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3. Dezember 2009, 07:45 Uhr

USA lassen Deutschland freie Hand

Washington will Berlin nicht zur Truppenaufstockung in Afghanistan drängen. Deutschland könne selbst über das weitere Vorgehen entscheiden, versicherte der US-Sondergesandte Richard Holbrooke einem Zeitungsbericht zufolge. Er warnte aber: Afghanistan sei der "ultimative Test" für die Nato.

Obama, Afghanistan, Strategie, Merkel

Bundeswehrsoldaten in der Region Kundus: Die deutsche Präsenz im Norden Afghanistans ist den USA zufolge extrem wichtig© Anja Niedringhaus/AP

Die USA üben nach den Worten ihres Sondergesandten für Afghanistan und Pakistan, Richard Holbrooke, keinen Druck auf Deutschland aus, mehr Soldaten nach Afghanistan zu schicken. Es bleibe den Deutschen selbst überlassen, über das weitere Vorgehen zu entscheiden, sagte Holbrooke dem "Handelsblatt". Ähnlich äußerte sich eine hochrangige Pentagon-Mitarbeiterin.

Die Bundeswehr habe schon mehr als 30 Soldaten in Afghanistan verloren, das sei "historisch", sagte Holbrooke. Er habe daher Verständnis für die Haltung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), mit einer Entscheidung über zusätzliche Truppen bis zur internationalen Afghanistan-Konferenz in London im Januar zu warten. Die deutsche Präsenz im Norden Afghanistans sei aber extrem wichtig.

Auch von einem Treffen der Nato-Außenminister am Freitag in Brüssel erwartet Holbrooke keine konkreten Zahlen. Die US-Regierung erwarte von ihren Verbündeten vor allem politische Zusagen. Wenn das westliche Bündnis allerdings keinen Erfolg in Afghanistan habe, sei mit einem "sehr ernsten Anstieg der Gewalt" zu rechnen. Afghanistan sei der "ultimative Test" für die Nato und das gesamte westliche Bündnis, sagte Holbrooke dem "Handelsblatt".

Zahlen sollen aus Deutschland kommen

Die Pentagon-Mitarbeiterin Julianne Smith sagte der "Financial Times Deutschland", mit der Bundesregierung werde nur über Zahlen gesprochen, die aus Berlin genannt worden seien. Die Zahlen beruhten auf Schätzungen von Militärexperten der Bundesregierung, erklärte die Direktorin in der Abteilung für Europa- und Nato-Angelegenheiten des US-Verteidigungsministeriums. Danach wären 1000 bis 2500 zusätzliche Bundeswehrsoldaten einsatzfähig. Bei den Gesprächen zwischen Washington und Berlin gehe es jetzt lediglich um einen "Realitätscheck".

Medienberichten zufolge drängen die USA auf die Entsendung von 2000 zusätzlichen deutschen Soldaten nach Afghanistan sowie auf eine stärkere Beteiligung der Bundeswehr auch an Kampfeinsätzen im umkämpften Süden und Osten des Landes. US-Präsident Barack Obama hatte zuvor angekündigt, dass er in der ersten Jahreshälfte 2010 die US-Truppen in Afghanistan um 30.000 auf knapp 100.000 Soldaten aufstocken werde.

Der Bundestag entscheidet am Nachmittag über die Verlängerung des Bundeswehr-Einsatzes in Afghanistan. Das Mandat der Bundeswehr in der Nato-Truppe Isaf in Afghanistan soll um ein weiteres Jahr verlängert werden. Die Obergrenze bleibt bei 4500 Soldaten.

Bayern will mehr Polizei nach Afghanistan schicken

Bayern erklärte unterdessen, man unterstütze den Vorschlag der Bundesregierung, deutlich mehr Polizeiausbilder nach Afghanistan zu schicken. "Wir brauchen mehr Polizei in Afghanistan", sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) vor Beginn der Innenministerkonferenz in Bremen dem ZDF. "Wir werden darüber heute sprechen". "Ich bin grundsätzlich bereit, aus Bayern noch mehr zu schicken." Es gebe auch genügend Freiwillige. 100 Meldungen lägen vor.

Möglich wäre die Aufstockung, weil die deutschen Polizeikräfte im Kosovo eher reduziert werden könnten, sagte Herrmann. Dort sei die Lage erfreulich stabil. Es sei wichtig, in den nächsten Jahren eine leistungsfähige Polizei in Afghanistan aufzubauen. Das diene der Sicherheit vor Terror in Deutschland. Bisher hat sich Bayern an der Polizeiausbildung in Afghanistan nicht beteiligt. Erst vor einigen Tagen trafen die ersten sechs Ausbilder aus dem Freistaat dort ein.

Der Bund sieht die Entsendung zusätzlicher Polizeikräfte als Alternative zur Verstärkung der Bundeswehrtruppen in Afghanistan.

Abstimmung

Sollte Deutschland sich mit weiteren Soldaten in Afghanistan engagieren?

Abstimmen Ergebnis anzeigen
AFP/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 20)
 
muemmelfrau (03.12.2009, 16:45 Uhr)
@madeyes
määhhäää... :-))

mal im ernst, ich verstehe die frage nicht.
evtl. können sie mir ja erklären wieso ich mich als schaaf fühlen sollte........oder war das nur eine lustige bemerkung weil sie anderer meinung sind, ihnen aber keine argumente zu ihrer meinung einfallen ??
Halodri73 (03.12.2009, 15:10 Uhr)
@auwei
Ich stimme in vollem Umfang zu! Gerade das Auftreten der Amerikaner unter Bush ( Axt im Walde ist dagegen feinfühlig )hat die Lage eher verschlimmert und den radikalen ( beiderseits!) die Anhänger zugespielt.
Dennoch kann man die Afghanen jetzt nicht hängen lassen.

