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Islamisten locken offenbar Molenbeeker Jugendliche per SMS

Junge Männer im Brüssler Problembezirk Molenbeek erhalten nur kurz nach den Anschlägen eindeutige SMS. Das Ziel ist klar: Die Islamisten brauchen Nachschub: junge Männer, die bereit sind, für ihre Sache zu sterben.

Schwerbewaffnete Polizisten in Brüssel

Schwerbewaffnete Polizisten in Brüssel: Die Anschläge vergangene Woche geschahen direkt nach Festnahmen im Problembezirk Molenbeek

Das Brüsseler Stadtviertel Molenbeek steht im Ruf, den perfekten Nährboden für Islamismus zu bieten. Spuren nach den Anschlägen von Paris und Brüssel führten in den Problembezirk. Der Anteil an Muslimen ist dort deutlich höher als im Rest Brüssels und Belgiens. Rund jeder zweite Jugendliche ist arbeitslos, insgesamt ungefähr jeder Dritte. Viele Menschen sind arm, fühlen sich vernachlässigt und von der Gesellschaft im Stich gelassen. Am Wochenende hat es dort nun offenbar massive Anwerbeversuche durch Islamisten gegeben. Wie die britische Zeitung "The Guardian" berichtet, sollen dort junge Männer SMS mit eindeutigen Botschaften bekommen haben. "Mein Bruder, warum nicht die Westländer bekämpfen? Triff die richtige Entscheidung für dein Leben", soll der auf französisch verfasste Text lauten. Der Zeitung liege so eine SMS vor.

Abgeschickt wurden die SMS demnach von einem Prepaid-Handy, das nicht zurückverfolgt werden kann. Zuvor sei auf Facebook ein mittlerweile gelöschtes Video verbreitet worden, das Molenbeeker Jugendliche zeigen soll, die die Anschläge von Brüssel vergangene Woche feiern. Die Zahl der Toten bei den Attacken ist mittlerweile auf 35 gestiegen, wie der belgische Gesundheitsminister mitteilte.

Als Urheber der Lock-SMS werden Rekrutierer des Islamischer Staates (IS) vermutet. Von der Terrorgruppe ist das Anwerben potenzieller Rekruten per Telefon und über die sozialen Netzwerke bekannt.

Wie Islamisten an Telefonnummern kamen, ist offen

Offen ist laut "The Guardian", wie die mutmaßlichen Islamisten an die Telefonnummern der jungen Männer gelangt sind. Demnach vermuten Kenner der Szene, dass der IS die Mobiltelefone von Neuankömmlingen konfisziere, um deren Telefonbücher zu scannen. Daraus würden die Rekrutierer dann "junge Männer nordafrikanischen Ursprungs" auswählen und Anwerbeversuche starten.

Die Zeitung zitiert Jamal Ikazban, der für die örtliche sozialistische Partei im Parlament sitzt: "Diese Leute versuchen, unsere Jugend im Sturm zu erobern." Es sei, als hätte man einen Groß-Dealer vor den Schultoren. "Sie sind Raubtiere und unsere Jugend sind die Opfer." Die Rekrutierer müssten von den Straßen geholt werden. 

fin
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