12. Mai 2010, 06:39 Uhr

Cameron kündigt bessere Zeiten an

Neue Ära in Großbritannien: Nach 13 Jahren Labour hat Tory David Cameron die Macht übernommen. Die Konservativen und ihr liberaler Koalitionspartner versprachen eine "neue Art von Regierung".

Großbritannien, Wahl, Gordon Brown, Labour, Parteivorsitz, Parteivorsitzender, Rückzug, David Cameron, Tories, Nick Clegg, Liberale, LibDems, Unterhaus, Westminster, Downing Street

Die neuen Bewohner von Downing Street No. 10: David Cameron und seine Frau Samantha©

Zeitenwende an der Themse: Mit David Cameron als Premierminister hat eine Koalition von Konservativen und Liberaldemokraten in Großbritannien die Macht übernommen. Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg stellt damit nicht nur eine Partei die Regierung. Großbritanniens "beste Tage liegen vor uns", sagte Cameron bei seiner ersten Ansprache. Allerdings stehe "harte Arbeit" bevor: "Wir haben einige große und drängende Probleme - ein enormes Haushaltsdefizit, tiefe soziale Probleme, ein politisches System, das reformbedürftig ist." Die neue Regierung wolle den Briten das "Vertrauen in das politische System" zurückgeben. Großbritannien trägt schwer an einer massiven Staatsverschuldung und kämpft immer noch mit den Folgen der Finanzkrise.

Cameron ist nach seiner formellen Ernennung durch Queen Elisabeth II. mit 43 Jahren der jüngste Premierminister Großbritanniens seit fast 200 Jahren. Mit dem neuen Regierungschef kehrt nach 13 Jahren ein Tory in die Downing Street Number 10 zurück. Weil die Konservativen bei der Wahl aber keine absolute Mehrheit erreichten, sind sie auf die Liberaldemokraten unter Führung von Nick Clegg als Koalitionspartner angewiesen. Die drittstärkste Partei im Unterhaus sitzt zum ersten Mal in ihrer neueren Parteigeschichte auf der Regierungsbank. Gordon Brown war am Dienstagabend nach drei Jahren als Premierminister und Chef der Labour-Partei zurückgetreten.

Europakritiker Hague wird Außenminister

Clegg, kündigte eine "neue Art von Regierung" für Großbritannien an, mit der die Koalition die "immensen Herausforderungen angehen wird, die dem Land bevorstehen". Natürlich seien die Tories und die "Lib Dems" zwei verschiedene Parteien. Dennoch sei er sicher, dass diese Koalition "die einmalige Möglichkeit biete, den Wandel zu bringen", an den er glaube. Kurz zuvor hatten der Vorstand der Liberaldemokraten und die Abgeordneten der Partei der Koalitionsvereinbarung mit den Konservativen zugestimmt.

Um die Koalition auf die Beine zu stellen, stimmten die "Lib Dems" Tory-Plänen zu, die Immigration einzudämmen und während der fünf Jahre langen Regierungszeit nicht den Euro einzuführen. Die Liberalen sind eigentlich sehr europafreundlich. Zu Problemen der Koalitionspartner könnte es auch in der Verteidigungspolitik kommen, da die Liberalen schon gegen den Irak-Krieg gestimmt und sich auch skeptisch über das militärische Engagement der Briten in Afghanistan geäußert haben.

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Abgang: Premier Gordon Brown verlässt am Dienstag die Downing Street nach nur drei Jahren wieder©

Schon in der Nacht zum Dienstag nahm das neue Kabinett Formen an. Clegg wird stellvertretender Premierminister, vier weitere Liberaldemokraten sollen Ministerposten erhalten. Außenminister soll der Außenexperte und ausgesprochene Europakritiker der Tories, William Hague, werden. Der Konservative George Osborne übernimmt mit nur 38 Jahren das wichtige Amt des Finanzministers. Torie Liam Fox soll Verteidigungsminister werden, berichteten Medien übereinstimmend.

Einladungen von Merkel und Obama

Als eine der ersten gratulierte in der Nacht Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dem neuen Premier. Sie lud Cameron ein, sobald wie möglich nach Berlin zu kommen. Auch US-Präsident Barack Obama griff zum Hörer und lud den neuen Regierungschef für Juli in die USA ein. Er freue sich darauf, ihn im Juni beim G8- und G20-Gipfel zu treffen. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy forderte Cameron auf, sich als Premier für die europäische Sache einzusetzen.

Mit der neuen blau-gelben Regierung endet die Ära von "New Labour", die 1997 unter Browns Vorgänger Tony Blair begonnen hatte. Brown war seit Sommer 2007 Premier, nachdem er unter Blair zehn Jahre als Finanzminister gedient hatte. Den Labour-Vorsitz hält nun kommissarisch Vize-Chefin Harriet Harman, bis ein Nachfolger für Brown gefunden ist.

