. .
Politik im Ausland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
20. Januar 2007, 13:29 Uhr

Kein Polizeischutz trotz Morddrohungen

Nach dem Mordanschlag auf den türkisch-armenischen Journalisten Hrant Dink solidarisierte sich Ministerpräsident Erdogan mit dem Opfer. Unterdessen kritisierte der Direktor des Zentrums für Türkeistudien die Polizei, die Dink trotz Morddrohungen nicht geschützt haben soll.

Zehntausende Menschen betrauern die Ermordung des türkisch-armenischen Journalisten Hrant Dink© Osman Orsal/AP

Nach dem Mordanschlag auf den prominenten türkisch-armenischen Journalisten Hrant Dink (52) fahndet die Polizei mit Fotos nach dem mutmaßlichen Attentäter. Einen Tag nach den tödlichen Schüssen verteilte Provinzgouverneur Muammer Güler am Samstag Videoaufzeichnungen des bislang nicht identifizierten Mannes an die Medien und rief die Bevölkerung zur Mithilfe auf. Die von der Überwachungskamera eines Geschäfts aufgenommenen Bilder zeigen einen jungen Mann mit Schnurrbart, der eine weiße Mütze und eine Jeansjacke trägt. Auf einem Foto ist zu sehen, wie er im Weglaufen eine Waffe in den Hosenbund steckt. Unterdessen wurde Kritik an den türkischen Sicherheitsbehörden laut, die es versäumt hätten, den gefährdeten Journalisten zu schützen.

Dink, Journalist und Herausgeber der türkisch-armenischen Wochenzeitung "Agos", war am Freitag auf offener Straße erschossen worden. Drei noch am Abend festgenommene Verdächtige wurden unterdessen wieder freigelassen. "Zur Zeit befindet sich niemand in Polizeigewahrsam", sagte Provinzgouverneur Güler am Samstag. Er widersprach damit Medienberichten, in denen von mittlerweile acht festgenommenen Verdächtigen die Rede war.

Personenschutz nur an Prozesstagen

Kritik an den Sicherheitsbehörden wies Güler mit dem Hinweis zurück, der "Agos"-Herausgeber habe keinen Personenschutz gewünscht. Nur an Prozesstagen sei ihm Polizeischutz zuteil geworden. Dink war im vergangenen Jahr wegen "Beleidigung des Türkentums" rechtskräftig zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten verurteilt worden. Weil er die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich im Ersten Weltkrieg als "Völkermord" bezeichnet hatte, sah sich Dink Anfeindungen nationalistischer Kreise ausgesetzt. Der Vorwurf des Genozids an den Armeniern wird von der Türkei heftig bestritten.

Das Fahndungsfoto des mutmaßlichen Täters, das die Polizei derzeit verteilt© Istanbul Police Department/Handout/Reuters

Mehrere tausend Menschen hatten am Freitagabend in Istanbul gegen den Mordanschlag demonstriert. "Wir alle sind Hrant Dink", lautete der Hauptslogan. Auch am Samstag fanden sich zahlreiche Menschen vor dem mit Blumen und Porträts des Ermordeten geschmückten Eingang der Zeitungsredaktion ein. Dink, der am Dienstag auf einem armenischen Friedhof in Istanbul beigesetzt werden soll, hatte nach Angaben seines Anwalts seit zweieinhalb Jahren Drohungen erhalten.

Der Direktor des Zentrums für Türkeistudien in Essen, Faruk Sen, erhob deshalb schwere Vorwürfe gegen die türkische Polizei. "Er hat noch am 10. Januar Drohbriefe erhalten, die er der Staatsanwaltschaft vorgelegt hat. Aber die hat nichts unternommen," sagte Sen in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Focus". Es sei eine Schande, "dass die türkische Polizei ihn nicht geschützt hat".

Durch Strafverfahren und Verurteilung sei Dink "ins Fadenkreuz der Ultranationalisten gebracht" worden, kritisierte Volker Beck, menschenrechtspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion im Bundestag. Die Türkei müsse endlich den umstrittenen Paragrafen 301 des Strafgesetzbuches streichen, der Haftstrafen für "Beleidigung des Türkentums" vorsieht. Nach dem auch von der EU heftig kritisierten Paragrafen sind in der Türkei zahlreiche Journalisten und Autoren angeklagt worden, darunter Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk und die Schriftstellerin Elif Shafak. Türkische Nationalisten nutzten solche Gerichtsverhandlungen häufig dazu, die Angeklagten zu bedrohen und massiv einzuschüchtern.

DPA
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Mord an Hrant Dink "Es war eine Hinrichtung"

Der armenische Journalist und Henri-Nannen-Preisträger Hrant Dink wurde in Istanbul auf offener Strasse erschossen, die Polizei fand vier Patronenhülsen. Dink wurde, weil er den Völkermord an den Armeniern thematisierte, immer wieder bedroht. stern.de sprach mit Toros Sarian, Sprecher des Zentralrats der Armenier in Deutschland. mehr...

Henri-Nannen-Preis Sprachrohr der Unsichtbaren

Mit absurden Vorwürfen verfolgt die Justiz in der Türkei den armenischen Journalisten Hrant Dink. Er gibt seinem Volk eine Stimme - dafür bekommt er dieses Jahr den Henri-Nannen-Preis für Pressefreiheit. mehr...

Armenischer Journalist Henri-Nannen-Preisträger erschossen

Der armenische Journalist Hrant Dink ist bei einem Anschlag in Istanbul erschossen worden. Wegen seines Engagements für die armenische Minderheit in der Türkei war Dink im vergangenen Jahr in Hamburg mit dem Henri-Nannen-Preis für Pressefreiheit ausgezeichnet worden. mehr...

MEHR ZUM THEMA
powered by wefind WeFind
 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe