Essie Bindu weiß nichts von den Millenniumszielen. Und doch ist die Frau aus Sierra Leone davon betroffen. Sie verlor ihr Baby, weil kein Arzt da war. Solche Tragödien sollen künftig verhindert werden. Von Manuela Pfohl

Keine Chance: Essies Baby starb bei der Geburt, weil kein Arzt da war© World Vision/Marcel Mettelsiefen
Endlich ist es soweit. Essie Bindu hat schon seit ein paar Tagen gespürt, dass ihr Kind auf die Welt drängt. Die 28-Jährige freut sich darauf, wie auf ihre drei anderen Kinder zuvor. In der Gesundheitsstation von Baomé Kpenge im Südwesten von Sierra Leone kämpft und schreit sie gegen die Wehen an, die immer stärker werden. Sie müht sich stundenlang. Und dann ist das Baby da. Es liegt mit runden Bäckchen und zusammengeballten Fäustchen vor ihr auf einer Decke - und es ist tot. Irgendwann während der schweren Entbindung ist es erstickt.
Ein Schicksal, das mit einem Kaiserschnitt leicht hätte verhindert werden können. Doch in Baome´Kpenge gibt es keinen Arzt. Und das einzige Krankenhaus im Bonthe Distrikt, zu dem Baomé Kpenge gehört, ist zwei Stunden und unzählige holprige Sandpisten entfernt. Zwei Ärzte müssen sich dort um 200.000 Menschen kümmern. Zum Vergleich: Laut WHO sollte es weltweit pro 1000 Menschen 2,5 Gesundheitsmitarbeiter geben. Das wären ca. 20 für das Einzugsgebiet der Gesundheitsstation.
Die dramatische Situation in Baomé Kpenge ist "Dritte Welt"- Realität und ein klarer Beleg für die Notwendigkeit der Entwicklungsziele, die auf dem UN-Millenniums-Gipfel in New York debattiert wurden: Bis zum Jahr 2015 - so haben es die 189 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen im Jahr 2000 beschlossen - sollen reiche und arme Länder verpflichtet sein, die Armut drastisch zu reduzieren und ökologische Nachhaltigkeit ebenso zu fördern, wie Demokratie und Frieden auf der Welt. Doch die Realität sieht anders aus. Noch immer sterben täglich fast 24.000 Kleinkinder unter fünf Jahren an Hunger und vermeidbaren Krankheiten. Das entspricht ungefähr dem Absturz von 40 mit Kindern vollbesetzten Airbus A380 am Tag. Mehr als eine Milliarde Menschen leben in extremer Armut, über 700 Millionen Menschen hungern und sind unterernährt. Für mehr als eine Milliarde Menschen gibt es keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.