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14. Februar 2010, 11:59 Uhr

Offensive in Afghanistan fordert zivile Opfer

Die größte Militäroffensive gegen die Taliban seit acht Jahren hat ein wichtiges Anliegen verfehlt: keine Zivilisten zu treffen. Bei einem Raketenangriff der internationalen Truppe kamen zahlreiche Unschuldige ums Leben.

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Trotz der zivilen Toten: Die US-Truppen in Afghanistan werten den ersten Tag der Operation "Muschtarak" als Erfolg© Patrick Baz/AFP

Die Militäroffensive gegen die Taliban sollte anders werden als die anderen vor ihr. Mardscha war die größte Stadt in der Hand der Taliban und damit das erste Ziel der am Samstag gestarteten Offensive in der Provinz Helmand. Die "Muschtarak" (Gemeinsam) genannte Operation kommt weitaus mehr Bedeutung zu als einer reinen Militäraktion. Geht es nach dem Willen der Staatengemeinschaft, soll die Offensive den Auftakt für eine Wende zum Guten in Afghanistan bilden. "Wir werden Mardscha den Taliban wegnehmen." Das könne "zu einer grundlegenden Veränderung in Helmand führen" und möglicherweise in ganz Afghanistan", sagte US-Brigadegeneral Lawrence Nicholson. Die Nato will unmittelbar nach den Kämpfen eine Stadtregierung einsetzen und so schnell wie möglich den zivilen Aufbau unterstützen.

Voraussetzung für das Gelingen: keine Opfer in der Zivilbevölkerung. Dazu hatte afghanische Präsident Hamid Karsai ausdrücklich aufgerufen. Kommandeur Stanley McChrystal hatte seine Soldaten schon vor Monaten auf einen neuen Kurs eingeschworen: Priorität hat demnach der Schutz der Bevölkerung, nicht das Töten von Taliban.

Dieser Teil von "Muschtarak" wurde nun nicht erreicht. Isaf-Soldaten haben mindestens zwölf Zivilisten getötet, teilte die Internationale Schutztruppe am Sonntag mit. Zwei Raketen hätten ihr Ziel verfehlt und zwölf Unbeteiligte getötet. McChrystal habe sich dafür beim afghanischen Präsidenten Hamid Karsai entschuldigt.

Zivile Opfer haben dem Image der ausländischen Truppen in der Bevölkerung in den vergangenen Jahren immer wieder schwer geschadet. Um sie zu vermeiden wurde die Offensive erstmals Tage vorher angekündigt. Isaf und afghanische Regierung nahmen in Kauf, das Überraschungsmoment zu vergeben. Ihr Ziel: Mitläufer der Taliban sollten dazu bewogen werden, nicht zu kämpfen, und Zivilisten sollten vorgewarnt werden. Vor der Operation warf die Isaf Flugblätter über der Region ab, in denen die Bevölkerung aufgefordert wurde, Taliban kein Obdach zu gewähren und sich von Stellungen der Aufständischen fernzuhalten.

Militärisch gesehen herrscht Zufriedenheit

Militärisch zeigten sich die Koalitionstruppen unter Führung der USA mit den ersten Ergebnissen der Großoffensive zufrieden. Der britische Militärsprecher Generalmajor Gordon Messenger sagte in London, die Hauptziele wie die Sicherung von Brücken und Straßen seien erreicht. Es habe nur "minimale Störungen" durch die Taliban gegeben. Die Taliban seien unfähig zu einer koordinierten Gegenwehr. Es sei nur zu "sporadischen Gefechten" gekommen, sagte Messenger. Bis die Truppen die Stadt aber völlig unter Kontrolle haben, kann es noch einige Wochen dauern, wie Brigadegeneral Larry Nicholson von der US-Marine-Infanterie am Sonntag sagte. Größere Gefechte in der ehemaligen Taliban-Hochburg erwarte er aber nicht.

