aus Ministeriumskreisen weiter.

Strafverfahren gegen Oberst rückt näher

US-Kampfjets hatten am 4. September auf Anforderung Kleins zwei Tanklastzüge bombardiert, die von Taliban gekapert worden waren und dann in einem Flussbett feststeckten. Unter Berufung auf den Nato-Bericht erklärte das Ministerium in der vergangenen Woche, die genaue Zahl der Opfer des Luftschlags sei nicht zu ermitteln. Die Zahl der Toten und Verletzten liege zwischen 17 und 142, darunter 30 bis 40 Zivilisten. Die Bundeswehr sah sich durch den Bericht entlastet. Die Opposition im Bundestag hält diese Bewertung nach Einsicht in den Bericht für unzulässig. Nach Informationen der "Leipziger Volkszeitung" und der "Mitteldeutschen Zeitung" wird ein Strafverfahren gegen Klein immer wahrscheinlicher. Wie die "LVZ" unter Berufung auf Dresdner Justizkreise berichtet, deutet "manches" darauf hin, dass die zuständige Dresdner Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung von Zivilisten einleiten könnte.

AFP/DPA
 
 
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