Ich denke der Ansatz Präsenzerhöhung, mehr Hilfe für infrastrukturelle Themen ( Geld und/oder know how Transfer) und mehr Dialog ist der einzige, der klappen kann...
auwei (03.12.2009, 15:01 Uhr)
Nachtrag
Nur zur Differenzierung: Mehr Soldaten heißt nicht - wie ich schon an mramorak schrieb - mehr Feuerkraft in die Landschaft zu verschwenden, sondern mehr PRÄSENZ zu zeigen. Vielleicht muss man auch mit den "gemäßigten" Taliban (wenn es welche gibt) reden. Eines jedoch ist sicher: Die Aufgabe ist kaum zu erfüllen, und wenn sie scheitert, sind die Folgen fatal. Von hier aus nochmal ein "herzliches Dankeschön" an Mr. Bush und seinen ach so wichtigen völkerrechtswidrigen Krieg gegen den Irak. Damit haben die Amis alles erst so richtig in den Dung geritten.
auwei (03.12.2009, 14:52 Uhr)
@halodri
Gute Frage - ich weiß leider keine Antwort. Abzug und den Rest dann den Taliban als Beute überlassen ist leider keine Option. Auch wenn ich damit im Gegensatz zur Mehrheit stehe: Ich sehe keine anderen weg, als den Kampf gegen die Gotteskrieger fortzusetzen. Das macht aber nur Sinn, wenn gleichzeitig die Lage der Bevölkerung DEUTLICH verbessert wird. Also: Echter Druck auf Regierung und Verwaltung, die Korruption zu bekämpfen und tatsächlich - wie Obama fordert - vorübergehend MEHR Soldaten. Jedenfalls genug, um in der Bevölkerung (die die Taliban mehrheitlich hasst) eine Art Sicherheitsgefühl aufkommen zu lassen. Im Unterschied zum Irak werden die Soldaten in Afghanistan weit weniger als Besatzer gesehen - eher als unfähig, die Taliban unter Kontrolle zu halten. Was die Sache schwierig, wenn nicht unmöglich macht, ist das traditionelle, undurchsichtige Geflecht aus Machtinteressen der Stammesfürsten - keine Ahnung, wie dieser "Knoten" durchschlagen werden kann. Wie gesagt: keine Ahnung, was zu tun ist, aber: weiter wie bisher ist genauso wenig zielführend wie amorak'sche Gewaltphantasien oder Abzug.
Halodri73 (03.12.2009, 14:17 Uhr)
@kindl88
hmm. ja. klaro.
Nur blöd daß ihre "Eselreiter" im Bestitz von Atomwaffen sind. Mauer drum und aus die Maus können Sie also mal schön vergessen, genau wie sämtliche diplomatischen Äquivalente zu "Mauer drum". Hatten wir schon und hat zu nix gutem geführt.
Da muss eine andere Lösung her.
kindl88 (03.12.2009, 13:44 Uhr)
Am besten wäre
dieses Land wollkommen abzuschotten! am besten mit einer Mauer wie wir sie hatten.Am besten gleich noch Pakistan mitnehmen!
wenn die da unten ihren Gottestsaat haben wollen sollen sie ihne haben! dann reiten die halt noch dei nächsten 300 jahre auf Eseln und Pferden durch die gegend. Gleichzeitig würde man damit den weltweiten opium handel immens dämmen!
Halodri73 (03.12.2009, 13:21 Uhr)
@auwei
Einmal nuken wäre die Kostengünstigste Variante und würde die wenigsten eigenen Verluste bedeuten. Ist bloß ein wenig inhuman...

mal im Ernst:

Einfach raus da und gar nichts machen???

Was wäre dann?
auwei (03.12.2009, 12:14 Uhr)
@mramorak
Selbst wenn man gewillt wäre, Ihren Argumenten zu folgen: Weder die USA noch sonst irgendjemand ist in der Lage, den "Knoten" zu durchschlagen. DAS ist der Denkfehler. Und wenn Sie 1 Mio. Soldaten dorthinschicken - am Ende haben Sie 4 Mio. Tote (85 Prozent Zivilisten) und absolut NICHTS gewonnen. Das Einzige, was mit "Durchschlag"-Methoden erreicht werden kann, ist Friedhofsruhe. Warum dann nicht gleich die ganze Region "nuken"?
Ernst1 (03.12.2009, 11:48 Uhr)
Das ist aber nett von der USA...
dass man einen selbstständigen Staat nicht unter Druck setzt. Wahrscheinlich genauso wenig Druck wie bei den bankdaten, die dieser Folterstaat von der EU geliefert bekommen. Wann verstehen unsere Politiker endlich, dass der Krieg absolut umsonst ist? Wir stützen dort einen Wahlbetrüger mit unseren Soldaten.
Evgen323 (03.12.2009, 11:21 Uhr)
@klaus.heuer
Ich wünschte es gebe mehr solche Leute wie Sie oder mit solchen Ansichten, dann wäre die Welt einwenig besser.

Respekt!
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