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Wir wissen, dass wir nichts wissen

Es scheint nur noch eine Frage der Zeit, bis der Westen zum Militärschlag ansetzt. Über dessen Wirkung wird gestritten. Ein fiktiver Dialog im "New Yorker" findet brillante Worte für das Dilemma.

Von Sophie Albers Ben Chamo

  Drohkulisse: Der Lenkwaffen-Zerstörer USS "Mahan" gehört zu den US-Kriegschiffen, die im östlichen Mittelmeer für eine mögliche Intervention in Syrien zusammengezogen werden.

Drohkulisse: Der Lenkwaffen-Zerstörer USS "Mahan" gehört zu den US-Kriegschiffen, die im östlichen Mittelmeer für eine mögliche Intervention in Syrien zusammengezogen werden.

Die einen schreien nach Intervention, die anderen warnen eindringlich. Die weltpolitische Situation nach den mutmaßlichen Giftgasangriffen durch die syrische Armee auf die eigene Bevölkerung in der vergangenen Woche fühlt sich veritabel apokalyptisch an. Ganz nah scheint uns das Schicksal der Opfer zu gehen. Aber auch so fern liegt das Kriegsgebiet, dass alle Hypothesen über Sinn und Ausgang eines möglichen Militärschlags des Westens gegen Assads Regime möglich sind. Dabei scheint das in einer "Guardian"-Karikatur eindrücklich beschriebene Dilemma, dass es in beiden Fällen Tote geben wird, unlösbar. Ebenso die Frage der möglichen Eskalation.

Der Journalist und Buchautor George Packer hat im "New Yorker" brillante Worte für die verstörende Grauzone gefunden, in der die Entscheidungsträger und Diskutanten umherirren: "Two Minds on Syria" (Zwei Köpfe über Syrien) heißt der Blog-Eintrag in Gestalt einer fiktiven Unterhaltung im Stil des sokratischen Dialogs zwischen einem Befürworter und einem Zweifler, und die zeigt, dass jedes Gefühl der Eindeutigkeit, der Sicherheit, in Gut und Böse unterteilen zu können, tragische Illusion ist.

"Willst du ihn (Assad, Anm.d.Red.) nicht auch zu Klump hauen?"
"Ich will ihn zu Klump hauen."
"Aber du meinst, wir sollten nichts tun?"
"Das habe ich nicht gesagt. Aber ich will, dass du mir erklärst, was wir durch die Bombardierung erreichen."
"Wir werden Assad zeigen, dass chemische Waffen inakzeptabel sind. Deshalb sind sie seit Verdun und so auch verboten."
"Außer dass Saddam sie gegen die Kurden eingesetzt hat - das wussten wir, und wir haben kein Wort gesagt."
"Ist das ein Grund, dass wir Assad jetzt durchgehen lassen, sie gegen seine eigenen Leute einzusetzen?"
"Ich denke, zu diesem Zeitpunkt sind Assad die Genfer Konventionen herzlich egal."
"Er muss sich zwei Mal überlegen, sie noch einmal einzusetzen."
"Er ist ein verdammter Diktator, der ums Überleben kämpft. Er wird alles tun, was es dazu braucht."

Das Zwiegespräch geht auf alles ein: die unschuldigen Zivilisten, die auf jeden Fall getötet werden, weil ein punktgenauer, "chirurgischer" Angriff unmöglich ist, die Fragwürdigkeit der Unterstützung einer Seite des Konflikts, die politischen Interessen der Opposition, die zum Teil al Kaida, nahe steht und auch unser Drang, über das Leben und Sterben von Menschen "für die richtige Sache" entscheiden zu wollen.

"Wenn du ein Syrer wärst, der jeden Tag von Assad bombardiert wird, der den Kopf einzieht und versucht, seine Familie am Leben zu halten, würdest du nicht wollen, dass die Welt reagiert, auch wenn ein paar mehr Leute sterben müssen?"
"Das ist für dich einfach zu sagen."
"Hey, können wir bitte nicht persönlich werden."

Packer stellt all die unangenehmen Fragen, die in emotionalen Diskussionen gern vergessen werden. So wie die nach dem erschreckend unberechenbaren Ausgang einer möglichen Intervention:

"Und was sollen wir tun, wenn Assad gegen Israel oder die Türkei zurückschlägt? Oder wenn er Nervengas an einem anderen Ort einsetzt?"
"Dann greifen wir noch mal an."
"Und es eskaliert."
"Nicht wenn wir uns auf Marschflugkörper und Luftangriffe beschränken."
"Jetzt machst du mir Angst, hast du Irak vergessen?"
"Nicht für eine Sekunde."
"Du kannst es nicht beschränken. Du kannst Gewalt nicht auf begrenzte Ziele anwenden. Du musst wissen, was du nach dem nächsten Schritt machst - und den Schritt danach."
"Es wird nur eskalieren, wenn wir uns erlauben, tiefer reingezogen zu werden. Kosovo ist nicht eskaliert."
"Das ist aber nicht Kosovo. Die syrischen Rebellen sind nicht die UÇK. Assad ist nicht Milosevic. Putin ist nicht Jelzin. Das hier ist viel schlimmer. Der Kosovo wurde ein Protektorat der UN. Das wird in Syrien nicht passieren."
"Du glaubst, Putin wird eine militärische Auseinandersetzung mit den USA und Europa riskieren?"
"Ich glaube, Russland wird Assad nicht hängenlassen. Und auch Iran und die Hisbollah werden es nicht. Deshalb wird es eskalieren. Das könnte einen Krieg zwischen Israel und Iran auslösen, und wie halten wir uns da raus? Mein Gott, es fühlt sich an wie August 1914." (Beginn des Ersten Weltkriegs, Anm.d.Red.)

Am Ende kommt Packer denn auch wieder bei Sokrates' Prämisse an: "Ich weiß, dass ich nichts weiß."

"Was ist denn deine Meinung?"
"Ich weiß es nicht. In meinem Kopf war alles klar, bis wir angefangen haben zu reden. (Pause) Aber wir müssen diesmal was tun."
"Aber nicht irgendwas tun, um etwas zu tun."
"Okay. Nicht irgendwas tun, um etwas zu tun. Aber könntest du mir einen Gefallen tun?"
"Was denn?"
"Während du nichts tust, könntest du bitte unglücklich darüber sein?"
"Das bin ich."

Zum englischen Originaltext.

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