. .
Politik im Ausland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
14. Januar 2009, 10:09 Uhr

Das Weiße Haus ist für alle da

Es wird ein perfekt organisierter Machtwechsel. Wenn Barack Obama ins Weiße Haus zieht, beginnt auch für Tausende Amerikaner ein neuer Lebensabschnitt - sie bewerben sich emsig auf Regierungsjobs. 3000 sind zu vergeben, 350.000 Menschen haben sich bereits beworben. Von Sabine Muscat, Washington

Barack Obama, Washington, Weißes Haus, Mitarbeiter

Der Run aufs Weiße Haus: Wer dabei sein will, braucht gute Kontakte und Geduld© Campbell/EPA

Für Barack Obama ist Wendell White kein Weg zu weit. Er würde für den neuen US-Präsidenten sogar aus Georgia weggehen, seiner Heimat, wo er mit seiner Frau und seiner 13 Monate alten Tochter lebt. Denn seit er als Obamas Helfer in den Wahlkampf gezogen ist, lässt den 39-Jährigen die Botschaft des neuen Präsidenten nicht mehr los. Change!

3000 Stellen werden frei

White, selbst Afroamerikaner, ist Kreditberater. Jetzt will er mithelfen, wenn Obama anfängt, das Land zu regieren. Er hofft, dass Obama seine Branche transparenter macht: "Das ist mein Mann", sagt er. Seit Wochen studiert White das "Plum Book", ein pflaumenfarbenes Buch, in dem auf 210 Seiten die rund 7000 Posten aufgelistet sind, die es in einer US-Regierung so gibt. Vom Redenschreiber des Präsidenten bis zum Mittelstandsspezialisten im Energieministerium. Mehr als 3000 dieser Stellen werden mit dem Ende der Regierung von George W. Bush frei.

Da könnte doch auch etwas für Wendell White dabei sein. Familie oder Freunde hat er zwar keine in der rund 1000 Kilometer entfernten Hauptstadt, doch seine Ehefrau hat er schon überredet: Wenn er eine Chance bekommt, zieht die Familie dorthin. White will seinem Präsidenten dienen.

Nun wird Barack Obama sein Amt antreten. Die Zeremonie wird seit langer Zeit generalstabsmäßig vorbereitet - es soll der perfekte Übergang sein, akribisch organisiert, orchestriert und zelebriert. Für Washington ist es eine Zäsur: Acht lange Jahre war die Stadt in der Hand der Republikaner. Nun herrscht Aufbruch, die Euphorie des Wandels, neue Leute zieht es in die Hauptstadt, Posten werden besetzt. Ein Macht- und Wachwechsel.

Während die einen auf einen neuen Anfang hoffen, geht für andere ein Lebensabschnitt zu Ende. "Am 20. Januar ist alles vorbei. Mit dem Beginn der Amtseinführung ist unser Job erledigt", sagt Babs Chase.

Jüngst hat sie Abschied gefeiert, ihr Büro ist leer bis auf einen großen Blumenstrauß auf dem Schreibtisch. Chase war zuletzt im Außenministerium für die Betreuung ausländischer Journalisten zuständig - mit ihnen erlebte sie das Wahlkampfjahr. Zuvor war sie im Pentagon, organisierte die Öffentlichkeitsarbeit für die Truppen im Irak. "Es war ein Sitz in der ersten Reihe der Geschichte", sagt sie.

350.000 wollen für Obama arbeiten

Auch jetzt hoffen viele auf die Chance ihres Lebens. Rund 350.000 Bewerbungen sind beim "Presidential Transition Team" in der 6th Street in Washington eingegangen, sie werden dort von über 50 Mitarbeitern gesichtet. "Die Leute tragen den Enthusiasmus aus dem Wahlkampf in die Übergangsperiode", sagt ein Sprecher des Obama-Teams. "Wir bleiben mit den Unterstützern in Kontakt, die hart gearbeitet haben, damit Obama gewählt wurde."

Mit Leuten wie Wendell White. Im vergangenen Sommer hatte er sieben Wochen unbezahlten Urlaub genommen, um sich zum freiwilligen Wahlkampfhelfer ausbilden zu lassen. Dann ging er auf die Jagd nach Wählern, gab Hauspartys, um Obamas Botschaft zu verbreiten.

