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21. September 2007, 12:37 Uhr

"Wir haben uns schuldig gefühlt"

Das Gespräch ist vor knapp drei Wochen in Portugal geführt worden. Vor den Verhören. Bevor sie zu Verdächtigen erklärt wurden. Vor der Rückreise. Dennoch ist es das letzte große Interview, in dem Kate und Gerry McCann, die Eltern der verschwundenen Madeleine, Einblick gewähren in ihre Beziehung, Madeleines Geburt, die Umstände ihres Verschwindens. stern.de veröffentlicht das Gespräch erstmals auf Deutsch.

Im Interview schildern Kate und Gerry McCann ihre Gefühle und Hoffnungen© David Jones/DPA

Vor knapp drei Wochen, am 4. September, gaben Gerry und Kate McCann, die Eltern der verschwundenen Madeleine, Journalisten des französischen Magazins "Paris Match" ein Interview. Das Gespräch in einem Hotel im portugiesischen Praia da Luz dauerte anderthalb Stunden. Es war das letzte große Interview, das die McCanns gaben, bevor sie von der portugiesischen Polizei verhört wurden - und wenige Tage danach Portugal verließen. Mit Erlaubnis von "Paris Match" veröffentlicht stern.de das Interview erstmals auf Deutsch. Für stern.de übersetzt hat den Text Oliver Link.

Herr und Frau McCann, es muss Ihnen sehr schwer fallen, nach England zurückzukehren.

Kate McCann: Natürlich wird es sehr hart sein, ohne Madeleine zurück zu kommen. Vieles wird uns dort an sie erinnern. Ich habe sehr viel Angst vor der Rückkehr. Es ist so schmerzhaft, sie nicht bei mir zu haben, nicht mit ihr spielen zu können. Wo ist sie nur? Ich bin ihre Mutter, und wo auch immer sie sein mag, ich bin bei ihr.
Gerry McCann: Es gibt natürlich auch gute Gründe, die für unsere Rückkehr nach England sprechen. Es ist besser für die Zwillinge. Sie sind hier in Portugal an einem für sie fremden Ort, dazu noch in einer extremen Lage, sie werden sich in England sicherer fühlen. Und als ihre Eltern müssen wir die beiden dort hinbringen, wo sie aufwachsen sollen.
Kate McCann: Eine Sache möchte ich betonen: Wir geben nicht auf. Wir fahren einfach nur nach Hause, das ist alles, wir werden häufig nach Portugal zurückkehren.

Haben Sie in den vergangenen Wochen gespürt, wie sich die Stimmung Ihnen gegenüber geändert hat? Dass Sie in den Augen der Leute zu Verdächtigen wurden?

Kate: In den vergangenen vier Wochen ist in den Medien viel spekuliert worden. Trotzdem sind viele Menschen zu mir gekommen und haben mir ihre Unterstützung versichert. Andere haben mir gesagt, dass sie für uns beten und haben mir geraten, nicht zu glauben, was in manchen Zeitungen geschrieben wird.
Gerry: Also wir sehen es so: Diese ganzen Gerüchte erschweren nur die Ermittlungen… Das sind doch alles nur Gerüchte. Es gibt überhaupt keine Beweise.
Kate: Wir selbst verfolgen die Berichterstattung in den Medien nicht so sehr. Aber meine Eltern erleben zu Hause im Moment die Hölle auf Erden.
Gerry: Ich finde es wirklich beunruhigend, dass die Ergebnisse der forensischen Untersuchungen über die Medien an die Öffentlichkeit gekommen sind. Wenn Zeugen vernommen werden, sollten sie davor nicht den Ermittlungsstand der Polizei kennen.

Hätten Sie sich jemals vorstellen können, selbst in Verdacht zu geraten?

Gerry: Wir waren Zeugen und wussten, dass wir sehr genau befragt werden würden. Wir haben von Anfang an mit den Behörden zusammengearbeitet und haben die Ermittlungen unterstützt.
Kate: Das war das Beste, was wir tun konnten, damit Madeleine gefunden wird. Man muss alles versuchen, darf nicht verzagen, und man muss immer weiter nach vorn schauen.

Die Polizei hatte auch Ihre Freunde in Verdacht und hat Ihre Vergangenheit untersucht…

Gerry: Wir haben alle Fragen beantwortet, die man uns gestellt hat, und das werden wir weiterhin tun, was auch immer passiert. Und wir werden selbstverständlich auch weiterhin die ganze Wahrheit sagen.
Kate: Wir haben alles gesagt, was wir wussten und haben auf alle Fragen geantwortet, die uns gestellt wurden.
Gerry: Mir war die ganze Zeit klar, dass in diesem Fall wirklich jede Wendung möglich ist. Damit leben wir von Anfang an. Manchmal machen uns die Medien das Leben schon sehr schwer. Einmal etwa hat jemand behauptet, dass unsere Tochter tot sei, ohne dafür einen Beweis zu erbringen. Zur selben Zeit wurde gesagt, wir könnten Komplizen sein, was frei erfunden und unfassbar grausam ist.

Hatten Sie auch Ihre Freunde in Verdacht, die sich mit Ihnen im Hotel aufgehalten haben?

