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Trump und Clinton zücken ihre schmutzigsten Waffen

Attack Ads sind oft nur wenige Sekunden lang. Ihr Ziel: den politischen Gegner zu diffamieren. Im beginnenden US-Wahlkampf werden wieder Unsummen für die Schmähvideos ausgegeben - mit unheimlichen Erfolg.

Von Niels Kruse

IS-Kämpfer Szene aus Attack Ad von Donald Trump

Mit IS-Propaganda gegen Hillary Clinton: Szene aus einer Attack Ad von Donald Trump

Wladimir Putin kämpft, ein IS-Kämpfer droht, dazu die Frage: "Wie verhalten wir uns gegenüber unseren härtesten Gegnern? Die Demokraten haben die perfekte Antwort": eine bellende Hillary Clinton und ein lachender Putin. So zu sehen in einem kurzem  Video auf der Instagram-Seite von . Zwar ist der Spot nicht mehr ganz neu, vermittelt aber einen ziemlich guten Ausblick auf den Sound des kommenden US-Präsidentschaftswahlkampfs: hart, unfair, verleumderisch.

IS droht, Hillary Clinton bellt:


Attack Ads nennen sich diese kurzen Filme, mit denen in den seit vielen Jahrzehnten die politische Auseinandersetzung betrieben wird und die Unsummen verschlingen. Dabei geht es im Wesentlichen darum, den Gegner vorzuführen, seine Aussagen aus dem Zusammenhang zu reißen, schlicht darum, ihn zu diskreditieren. Fairness oder Respekt bleiben meist auf der Strecke. Und Donald Trump hat einen Vertrauten, der ist der Meister dieser "schwarzen PR": Roger Stone.

Wahlkampf mit angeblichen Sexskandalen von Bill Clinton

Der 63-Jährige, genannt "Auftragskiller der Republikaner", trägt auf dem Rücken ein Tattoo mit dem Porträt Richard Nixons. Seit dessen Präsidentschaft ist Stone im politischen Geschäft. Er gilt als schmutzigster Kampagnenspezialist des Landes. Stone hat angekündigt, dass er die Sexskandale während der Präsidentschaft von Bill Clinton zum Wahlkampfthema machen wird. "Bill Clinton ist ein Frauenschänder", sagte er in mehreren Interviews. CNN hat ihn wegen solcher Beleidigungen vom Bildschirm verbannt. Doch das stört Stone nicht. "Wenn CNN nicht freiwillig berichtet", so seine Drohung, "dann kaufen wir 30-Sekunden-Spots, in denen wir alle Opfer erzählen lassen, was Bill Clinton ihnen angetan hat."

So wird es wohl kommen. Dabei beteuert Donald Trump selbst, nicht viel von Attack Ads zu halten. In einen Interview mit der Nachrichtenagentur AP sagte er jüngst, sonderlich effektiv seien sie ja nicht. "100 Millionen Dollar wurden für solche Clips gegen mich ausgegeben, doch trotzdem sind meine Wahlergebnisse immer nur angestiegen." Produziert wurden die Videos vor allem von seinen republikanischen Ex-Rivalen oder deren Wahlkampfunterstützern. Auf Youtube sind die Ergebnisse zu sehen, und kaum jemand, nicht mal Hillary Clinton ist so hart mit dem Unternehmer ins Gericht gegangen wie , erzkonservativer (und gescheiterter) Widersacher Trumps.

Sammlung von Anti-Donald-Trump-Ads von Ted Cruz:


Clinton, die für die demokratische Partei ins Rennen um das Weiße Haus gehen wird, hat erst vor wenigen Tagen angefangen, ihren Konkurrenten per Attack Ad anzugehen. Ihr Ansinnen: Trumps miesen Ruf innerhalb seiner eigenen Partei ausschlachten. Zu Wort kommen sämtliche großkopferten , die sich kritisch oder negativ oder abfällig über den New Yorker Immobilienhai geäußert haben. Und das sind so ziemlich alle. Am Ende des Filmchens gibt ein entnervter Jeb Bush vor laufenden Kameras zu Protokoll, Trump brauche therapeutische Behandlung.

Anti-Donald-Trump-Ads von Hillary Clinton:


Mit dem Sinn und Unsinn solcher negativer Kampagnen beschäftigt sich längst auch die Wissenschaft. Erst vor kurzem hat eine Studie die Wirkung eines Anti-Trump-Spot untersucht, in dem Frauen Trumps sexistische Aussprüche zitieren. Der Clip ist wenige Monate alt und wurde von einer Wahlkampfspenden-Organisation veröffentlicht, die Jeb Bush nahesteht. Zu Beginn tat sich "Real Quotes from Donald Trump" beim Publikum schwer, doch nach zwei Wochen plötzlich erfüllte die Attack Ad ihren Zweck und brachte die Menschen auf die Palme.

Alles eine Frage des Timings

Der Grund: Trump hatte öffentlich gefordert, Frauen, die abtreiben, zu bestrafen. Erst durch diese kontroverse Äußerung im Fernsehen wurden viele Amerikaner auf die frauenfeindliche Einstellung des Kandidaten aufmerksam. Das Zitate-Video ging daraufhin durch die Decke, die Testzuschauer, die das erste Anschauen des Zitate-Videos eher kalt gelassen hatte, wurden beim wiederholten Betrachten mehrheitlich zornig.

Attack Ad "Frauen zitieren Donald Trump"


Forscher der Universitäten in Los Angeles und Nashville folgerten aus ihren Untersuchungen, dass es nicht so sehr auf die Machart der Attack Ads ankomme, sondern darauf, dass die deren Nachricht zum richtigen Zeitpunkt die Zielgruppe erreiche, wie Studienleiterin Lynn Vavreck der "Los Angeles Times" sagte. Die bisher oft geäußerte Befürchtung, negative Kampagnen würden die Menschen vom Wählen abschrecken, konnte das Forscherteam nicht bestätigen. Vielmehr treffe das Gegenteil zu. Die Welt kann sich also schon einmal auf einen besonders schmutziges Wahljahr 2016 einrichten.

Attack Ad von Donald Trump zur Rolle Clintons beim Angriff auf die US-Botschaft im libyschen Bengasi 2012, bei dem vier US-Bürger ums Leben kamen:

Hillary has bad judgment!

Ein von Donald J. Trump (@realdonaldtrump) gepostetes Video am


Lesen Sie mehr zum in den USA und über Donald Trump, dem Albrtraum Amerikas im neuen stern:





Mitarbeit: Andreas Albes

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