US-Marine-Infanteristen und afghanische Soldaten gingen am Sonntag in Mardscha von Haus zu Haus und räumten Sprengfallen. Vereinzelt kam es auch noch wie erwartet zu Schusswechseln mit militanten Islamisten, die sich weiter in der 80.000 Einwohner zählenden Stadt verschanzt haben. Ein Heckenschütze zwang auch Nicholson in Deckung zu gehen. So werde das wohl noch einige Zeit weitergehen, sagte der General, der im Norden von Mardscha unterwegs war. Es werde immer mal wieder zu sporadischen Gefechten mit kleinen Gruppen sehr mobiler Kämpfer kommen. Die Soldaten stellten mehrere Sprengstofflager sicher und stießen auf Stellungen von Heckenschützen, die offenbar erst vor kurzer Zeit geräumt wurden. Bei dem Angriff wurden nach Angaben der afghanischen Behörden mindestens 27 Aufständische getötet. Drei Soldaten der Nato-Truppen fielen in den Gefechten.


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Die Truppen trafen mit mehr als 30 Transporthubschraubern vor dem Morgengrauen in Mardscha ein. Gleichzeitig stießen amerikanische, britische und afghanische Einheiten in den nördlich von Mardscha gelegenen Bezirk Nad Ali vor. An der Offensive nehmen insgesamt 15.000 Soldaten teil. In Washington ließ sich US-Präsident Barack Obama kontinuierlich über den Stand der Offensive im Süden Afghanistans unterrichten lassen. Der Präsident werde laufend über Einzelheiten des Einsatzes informiert, sagte Regierungssprecher Tommy Vietor.

Am Sonntag waren Gespräche mit dem Nationalen Sicherheitsberater Jim Jones, Verteidigungsminister Robert Gates und Nato-Kommandeur Stanley McChrystal geplant. US-Präsident Barack Obama hatte für dieses Jahr eine massive Eskalation des seit Ende 2001 andauernden Krieges angekündigt und rund 30.000 zusätzliche Soldaten in Marsch gesetzt, um die wieder erstarkten Taliban zu besiegen.

DPA/APN
 
 
KOMMENTARE (10 von 21)
 
rainermissalek (15.02.2010, 21:33 Uhr)
Augenwischerei
Es ist doch Augenwischerei gegen besseres Wissen, wenn USA und Verbündete meinen, mit solchen Aktionen den Krieg zu wenden (zu gewinnen). Das täuscht. Dieser Krieg ist verloren, da beisst die Maus keinen Faden ab.
sachsenwini (15.02.2010, 13:48 Uhr)
Krieg um des Krieges Willen.
Die USA führen in diesem Land schon Jahrzehnte lang Krieg nur um des Krieges Willen.

Als die Sowjetunion die Regierung der Demokratischen Volkspartei unterstützte, belieferten die USA die Mudschaheddin- Rebellen mit Waffen.
Vor den Regierungstruppen flohen viele Angehörige islamischer Gruppen nach Pakistan, die sich wiederum zu Kampfeinheiten formierten und ebenfalls von den USA ausgerüstet wurden. Damals wurden sogar die Olympischen Spiele in Moskau boykottiert.
Nach Rückzug der SU unter Michael Gorbatschow kehrten die von den USA aufgerüsteten Taliban nach Afghanistan zurück. Jetzt kämpfen die USA gemeinsam mit der Nordallianz gegen den Taliban, den sie einst mit Waffen belieferten.

In diesem Kriegsgebiet hat kein Ausländer etwas zu verloren und wir schon gar nicht.

Mir tun die Opfer dieses unsinnigen Krieges Leid, und ich verstehe nicht, wie man freie Menschen zu solchen Einsätzen zwingen kann.
allesklar (15.02.2010, 07:22 Uhr)
Kollateralschaden im Krieg
und keiner haut sich selber mit der rute - ausser die deutschen. Ihr seid schon irgendwie komis .. .. Und redet nicht von gerufen - Keiner In afgahnistan hat die USA gerufen - und wenn man die ruft sollte man wissen das die aufraeumen ...
Roman25 (15.02.2010, 01:29 Uhr)
Noch eine Anmerkung
Im Unterschied zu vergangenen Kriegen bzw. der russischen Invasion kämpft hier ein Teil der Afghanen (afghanische Armee) auf Seite der ausländischen Truppen. Daher kann man das nicht direkt mit vergangenen Feldzügen vergleichen und daraus ableiten, dass Afghanistan nicht zu gewinnen sei.
Roman25 (15.02.2010, 01:27 Uhr)
Bedauerlich, aber ....
Es ist bedauerlich und eine Tragödie, wenn Unschuldige sterben, jedoch befindet sich die Region im Kriegszustand und man kann doch nicht in einem Krieg für jedes Dutzend tote Zivilisten eine Meldung rausgeben ?!?!