Diese Frage wurde uns schon einmal gestellt. Nein, an so was glauben wir nicht, wirklich nicht. Die Polizei muss natürlich alle Möglichkeiten objektiv durchspielen und allen Anhaltspunkten nachgehen… Das ist in der Medizin genauso. Die Patienten kommen zu mir, etwa, weil sie Schmerzen in der Brust haben, also muss ich herausfinden, was Ihnen fehlt. Ich stelle ihnen jede Menge Fragen, unterziehe sie meinen Untersuchungen und ziehe daraus meine Schlüsse. Polizeiarbeit funktioniert letztlich genauso. Auch die Polizei trägt zunächst Vermutungen zusammen und sammelt Informationen, die letztlich Aufschluss darüber geben sollen, welche der Vermutungen die Richtige ist, und dann versucht sie Beweise zu finden. Manchmal kann es passieren, dass man einer Vermutung so lange nachgeht, bis sich herausstellt, dass sie doch nicht aufgeht. Und dann muss man ganz von vorn anfangen.

Der Druck, der durch die Medien auf Sie ausgeübt wurde, wurde mit einem Mal sehr groß…

Gerry: Das war doch schon vom ersten Tag an so. Journalisten aus der ganzen Welt kamen… Ich glaube, wir hatten keine Wahl, wir mussten uns schnell entscheiden, ob wir in die Öffentlichkeit treten oder uns verstecken. Und wenn wir uns versteckt hätten, hätte es auch Gerede gegeben. Die Leute hätten doch gedacht: Warum verstecken die sich? Wir haben uns entschlossen, in die Öffentlichkeit zu treten, um die Leute dazu zu bewegen, nach Madeleine zu suchen. Das entspricht der englischen Mentalität.

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KOMMENTARE (10 von 11)
 
Nancyho (22.09.2007, 13:25 Uhr)
Phänomenal
die schauspielerische Leistung von Kate und Gerry. Das beherrschen sie besser als die Elternrolle.
Übrigens vermisse ich in dem Artikel die Frage nach dem Schlafmittel das sie den Kindern verabreicht hatten. Wussten sie darauf keine Antwort?
Livia008 (21.09.2007, 17:43 Uhr)
@AliceWalsh
So junge Kinder von 2 und knapp 4 Jahren allein, in fremder Umgebung zu lassen ist mehr als verantwortungslos! Natürlich denkt man nicht an Entführung. Aber, was ist wenn ein Kind aufwacht? Von Sicherheitsaspekten (Strom, Wasser etc.) abgesehen, Kinder haben doch in diesem Alter schlechte Träume. Das sitzt ein Krokodil unter'm Bett, in der Ecke hinter'm Schrank lauert eine Hexe und der Beissermann im Bad geht auch nicht alleine weg. Wir jedenfalls haben in diesem Alter unsere Kinder nie allein gelassen! Wir wären aber auch nie auf die Idee gekommen, ihnen Beruhigungsmittel einzuflössen! - Und wir sind keine Mediziner!
cousteau (21.09.2007, 17:18 Uhr)
@JoeausderHeide
Na ja, vielleicht hat der Stern ja erst jetzt die Rechte zur Zweitverwertung erhalten?
mupfeline (21.09.2007, 17:14 Uhr)
Kriegen diese Eltern eigentlich ihre Auftritte bezalt?
Allmählich habe ich dieses Gefühl. Anders kann ich mir diese ewige Selbstdarstellung in den Medien nicht mehr erklären. Oder ist die Spendenbereitschaft gesunken. Assistentin und Pressesprecherin samt Staranwälten wollen schließlich bezahlt werden. Der britische Premierminister wollte sich doch auch einsetzen für die Familie. Na dann nur zu!
Im übrigen, natürlich gilt die Unschuldsvermutung bis die Schuld bewiesen ist (außer natürlich für Marco in der Türkei natürlich ...) es ist diese Selbstinszenierung die auf die Nerven drückt!
JoeausderHeide (21.09.2007, 17:13 Uhr)
Unglaublich
3 (in Worten: drei) Wochen brauchen die Amateure bei stern.de also fuer eine laecherliche Uebersetzung aus dem Englischen....
Wer moechte denn bitte diesen uralten Kaffee noch trinken?
AliceWalsh (21.09.2007, 16:44 Uhr)
Lachnummer?
Ich finde es keineswegs eine Lachnummer wenn ein Kind spurlos verschwindet. Auch finde ich nicht dass die Eltern fahrlaessig gehandelt haben. Man kann Kinder nicht in Watte packen. Und mal ganz ehrlich, wer hat sein Kind nicht schon mal in so einer Situation im Urlaub gelassen. Man denkt doch nicht dass sein Kind entfuehrt wird.
masilein (21.09.2007, 16:12 Uhr)
es reicht
So langsam möchte man nun wirklich nicht mehr über diese Eltern hören.Wie die sich immer wieder produzieren ist nervtötend.
cousteau (21.09.2007, 16:10 Uhr)
@havranek
ich schließe mich ihrer meinung völlig an.
havranek (21.09.2007, 15:57 Uhr)
Am meisten nervt
an dieser Story die ganzen Mitmenschen!
Keiner, ausser vielleicht den Angehörigen selber, hat ja auch nur ein bisschen Ahnung vom dem Fall. Aber in jeder Stammkneipe und Gesprächsrunde meint jeder sein mediales Halbwissen unter Beweis stellen zu müssen, und labert den grössten Quatsch zusammen, den er irgendwo in einer Zeitung oder einem TV-Bericht gesehen hat.
Dafür ändern die Medien täglich wie ein Fähnchen im Wind ihre Meinung, und prangern dann noch die ANDEREN Medien an, negativ über den Fall zu berichten.
Der ganze Fall ist doch eine Lachnummer, zusammen von den Eltern und Medien aufgepuscht, für Menschen die nichts besseres zu tun haben als über andere zu lästern!
olliwombat (21.09.2007, 14:53 Uhr)
Gestrafte Eltern
So oder so.
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