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4. Februar 2008, 07:27 Uhr

Ausländer verlassen Tschad

Trotz der dramatischen Lage im Tschad hat sich der UN-Sicherheitsrat nicht auf eine offizielle Erklärung einigen können. Davon ist abhängig, ob die UN auch militärisch gegen die Rebellen eingreifen könnte. In Tschads Hauptstadt kämpfen Regierungstruppen und Rebellen um die Macht; erste ausländische Flüchtlinge wurden in Sicherheit gebracht.

Ein Regierungssoldat im Tschad in trügerischer Ruhe: In der Hauptstadt des Landes kämpfen Rebellen gegen Regierungstruppen um die Macht© Stephen Morrison/EPA/DPA

Der Weltsicherheitsrat ist am Sonntag zu einer Dringlichkeitssitzung zur Lage im Tschad zusammengekommen. Die Beratungen in New York über eine gemeinsame Erklärung sollten am Montag fortgesetzt werden. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon äußerte sich besorgt. Er sei "zutiefst beunruhigt" wegen der Kämpfe im Tschad, erklärte Ban. In der Hauptstadt N'Djamena kämpfen Regierungstruppen und Rebellen um die Macht. 1.000 bis 1.500 Kämpfer stießen am Samstag nach einem dreitägigen Marsch von Osten kommend in die Stadt vor. Trotz des Einsatzes von Panzern und Kampfhubschraubern gelang es den Regierungstruppen zunächst nicht, die Angreifer zurückzuschlagen.

Auf dem Pariser Flughafen Roissy- Charles-de-Gaulle sind unterdessen die ersten Flüchtlinge aus dem Tschad eingetroffen. 202 Menschen waren an Bord eines Airbus A-310 der französischen Streitkräfte, der kurz vor Mitternacht aus Libreville in Gabun kommend landete, berichteten französische Medien.

Regierung Débys steht an den Rand des Zusammenbruchs

Am Wochenende wurden mehr als 700 Ausländer nach Gabun gebracht. Etwa 200 bis 250 Menschen befanden sich am Sonntagabend noch auf dem französischen Militärstützpunkt Kosseï in N'Djamena. Sechs Militärtransporter standen für weitere Flüge nach Libreville in Gabun bereit. Unter den nach Libreville gebrachten Ausländern waren neben Franzosen auch Deutsche, Schweizer, Belgier, Spanier und Ägypter.

Die Rebellen im Tschad zogen sich nach eigenen Angaben am Sonntagabend vorübergehend an den Stadtrand der Hauptstadt N'Djamena zurück. Nach französischen Fernsehberichten wollen sie damit der Zivilbevölkerung die Gelegenheit geben, sich aus dem Zentrum der Stadt in Sicherheit zu bringen. Danach wollten sie ihre Offensive fortsetzen, sagte ein Rebellensprecher. Die Regierung sprach dagegen davon, dass die Streitkräfte die Rebellen aus der Hauptstadt vertrieben hätte. Am Sonntagabend war in N'Djamena relative Ruhe eingekehrt.

Mit der Eroberung großer Teile der Hauptstadt N'Djamena brachten die Rebellen die Regierung Débys am Sonntag an den Rand des Zusammenbruchs. Damit wurde auch die Stationierung der europäischen Truppe Eufor zum Schutz der Flüchtlinge im Osten des Landes in Frage gestellt. Bei den Kämpfen um den Regierungspalast wurden Panzer und Hubschrauber eingesetzt. Die Organisation Ärzte ohne Grenzen sprach von hunderten verletzten Zivilisten.

Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich bot Déby Hilfe zur Ausreise an, lehnte ein militärisches Eingreifen aber ab. Die im Lande stationierten französischen Truppen würden nicht an den "Kämpfen zwischen Tschadern" teilnehmen, sagte Außenminister Bernard Kouchner dem "Journal du Dimanche". Das Militärabkommen zwischen beiden Ländern sehe das nicht vor.

Unterdessen bereitete sich Kamerun auf einen Flüchtlingsstrom vor. Wie der französische Auslandssender RFI berichtete, wurden der Zivilschutz und die Polizei in Grenznähe verstärkt. Schon bei vorangegangenen Angriffen auf die Hauptstadt des Tschad hatte Kamerun als Zufluchtsgebiet gedient.

Stichwort Tschad Der Tschad im Norden Zentralafrikas gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Ursachen sind vor allem der Mangel an Wasser und jahrzehntelange Unruhen. Die Organisation Transparency International zählt das Land zu den korruptesten der Erde. Die Weltbank kritisiert, dass die Erlöse aus der seit einigen Jahren in größerem Umfang betriebenen Erdölförderung zunehmend in den Kauf von Waffen gesteckt wurden. Der Vielvölkerstaat hat fast zehn Millionen Einwohner. Muslime stellen mehr als die Hälfte, Christen etwa ein Drittel der Bevölkerung.

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (1 von 1)
 
ScoutHH (04.02.2008, 08:44 Uhr)
Passt ins Bild Afrikas
Was sich im Tschad zuträgt, passt leider perfekt ins Bild Afrikas.
Kann man helfen? Theoretisch JA, praktisch NEIN. Es klingt bitter und brutal - aber Afrika kann nur durch einen Prozess der Selbstheilung genesen.
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