Ursprünglich war der Krieg in Afghanisten übrigens durchaus gerechtfertigt !!! Es ging darum, Al Kaida aus Afghanisten zu vertreiben und gegen den internationalen Terrorismus vorzugehen.
Dito (15.02.2010, 01:21 Uhr)
Der Kreig wird werbewirkasam inszeniert
nur wo sind die vielen doofen Talibans, die gegen eine Streitmacht kämpfen. Wenn man schwach ist, shclägt man zu und versteckt sich wieder.
Bei den Russen hatte es bestens funktioniert, warum sollte nicht wieder funktionieren.
Sozimod (14.02.2010, 23:49 Uhr)
Jede(r) Bürger/in
Die diese Parteien(CDU,CSU,FDP,SPD, in der Mehrheit die GRÜNEN) geählt hat, trägt eine Mitschuld.
Ich habe hier ein Gedicht von Theodor Fontane, als link:
http://dinlilleavis.dk/tndr_net/main/DLA/poesi/fon_t12.html

Vor 150 Jahren wurde dieses Gedicht geschrieben. Gelernt haben wir seit dem nicht.
Mein Mitgefühl für die Opfer.
Dieser Krieg muss gestoppt werden.

Raus aus Afghanistan!
manfredfenn (14.02.2010, 23:47 Uhr)
Da freut sich die Frau Merkel aber
nur 29,27% der Getöteten sind Zivilisten. Es fehlt aldo doch eine deutsche Einheit, um dort mal richtig aufzuräumen. Nun können sie, der Westerwave, die Ex-Außenminister und Herr zu Guttenberg dem Deutschen Volk erklären, wie notwendig wir in Afghanistan sind.
Der große Trick der deutschen Armee ist doch der: Man lasse die Taliban Militärgut kapern und Geiseln nehmen. Und sobald genügend Talis drum rumstehen, wirft man das Bömbchen. Schade um den Schrott, bedauerlich, dass auch Deutsche dabei umgekommen sind. Aber so feiert man den großen Sieg.
Setzen Sie, liebe Leser, das www. vor meinen Nick und dahinter .de
Sie lesen dann, was unsere Politiker längst wissen.
jeanclaude (14.02.2010, 23:12 Uhr)
das einzige was wir in afganistan gewinnen,ist generationenübergreifender hass....

unglaublich wie man,der massen gegen den willen unserer bevölkerung eine so widerwrätige politik betreiben kann.

wir müssen uns vor den angriffen der taliban schützen,indem wir ein land angreifen das zigtausend kilometer entfernt liegt und von der entwicklung her im 1900 lebt.

wie können sich nur die demokratischen länder,so hinter den karren von der kriegsnation nummer 1 spannen lassen??

barack obama,friedensnobelpreisträger?....
lächerlich...

als die russen in afganistan eingefallen sind,wurden die olympischen spiele in moskau boykotiert.

jetzt interressiert die völkerrechtswidrigen angriffe auf afganistan und irak keine sau...

die medienpropaganda macht einen ausgezeichneten job.

ob vor siebzig jahren,nach gleiwitz die bevölkerung auch so davon überzeugt war das die polen deutschland angreifen wollten?

sachsenwini (14.02.2010, 20:51 Uhr)
@ acenes --- das nennt man Generationsvertrag

Unsere Väter haben für den ersten Weltkrieg gezahlt.
Wir zahlen immer noch für den zweiten Weltkrieg,
und unsere Kinder und Enkel werden für diesen Krieg zahlen.
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