. .
Politik im Ausland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
8. Februar 2009, 15:04 Uhr

Schmusekurs mit harten Wahrheiten

Vorsicht Kuschel-Falle! Mit seinem schönsten Lächeln hat US-Vizepräsident Joe Biden auf der Münchner Sicherheitskonferenz die Nato-Partner umgarnt. "Wir werden zuhören", sagte er und sprach vom "Projekt Erneuerung". Doch klar wurde auch: Die USA wollen für ihren neuen Kurs handfeste Gegenleistungen. Von Katja Gloger, München

Münchner Sicherheitskonferenz, Sicherheitskonferenz, Joe Biden, Biden, Barack Obama

Das Lächeln täuscht: US-Vizepräsident Joe Biden hatte auch unangenehme Botsachaften im Gepäck© Oliver Lang/DDP

Ein bisschen Dramatik musste schon dabei sein, ein bisschen Spannung, ordentlich Geklimper auf der "Change"-Tastatur. Noch in Washington ging es los. "Bleibt dran! Es wird dramatisch", raunte ein hochrangiger Mann im Weißen Haus verschwörerisch über den Inhalt der Grundsatzrede.

Der Vizepräsident selbst wurde zum Polit-Poeten: "Alles hat sich verändert", zitierte er ahnungsvoll noch vor seiner Abreise den irischen Dichter William Yeats. "Vollkommen verändert. Und eine schreckliche Schönheit ward geboren." Dann lachte Joe Biden sein schönstes Zahnpastalachen, bestieg seine Air Force Two und machte sich auf den Weg nach München, um auf dieser hochkarätig besetzten Sicherheitskonferenz mal eben eine Zeitenwende einzuläuten. "Projekt Erneuerung" nennt er das - schon ganz auf Obama-Sprech gepolt. Oder, für die You-Tube-Generation: "Wir wollen den Knopf für den Neustart drücken."

Es war höchste Zeit für den präsidialen Antrittsbesuch. Denn im guten alten Europa war man schon ganz zappelig. Natürlich hatte man aufmerksam registriert, dass Obama noch keinen europäischen Amtskollegen empfangen hat - auch wenn sich Nicholas Sarkozy noch so bemühte. Das Wort "Europäische Union" kam in Obamas Amtseinführungsrede erst gar nicht vor. Sein allererstes TV- Interview als Präsident gab er ... wem? Dem arabischen Sender al-Arabiya. Und er war schon geschlagene drei Tage im Amt, bevor er zum ersten Mal mit einem Mann auf der anderen Seite des Atlantiks telefonierte - mit dem britischen Premier Gordon Brown. Ist diesem Mann Europa weniger wichtig als etwa China?

Umso mehr Symbolkraft sollte dieses Münchener Wochenende haben. Barack Obama schickte seinen Stellvertreter höchstpersönlich nach Europa, auf die erste Auslandsreise nach der Wahl. Eine Grundsatzrede, eine Positionsbestimmung, ein geläutertes Amerika wolle sich vorstellen. Und dann stand er da, Joe Biden, wie immer mit gebräuntem Gesicht, strahlendem Lächeln und weißem Einstecktuch im feinen Jackett und sagte: "Wir wollen es richtig machen. Amerika braucht Ihre Hilfe. Wir werden zuhören. Wir werden auf andere zugehen. Wir werden uns beraten."

Und wirklich: an diesem Wochenende wurden so viel Hände ausgestreckt, Partnerschaften zelebriert, gemeinsame Werte beschworen, dass einem nahezu schwindelig werden konnte. Einen Moment schien es, als ob die vergangenen Jahre nur ein Spuk gewesen seien. Hatte hier nicht ein gewisser Donald Rumsfeld das alte Europa schon auf dem Abfallhaufen der Geschichte gewähnt? Hatte hier nicht Wladimir Putin seinen wohlkalkulierten Wutausbruch bekommen, als er vor Amerikas Dominanz warnte? Hatte man hier nicht über Anti-Amerikanismus diskutiert, der das transatlantische Klima möglicherweise über Jahrzehnte vergiften werde? Doch so sehr wie am vergangenen Wochenende, schien es, wollte man sich seit Jahren nicht mehr vertragen.

Der neue Konferenzchef Wolfgang Ischinger konnte seinen Stolz kaum verhehlen. Mit Geduld, Charme und feinem Druck will der langjährige Botschafter in Washington die eher dröge ehemalige Wehrkundetagung in ein glitzerndes Forum für Sicherheitspolitik verwandeln. Und besser konnte es kaum laufen - auf den ersten Blick zumindest.