Bei der Wahl am Donnerstag hatte Labour eine schwere Schlappe eingesteckt. Die Tories waren stärkste Partei geworden. Zusammen mit den Liberalen kommen sie auf eine stabile Mehrheit von 363 Sitzen im Unterhaus.

DPA/AFP/APN
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
iosono (14.05.2010, 15:10 Uhr)
nachhilfe
das jüngste lustige sterotyp über deutschland ist.......? die schwarzen DFB Trikots erinnern einen englischen Journalisten an die SS-Uniformen-dieses sind Streotypen-(über die man lachen sollte-bloss nicht ärgern)
und nicht das alles Geld in die London City geht usw.....
iosono (14.05.2010, 15:02 Uhr)
@localboy
??Das hat weniger damit zu tun als mit der Tatsache das es mich aufregt, wenn mal wieder jemand meint mit Vorurteilen und typischen Stereotypen um sich zu werfen??

lesen sie nochmal durch was sie geschrieben haben-denn nach dieser aussage müssten sie ja ''engländer hassen''-die ja experten darin sind mit stereotypen andere zu beleidigen-bzw. witze über sie zu produzieren.
das traurige an meinen aussagen ist aber nur das es zum grossteil keine stereotypen sind.
mit ihnen kann man nicht diskutieren weil sie gar nicht fähig dazu sind.
WernerMeyer (12.05.2010, 20:21 Uhr)
Unglaubwürdig
Das glaubt doch wohl keiner,dass nun
bessere Zeiten kommen für die Briten.

Vieleicht sollte er mal seinen Chef das
Bankhaus Rothschild fragen wieviel sie
den Briten in Zukunft zum leben lassen wollen............
localboy (12.05.2010, 14:59 Uhr)
@iosono
Das hat weniger damit zu tun als mit der Tatsache das es mich aufregt, wenn mal wieder jemand meint mit Vorurteilen und typischen Stereotypen um sich zu werfen. Ich streite nicht ab, dass es soziale Probleme in England gibt und die Armutsquote durchaus höher ist als hier, aber alles über einen Kamm zu scheren und mit beleidigendem Unterton zu schmücken zeugt ganz sicher nicht von Kompetenz in irgendeiner Hinsicht.
Aber wie gesagt, die Diskussion mit Ihnen ist von vornherein zum Scheitern verurteilt, da offensichtlich keinerlei Hintergrundwissen oder aber auch nur die Grundlagen sachlicher Verständigung fehlen. Over and out!
iosono (12.05.2010, 14:22 Uhr)
@localboy
so ist das eben bei ''enttäuschter'' liebe )
auwei (12.05.2010, 13:41 Uhr)
@localboy
Dass Sie sich etwas angegangen fühlen, ist nachvollziehbar. Iosonos Beobachtungen decken sich jedoch (bei aller Mühe zur Differenzierung) weitgehend mit den Berichten, die ich seit langem von Freunden aus UK erhalte: Die sozialen Missstände (Thatcher's Erbe?) in vielen Städen sind frappierend. In Sachen "Inlands-Dritte Welt-Areas vs. Wohlstandsinseln" scheinen die Briten doch näher an den USA als an Kontinentaleuropa. Abgesehen davon sind Pauschalurteile natürlich immer strikt abzulehnen...so aus Prinzip eben.
localboy (12.05.2010, 13:02 Uhr)
@losono
Selten habe ich hier einen Kommentar gelesen der sowohl inhaltlich als auch sprachlich schlechter war als der Ihre. Wenn das Deutschland repräsentiert ist es kein Wunder, dass man sich andernorts noch was auf seine Staatsangehörigkeit einbildet. Noch dazu kommt, dass scheinbar keine Ahnung besteht von den "normalen" Verhältnissen in England, die sich von denen hier nicht sonderlich unterscheiden. Aber genug dazu, eigentlich ist jedes Wort schon zu viel.
Zum Thema: Ich bin mal gespannt ob die Liberalen wenigstens die schon seit langem Nötige Modernisierung des Wahlrechts durchbekommen oder ob der Koalition zu Liebe darauf verzichtet werden muss.
flashback02 (12.05.2010, 13:01 Uhr)
ich frage mich...
..wie herr cameron den gigantischen schuldenberg abbauen möchte und dabei von besseren zeiten für den engländer sprechen kann??? ein glück für uns, das die nie den euro angenommen haben.
auwei (12.05.2010, 12:14 Uhr)
Mr Cameron
ist mutig. Wie sagte doch letztens ein Zeitgenosse in irgendeinem Zeitungsinterview? Wer in der kommenden Legislatur das Königreich regiert, wird eine Politik machen müssen, die seiner Partei die Wiederwahl auf mindestens eine Generation unmöglich macht. Na dann - Cheers, Mr Cameron. Und halten Sie Abstand, Mr Clegg.
iosono (12.05.2010, 11:57 Uhr)
ps
bei robin hood können die engländer wieder sich selbst beweihräuchern-zum x-ten mal.
wann kommt romeo und julia?kenne ich nämlich noch nicht-um was ging es da?
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