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"Tschüß Spanien"

Mehr als eine Million Menschen haben in Barcelona für die Unabhängigkeit der spanischen Region Katalonien demonstriert. Die Kundgebung richtete sich gegen ein umstrittenes Urteil des spanischen Verfassungsgerichts.

Mit dem größten Protestmarsch in Katalonien seit Ende der Franco-Diktatur (1939-1975) haben rund eine Million Menschen für die Eigenständigkeit der nordostspanischen Region demonstriert - und das ausgerechnet am Tag, an dem Spanien um den WM-Titel kämpft. In vorderster Reihe des Protestmarsches in Barcelona reckten die Menschen demonstrativ eine riesige Fahne in den katalanischen Farben rot und gelb in die Luft. Auf Plakaten waren Forderungen nach einer Unabhängigkeit der wohlhabenden Region im Nordosten Spaniens zu lesen. Bürgermeister Jordi Hereu sprach von einer nie dagewesenen Beteiligung. Die Stadt platze aus allen Nähten, erklärte Hereu.

Der Protest richtet sich gegen eine Entscheidung des spanischen Verfassungsgerichts. Dieses hatte vor knapp zwei Wochen das neue katalanische Autonomiestatut aus dem Jahr 2006 teilweise gekippt. Demnach kann sich Spaniens wirtschaftsstärkste Region nur symbolisch als eigenständige Nation verstehen. Viele Demonstranten skandierten Unabhängigkeitsparolen. Unter anderem war "Adéu Espanya" ("Tschüs Spanien") auf Transparenten zu lesen.

Verfassungsbeschwerde eingelegt

Der katalanische Regierungschef José Montilla, der den Protestmarsch anführen wollte, musste vor militanten Separatisten in Sicherheit gebracht werden. Sie beschimpften den Sozialisten als "Verräter", weil er zwar für die Autonomie Kataloniens, nicht aber für die Unabhängigkeit eintritt.

Zu der Demonstration hatten Dutzende Parteien und Verbände nach dem Urteil des Verfassungsgerichts vom 28. Juni aufgerufen. Darin hatten die Richter auch den Aufbau eines katalanischen Justizsystems abgelehnt. Außerdem stuften sie es als verfassungswidrig ein, dass die katalanische Sprache in den Schulen und der Verwaltung einen Vorrang vor der spanischen bekommen soll.

Das Autonomie-Statut entspricht in etwa der Verfassung eines Bundeslandes in Deutschland. Es gewährt den 7,5 Millionen Katalanen größere politische und finanzielle Eigenständigkeit gegenüber dem Zentralstaat. Die Region ist bereits seit 1979 autonom und besitzt ein eigenes Parlament und eine eigene Polizei.

Mit dem neuen Statut sollten diese Rechte ausgebaut werden. Der Text war bereits im September 2005 vom katalanischen Regionalparlament in Barcelona gebilligt worden. 2006 stimmten dann das spanische Parlament in Madrid sowie die katalanische Bevölkerung in einem Referendum zu.

Die konservative Volkspartei (PP) hatte damals Verfassungsbeschwerde eingelegt. Sie argumentierte, das Statut bedrohe die Einheit Spaniens.

DPA/AP/AP/DPA
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