Da verkündete die kluge US-Kongressabgeordnete und Abrüstungsexpertin Ellen Tauscher, man müsse das umstrittene Raketenabwehrsystem MDI überhaupt erst einmal anständig testen. Damit signalisierte sie einen möglichen Kompromiss mit Moskau: das heikle Thema der Raketenabwehr soll möglichst auf Eis gelegt werden. Jetzt ist von neuer Abrüstung die Rede, von möglicher weiterer Reduzierung der strategischen Atomwaffen, von einem neuen Verhältnis zu Russland gar. Da wurde selbst der ehemalige KGB-Agent und Beinahe-Präsident Sergej Iwanow, der normalerweise so wunderbar böse gucken muss, ganz freundlicher Staatsmann, der sich vorstellen kann, auf die Stationierung russischer Kurzstreckenraketen an der Ostsee zu verzichten.

  zurück
1 2
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
vegefranz (09.02.2009, 09:23 Uhr)
@gmathol: Du als Araber hast da natürlich eine andere Sichtweise, aber ...
,,, es wird einmal als der grösste aussenpolitische Fehler von Bush in die Geschichte eingehen, dass er nicht in den Iran weitermarschiert ist. Über den Medien-Hype Obama lachen sich die Mullahs nur schlapp
gmathol (09.02.2009, 01:43 Uhr)
Der Polit Clown Biden wird eh nicht ernst genommen.
Forderungen wie: uebernehmt die Gefangenen die wir folterten damit die uns nicht verklagen koennen, helft uns mehr beim Toeten der afghanischen Bevoelkerung und die Agressionen die Biden an die Staaten Iran und Russland richtete zeigen das Biden nichts anderes als den US Groessenwahn und Terrorismus transportiert.
@vegefranz - Atom-Raketen und Iran, da haben Sie mal wieder was verwechselt die Besitzer von Atom Raketen sind USA, Israel und andere Staaten - Iran gehoert nicht dazu und entwickelt auch nicht solche.
Vergessen Sie auch bitte nicht sich wieder beim Ami fuer die Bombardierung Deutschlands zu bedanken.
n8g8 (08.02.2009, 23:09 Uhr)
Waffenlobby-Konferenz
Dieses Treffen sollte man nur unter dem Blickwinkel seiner ursprünglichen Sponsoren, der Waffenlobby und ihrer Kriegstreiber, betrachten.
Damit meine ich freilich nicht die Steuerzahler, die für die hhorrenden Kosten der Sicherheitsvorkehrungen der widerlich abgehobenen, bornieren Gesellschaft blechen müssen und ihre Kriege, natürlich.
Ihren Angestellten schreibe ich nur: NIEMAND ZWINGT EUCH FÜR DIEHL TRETMINEN ZUSAMMEN ZUSCHRAUBEN. Wenn Ihr - wegen Hartz IV - nicht auf Euer Gewissen hören könnt, verlangt diese Ignoranz nicht vom Rest der mehrheitlich friedliebenden Bevölkerung. PEACE!!!!!!!!!!!
Georges13437 (08.02.2009, 20:54 Uhr)
Es wird sein wie immer.
Die Untertanen werden sich verhalten wie sie es gewohnt sind, sie werden üntertänigst folgen. Sie tun zwar, als hätten sie Selbstbewußtsein, wer aber Merkel und Specksteinmeier kennt, weiß wie substanzlos ihr Gehabe ist. Ich persönlich find deren Verhalten sehr abstößig. Dieses Empfinden ist subjektiv, denn ich weiß, dass viele anders empfinden.
Georges
vegefranz (08.02.2009, 15:59 Uhr)
Gloger stellt die richtige Frage: Bush hat die Iraner nicht an den Atom-Raketenplänen gehindert
der Medien-Hype Obama wird das erst recht nicht. UND DANN???
MEHR ZUM ARTIKEL
Münchner Sicherheitskonferenz Karsai verliert Vertrauen im Westen

Am letzten Tag der Münchner Sicherheitskonferenz steht Afghanistan im Mittelpunkt der Gespräche. Denn trotz starker militärischen Präsenz der Nato-Verbündeten kommt das Land am Hindukusch nicht zur Ruhe. Im Gegenteil: Gewalt und Drogenhandel nehmen zu - und Präsident Karsai verliert an Vertrauen. mehr...

Münchner Sicherheitskonferenz Biden: "Wir brauchen Ihre Hilfe"

Warme Worte für die Verbündeten: Mit herzlichen Versprechen für eine bessere Zusammenarbeit hat US-Vizepräsident Joe Biden die Nato-Partner auf der Sicherheitskonferenz umgarnt. Allerdings hatte Biden auch handfeste Bitten: Beispielsweise sollen die Verbündeten Guantánamo-Häftlinge in ihren Ländern aufnehmen. mehr...

Münchner Sicherheitskonferenz "Nagelprobe" für globale Zusammenarbeit

Anlässlich der Münchner Sicherheitskonferenz gab es unterschiedliche Standpunkte zu einer stärkeren Zusammenarbeit von EU und Nato: Während Nato-Generalsekretär de Hoop Scheffer eine gerechtere Lastenverteilung forderte, sprach sich Kanzlerin Merkel für eine neue Strategie aus. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe