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Palästina steht vor dem Bürgerkrieg

Der Machtkampf zwischen gemäßigten und radikalen Palästinensern droht zum Bürgerkrieg zu werden. Im Gazastreifen lieferten sich die rivalisierenden Gruppen Fatah und Hamas nach einem Angriff auf Regierungschef Ismail Hanija heftige Gefechte.

Im Gazastreifen haben sich schwer bewaffnete Anhänger der konkurrierenden Bewegungen Hamas und Fatah bekämpft. Die Gewalt griff auch auf das bislang ruhige Westjordanland über. Die extremistische Hamas schürte zudem den politischen Konflikt: Sie warf dem vom Westen unterstützten Präsidenten Mahmud Abbas Kriegstreiberei vor.

"Mahmud Abbas hat einen Krieg begonnen", rief der hochrangige Hamas-Anführer Chalil al-Hajja nach den Freitagsgebeten in der Stadt Gaza einer aufgepeitschten Menge von rund 100.000 Anhängern zu. "Zuerst gegen Gott und dann gegen die Hamas." Seine Zuhörer antworteten mit dem Schlachtruf aller überzeugten Muslime: "Allah ist groß!" und schossen in die Luft.

32 Hams-Anhänger verletzt

Am Morgen hatte die Hamas ihre Miliz auf die Straße geschickt. Wenig später brachen Schießereien zwischen den religiösen Extremisten und Sicherheitskräften aus, die unter dem Oberkommando von Abbas stehen und aus Fatah-Mitgliedern bestehen. Es war zunächst unklar, ob es dabei Opfer gab. In Ramallah im Westjordanland eröffneten Abbas-Kräfte das Feuer auf Hamas-Demonstranten, die sich vor der größten Moschee der Stadt versammelt hatten. Mindestens 32 Hamas-Anhänger seien verletzt worden, teilte das Krankenhaus mit.

Die Sicherheitskräfte hatten zunächst mit Stöcken und Gewehrläufen auf die Menschen eingeschlagen, um die Menge zurückzudrängen. Die Demonstranten beschimpften die in Kampfmontur aufgezogenen Polizisten mit den Worten: "Ihr seht wie israelische Soldaten aus. Ihr seid Spione."

Angriff auf Ministerpräsident Hanija

Die Spannungen unter den Palästinensern haben seit zehn Jahren nicht mehr einen solchen Höhepunkt erreicht. Damals richtete sich die Gewalt von Extremisten in der Schlussphase des ersten Aufstandes gegen die israelische Besatzung gegen eigene Leute, die der Kollaboration mit Israel bezichtigt und reihenweise erschossen wurden.

Der Eskalation war am Donnerstagabend ein Angriff auf die Wagenkolonne von Ministerpräsident Ismail Hanija vorausgegangen, bei dem ein Leibwächter des Regierungschefs getötet und weitere verletzt worden waren. Die Hamas machte die Fatah für den Beginn der Schießerei zwischen der Präsidentengarde und Hamas-Kräften in Rafah verantwortlich und bezichtigte einen engen Abbas-Vertrauten, einen Mordanschlag auf Hanija befohlen zu haben.

An dem ägyptisch-palästinensischen Grenzübergang Rafah hatten sich Hunderte von Hamas-Anhängern versammelt, weil Israel Hanija mit Unterstützung der USA die Rückkehr in den Gazastreifen verweigerte. Der Übergang wird nach einer von den USA vermittelten Vereinbarung von der Präsidentengarde geschützt. Nachdem Hanija 35 Millionen Dollar an Spendengeldern für seine international boykottierte Regierung in Ägypten zurückgelassen hatte, durfte er schließlich passieren.

Hanija rief die Menge in Gaza zur Mäßigung auf und warnte vor einer Spaltung der Palästinenser. "Ich rufe Euch auf, unsere nationale Einheit zu wahren und palästinensisches Blut zu schonen", sagte er. "Wir wollen ein geeintes Volk sein, damit wir unser Land und die heiligen Stätten befreien können." Die Hamas kämpft für eine Zerstörung Israels und pocht darauf, dass Jerusalem als einige der wichtigsten muslimischen Stätten Teil eines Staates Palästina wird.

Hanija schloss dagegen jedes politische Zugeständnis aus, das die Krise entschärfen könnte. Die Hamas werde weder vorgezogenen Wahlen noch einem Referendum über die Ansetzung eines Urnengangs zustimmen, sagte er vor den Demonstranten. Abbas hatte ursprünglich für Samstag eine Rede an die Nation geplant, in der er einen solchen Schritt ankündigen wollte. Es war offen, ob er dies nach der Gewalt tun wird. Durch den internationalen Boykott der Hamas-Regierung stehen die Palästinenser-Gebiete am Rande eines wirtschaftlichen Zusammenbruchs. Zudem herrscht seit Monaten Stillstand in den Bemühungen um einen Palästinenser-Staat. Die Unterstützung für die Hamas ist jedoch Umfragen zufolge ungebrochen.

Reuters/Reuters
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