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In Sotschi herrscht die totale Überwachung

Kein Telefonat und kein Klick im Internet soll den russischen Geheimdiensten entgehen: Laut einem Bericht des "Guardian" überwacht Russland Athleten und Besucher der Winterspiele von Sotschi perfekt.

  Am Flughafen von Sotschi begrüßen die Besucher zur Olympiade nicht nur die Olympischen Ringe, sondern auch die Überwachungstechnik des russischen Geheimdienstes.

Am Flughafen von Sotschi begrüßen die Besucher zur Olympiade nicht nur die Olympischen Ringe, sondern auch die Überwachungstechnik des russischen Geheimdienstes.

Athleten und Besucher der Olympischen Winterspiele im russischen Sotschi müssen sich laut einem Bericht des britischen "Guardian" auf eine Überwachung einstellen, die die der NSA bei weitem in den Schatten stellt. Der russische Geheimdienst FSB will laut Dokumenten, auf die sich der "Guardian" beruft, sicherstellen, dass während der Spiele keinerlei Kommunikation von Athleten oder Besuchern unüberwacht bleibt. Zu diesem Zweck habe Russland die technischen Möglichkeiten geschaffen, dass der FSB den gesamten Telefon- und Datenverkehr abfangen könne und sogar nach unerwünschten Wörtern oder Phrasen in E-Mails, Chats oder sozialen Netzwerken suchen könne.

Möglich mache dies das russische Überwachungstechnik "Sorm", die im ganzen Land modernisiert worden sei - mit besonderem Augenmerk auf Sotschi, wo im Februar eine besonders hohe Zahl ausländischer Besucher erwartet wird. Auch eine neue Software sei installiert worden, mit der nach bestimmten Stichworten gesucht werden könne. "Zum Beispiel kann man schauen, wer in einer bestimmten Region das Wort 'Nawalny' benutzt hat", zitiert der "Guardian" Andrei Soldatov, einen investigativen russischen Journalisten. "Diese Leute kann man dann weiter überwachen." Alexej Nawalny ist der bekannteste russsische Oppositionspolitiker.

Absolute Transparenz für Geheimdienste

"Sorm" sei wie "Prism auf Steroiden", sagte Ron Deibert, ein kanadischer Professor, der an der Recherche zum russischen Überwachungsprogramm beteiligt war, laut "Guardian". Seit 2010 sei an Sorm gearbeitet worden, damit es dem erwarteten zusätzlichen Datenverkehr während der Olympiade in Sotschi gewachsen sei.

"Prism" ist ein Überwachungsprogramm, das vom US-Geheimdienst NSA eingesetzt wird und dessen Existenz vom amerikanischen Whistleblower Edward Snowden öffentlich gemacht wurde. Auf der Flucht vor einer Strafverfolgung in seinem Heimatland hatte der Amerikaner im Sommer in Russland Asyl erhalten.

Neben der Unterstützung der Opposition dürften vor allem die Rechte Homosexueller ein Thema bei den Spielen in Russland werden, dessentwegen Sorm eingesetzt würde. In Russland wurden umstrittene Gesetze erlassen, die "Homosexuellen-Propaganda" unter Strafe stellen.

Das Ziel sei allumfassend, aber simpel, so Soldatov zum "Guardian": "Russische Behörden wollen sicherstellen, dass jede Verbindung und jeder Schritt, der während der Winterspiele von Sotschi online gemacht wird, für die Geheimdienste des Landes absolut transparent ist."

Thomas Krause
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