Bis der Kreditberater erfahren wird, ob Obama ihn dabeihaben will, können noch Monate vergehen. Zwar hat noch kein gewählter Präsident die wichtigsten Kabinettsposten so schnell besetzt wie Obama - 13 ranghohe Regierungsmitglieder haben ihre Anhörungen zur Bestätigung durch den Senat bereits hinter sich. Doch es ist ein langwieriges Unterfangen, bis auch die unteren Ränge gefüllt sind.

Drei Millionen werden erwartet

Babs Chase weiß noch, was Warten heißt. Fast ein Jahr dauerte es damals, bis ihre Bewerbung bearbeitet war - der Anruf aus Washington kam am Morgen des 12. September 2001, einen Tag nach den Terroranschlägen in New York und Washington. "Wollen Sie trotzdem kommen?", fragte der Mann aus dem Verbindungsbüro des Weißen Hauses. Fünf Tage später fuhr Chase mit ihrer Mutter im Auto von Tennessee nach Norden und trat ihre Stelle im Arbeitsministerium an: "Nichts konnte mich aufhalten."

Viele wollten damals mit anpacken, um die Nation von ihrem Schock zu heilen. Doch die Aufbruchstimmung, die seit der Wahl Obamas in Washington herrscht, stellt alle früheren Regierungswechsel in den Schatten - und steht in merkwürdigem Kontrast zur wirtschaftlichen Lage im ganzen Land. Auf der einen Seite die Geschäfte, der Schlussverkauf läuft schleppend, trotz 70 Prozent Rabatt.

Souvenirverkäufer verdienen sich eine goldene Nase

Auf der anderen Seite die Souvenirverkäufer - an allen Straßenkreuzungen stehen sie und verdienen sich mit Obama-Devotionalien eine goldene Nase. Die Stadtregierung bereitet sich auf den Ansturm von drei Millionen Gästen vor, die bei Obamas Amtseinführung dabei sein wollen.

"Washington erlebt ein Hoch wie seit Jahren nicht mehr", sagt Carla Cohen, Mitinhaberin der liberalen Traditionsbuchhandlung "Politics and Prose" im Stadtteil Cleveland Park. So etwas hat sie zuletzt vor über 40 Jahren gesehen. "Als John F. Kennedy zum Präsidenten gewählt worden war, kamen viele Leute nach Washington, weil sie Teil einer neuen Bewegung sein wollten", erinnert sich die 72-Jährige. "Heute ist das auch so."

  zurück
1 2
 
 
KOMMENTARE (2 von 2)
 
ArthurMueller (20.01.2009, 08:11 Uhr)
Ein schwarzer Tag...
in der Geschichte der Menschheit. Wer als "Messias" ohne irgendwelche nenneswerte Taten gefeiert wird, dem kann nichts gutes folgen...ich befürchte, das wird der schlimmste US (Kriegs-)Präsident aller Zeiten...ich sage nur: "New world order" ...http://de.youtube.com/watch?v=GThfWVCfjVo
albundy69 (19.01.2009, 22:44 Uhr)
Showtime !!!
Der Kerl wurde gewählt um Amerika aus der Krise zu führen ! Showtime´s starting right NOW !
Geniessen wir die letzte Nacht in der noch ein PRESIDENT IN POWER im Amt ist, ab morgen wird´s grausam !
MEHR ZUM ARTIKEL
Vor der Amtseinführung Obama bremst, die Menge jubelt

Erst inszeniert sich Barack Obama mit der historischen Zugfahrt Abraham Lincolns von Philadelphia nach Washington erneut selbst, dann tritt er auf die Euphorie-Bremse. Es werde Fehlstarts und Rückschläge geben, kündigte der künftige US-Präsident an. Die Menge jubelte dennoch. mehr...

Obamas "Whistle-Stop-Tour" Die Krönungsfahrt des Erlöser-Duos

Barack Obama auf den Spuren Abraham Lincolns: Wenige Tage vor der Vereidigung fährt der nächste US-Präsident mit dem Zug eine historische Route ab: Von Philadelphia nach Washington - um 220 Kilometer lang auf Tuchfühlung mit dem Volk zu gehen. Ein Traum für die Amerikaner, ein Albtraum für die Personenschützer. mehr...

Obama-Vereidigung Eine Stadt vor dem Kollaps

Anderthalb Millionen? Zwei, drei Millionen? Niemand in Washington weiß, wie viele Menschen zur Vereidigung von Barack Obama kommen werden. Sicher ist: Wer mit dem Auto fährt, kriegt keinen Parkplatz. Wer trotzdem irgendwie reinkommt, kriegt kein Zimmer mehr - die Stadt steht vor dem Kollaps. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe