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3. Februar 2006, 16:58 Uhr

Jordanischer Chefredakteur entlassen

Weil er die umstrittenen Karikaturen über den Propheten Mohammed abdruckte, musste ein jordanischer Chefredakteur seinen Job quittieren. Inzwischen hat sich auch der afghanische Präsident Karsai in die Debatte eingemischt - mit harschen Worten.

Protest gegen Karikaturen: Muslims in den Palästinensergebieten verbrennen die dänische Flagge© Abbas Momami/AFP

Die Mohammed-Karikaturen sorgen unter Muslimen weiter für massive Entrüstung. Nun wurde der Chefredakteur der jordanischen Wochenzeitung "Shihan" entlassen. Dschihad Momani hatte eine der umstrittenen Karikaturen nachgedruckt unter darunter die Frage gestellt, was schlimmer sei: diese Zeichnung oder Selbstmordanschläge.

Das Verlagshaus zog daraufhin die aktuelle Ausgabe des Wochenblattes von den Zeitungsständen des Landes zurück und kündigte an, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Chefredakteur Momani hat sich unterdessen für den Abdruck entschuldigt. Er habe damit lediglich darstellen wollen, in welchem Ausmaß Muslime beleidigt werden.

Zehntausende auf den Beinen

Unterdessen haben Muslime in Asien und dem Nahen Osten wieder massiv gegen die Verbreitung der Karikaturen Mohammeds protestiert. Allein in den Palästinensergebieten gingen zehntausende auf die Straßen, dänische Flaggen wurden verbrannt. In Jakarta stürmten am Freitagmorgen mehr als 150 Demonstranten das Gebäude der dänischen Botschaft und verbrannten die dänische Flagge. "Wir sind keine Terroristen, wir sind keine Anarchisten, aber wir sind gegen Leute, die den Islam beleidigen", riefen die Demonstranten in Jakarta - selbst erklärte Anhänger der Partei Islamische Verteidigerfront, die das islamische Recht in Indonesien einführen will.

Bei allen Demonstrationen, so auch in Bangladesch und in der Türkei, wurde eine umfassende Entschuldigung von Seiten der dänischen Regierung gefordert. Um die Wogen zu glätten, rief Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen das diplomatische Korps in Kopenhagen zusammen. Der ägyptische Botschafter Mona Omar Attia erklärte jedoch anschließend, Dänemark müsse mehr tun, um die muslimische Welt zu besänftigen. Die Zeitung "Jyllands-Posten", in der die Karikaturen zuerst erschienen, hat bereits eine Entschuldigung ausgesprochen, die in der islamischen Welt jedoch ebenfalls als unzureichend kritisiert wurde.

Karsai plädiert für Bestrafung

Der afghanische Präsident Hamid Karsai hat an Europas Verleger appelliert, Chefredakteure zu bestrafen, die die Karikaturen veröffentlichen. Karsai lobte ausdrücklich die Entlassung des Chefredakteurs der französischen Zeitung "France Soir". So sehr die Veröffentlichung zu verurteilen sei, müssten die Moslems jedoch auch "den Mut haben, zu vergeben und daraus kein Streitthema zwischen Religionen oder Kulturen zu machen".

Die dänische Zeitung „Jyllands-Posten“ hatte die Mohammed-Karikaturen erstmals im September veröffentlicht. Zeitungen in Deutschland, Norwegen, Ungarn, Frankreich, Spanien und der Schweiz druckten sie in den vergangenen Tagen nach. Der dänische Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen lehnte am Freitag erneut eine Entschuldigung ab. "Weder eine dänische Regierung noch die dänische Nation als solche kann für in einer dänischen Zeitung veröffentlichte Zeichnungen verantwortlich gemacht werden."

 
 
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