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8. Januar 2008, 17:38 Uhr

Prodi und der Kampf gegen den Müll

In den neapolitanischen Müllnotstand kommt Bewegung: Die italienische Regierung will mit der Armee, neuen Verbrennungsanlagen und einem Sonderkommissar gegen die stinkenden Abfallberge vorgehen. Langfristig soll die Region ihren Müll jedoch selbst in den Griff bekommen.

Italienische Soldaten räumen Müllberge in Schulnähe - damit die Kinder ohne Gestank lernen können© Agnfoto/Reuters

Der italienische Ministerpräsident Romano Prodi hat der seit Wochen schwelenden Müllkrise im Großraum Neapel den Kampf angesagt. Drei neue Müllverbrennungsanlagen, Deponien und die zeitweilige Abfallübernahme durch andere italienische Kommunen und Regionen sollen das Problem in Neapel in den Griff bekommen, wie Prodi nach Gesprächen mit Ministern in Rom erklärte. Zusätzlich sollten Soldaten zunächst als Müllräumer im Einsatz bleiben, bis die Müllberge aus den Straßen verschwunden sein würden.

Es gehe darum, dass Italien bei der Lagerung seines Mülls nicht mehr auf kostspielige ausländische Hilfe angewiesen sein würde, erklärte Prodi. Doch zunächst soll dem Notstand in Neapel mit inneritalienischem Müllexport begegnet werden, denn neue Deponien oder Verbrennungsanlagen können nicht so schnell eingerichtet werden. Dafür sollen alle "sofort verwendbaren" Deponien wiedereröffnet und genutzt werden, um den Unrat zwischenzulagern.

In den nächsten vier Monaten soll ein von der Regierung ernannter Kommissar, der ehemalige Polizeichef Gianni De Gennaro, über das Müllproblem wachen. Langfristig müsse die Region ihren Müll aber selbst in den Griff kriegen, ermahnte Prodi die Lokalpolitiker. Zunächst war unklar, wo neue Müllhalden entstehen sollten. Sie werden von den Bewohnern zumeist bekämpft. Der Müll in der süditalienischen Metropole wurde seit dem 21. Dezember nicht mehr abgeholt, da es keinen Platz mehr auf den städtischen Deponien gibt. Die Bewohner verbrennen ihren Müll selbst, so dass ständig dichter und stinkender Rauch über der Stadt hängt.

Gefahr für das Grundwasser

Unterdessen warnten Experten vor Gefahren für das Grundwasser, sollten die Müllberge noch wachsen und Regen die Abfälle in die Kanalisation schwemmen. Neapel kämpft bereits seit mehr als einem Jahrzehnt immer wieder mit dem Müll, der seit den Weihnachtstagen erneut nicht weggebracht werden konnte, weil Verwertungsanlagen fehlen. In Rom machten Politiker wahlweise die Unfähigkeit der italienischen Politik zur Krisenlösung oder Neapels Mafia für den Müllnotstand verantwortlich, weil die in die illegale Müllverarbeitung verwickelte Camorra die Krise für Geschäfte nutze.

Am Russolillo Platz in Pianura bei Neapel: Aus Angst, dass die Mülldeponie wieder geöffnet wird, zündeten Anwohner Barrikaden an© Ciro Fusco/DPA

Im Vorort Pianura war es in der Nacht zum Dienstag wieder zu Krawallen mit der Polizei gekommen. An der Zufahrt zu einer alten Mülldeponie setzten Demonstranten einen Bus in Flammen und bewarfen die Sicherheitskräfte mit Steinen. Die Beamten setzten Tränengas ein. In Pianura kam es in den vergangenen Tagen immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Bewohnern und Sicherheitskräften. Die Bewohner errichteten aus Müll, Metall und Altreifen Barrikaden, um den Zugang zur lange geschlossenen Müllkippe zu blockieren. Sie befürchten eine Wiedereröffnung der Deponie und davon ausgehende Gesundheitsgefahren.

Erste Müllräumung um Schulen

Am Montag hatten Soldaten mit Bulldozern im Großraum Neapel zum Teil das Abfallräumen übernommen. Heeres-Pioniere begannen vor Morgengrauen damit, den sich türmenden Müll in den Straßen beiseite zu schaffen. Schwerpunkt waren Gebiete um Schulen, wo nach den Weihnachtsferien wieder der Unterricht aufgenommen wurde.

AP
 
 
KOMMENTARE (4 von 4)
 
Dialogus (09.01.2008, 11:41 Uhr)
Eher nicht
Lieber Stefan aus Augsburg,
vielleicht sollten Sie sich die Mühe machen und besser informieren. Scheinbar waren Sie noch nie im Ausland. Es scheint allerdings auch sehr schwer zu sein, für Sie ein Land zu finden, dass der deutschen Norm entspricht, wo alles perfekt und geregelt ist. Jedes Land hat seine Geschichte und Politik war noch nie gerecht, selbst hier in Deutschland. "Moralisch verwerflich" da toppt uns Italien nicht, oder wie sehen sie die momentane VW Affäre, oder die Streiks der GDL, oder oder oder?
StefanAugsburg (09.01.2008, 10:21 Uhr)
Eigentlich doch berechtigt ....
Das war auch gar nicht gemeint, denn daß wir selbst auch "Dreck am Stecken" haben, dürfte allen realitätsnahen Bürgern in D klar sein. Wenn ich aber, um ein Beispiel zu nennen, anschaue, wie oft in Italien in den letzten Jahrzehnten die Regierungen gewechselt haben, dann ist auch das für mich ein Indikator, wie es in diesem Land zugeht. Hinzu kommt die unsägliche Verquickung der Camorra und Mafia im täglichen Leben dieses Landes - und die Politiker mischen feste mit wie allgemein bekannt ist. Wenn ich dann noch sehe, welche "Menschen" an die Regierung kommen oder gekommen sind, siehe Berlusconi (der für mich einer der größten Gangster ist und war - alleine schon die Gesetzte, die er auf den Weg gebracht hat oder bringen wollte, um sich der juristischen Verantwortung zu entziehen), dann darf ich das Wort "Bananenrepublik" eigentlich schon guten Gewissens gebrauchen, oder ? :) Von großflächigen EU-Subventionsbetrügereien ( ja, ich weiß gibts bei uns auch, aber Italien topt uns da sicherlich ...) ganz abgesehen, davon fange ich lieber gar nicht erst an ... grins
leobissinger (09.01.2008, 10:14 Uhr)
Italien EU ....
... es ist in Italien, wie auch bei uns, es klappt nicht immer alles so, wie es die moralische Elite möchte. Aber die aussage
>> ... moralisch "verdrecktes" Land,
... ist starker Tobak. Ich erinnere nur an die diversen Frisch-Fleichskandale bei ...auch in Bayern. Deswegen sind auch wir nicht alle moralisch verdorben, auch wenn es das Fleisch ist.
StefanAugsburg (09.01.2008, 08:51 Uhr)
Italien und EU ... ha ha ha
Was für ein verkommenes und moralisch "verdrecktes" Land, und das mitten in Europa - diese Bananenrepublik !
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