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28. November 2008, 13:53 Uhr

Das neue Gesicht des globalen Terrors

Der internationale Terror hat ein neues Gesicht: In Mumbai war er bartlos und sah aus wie der Student von nebenan. Smarte Stadtguerilleros mit einer schicken Armbanduhr und gleichzeitig einer AK-47 im Anschlag. Vor der neuen Terroristen-Generation ist niemand sicher. Und ihr Zorn bedroht auch die globale Wirtschaft. Von Swantje Strieder, Mumbai

Terror, Bombay, Mumbai, jüdisches Zentrum, Bomben, Islamismus

Einer der Attentäter, aufgenommen auf einem Überwachungsvideo

Energische junge Männer, würde man sie unter anderen Umständen nennen: gut ausgebildet, zielgerichtet, glattrasiert. Man könnte sie sich vielleicht als Assistenten eines globalen Bankvorstandes vorstellen, als Nachwuchstalente in Bollywood, Sparte Action oder als IT-Ingenieure. Leider sind die 20, 30 Yuppies mit dem trendy T-Shirt und Studenten-Rucksack, die heimlich nachts per Schiff aus Pakistan anreisten und die indische Mega-Stadt Mumbai in ein Kriegsgebiet mit mehr als 137 Opfern verwandelt haben, irgendwann auf die falsche Seite gewechselt. Sollten sie je auf der richtigen gewesen sein.

In einer globalisierten Welt setzen Terrornetzwerke wie al Kaida oder der pakistanische Geheimdienst ISI eben nicht mehr auf bärtige Talibankrieger in den Bergen von Afghanistan, sondern auf ein neues, modernes Brutalo-Format: Smarte junge Stadtguerilleros mit der AK-47 und einer schicken Armbanduhr am Handgelenk. In Mumbai haben die bis dato völlig unbekannten "Deccan Mudjaheddin" eine neue Qualität des Terrorismus eingeführt: eins, zwei, drei, viele Vietnams, wie der Vater der linken Weltrevolution Ho Tschi Minh einst sagte. Zehn Brennpunkte in Mumbais City auf einen Schlag: zuerst ein Blutbad am historischen Hauptbahnhof Victoria Station, dann die Besetzung von zwei Luxushotels mit über tausend Geiseln, en passant Handgranaten in ein Kino, in ein Touristencafé, dann die Erstürmung eines jüdischen Gemeindezentrums, und, fast unspektakulär, eine Bombe im Taxi auf dem Weg zum Flughafen, ein kleiner Anschlag auf ein Hafendock, eine Tankstelle: Dschihad - global und gnadenlos.

In Mumbai wußte man spätestens seit September, dass die Finanz- und Filmmetropole auf der Hitliste des islamischen Terrorismus stand. Eigentlich sprechen Inder nicht gerne über Terror im eignen Land, sondern lieber über die aufstrebende Wirtschaftsmacht, den neuen Schachweltmeister und die jüngst gestartete Rakete zum Mond. Tatsache aber ist, dass es in der größten Demokratie, 1947 von Mahatma Gandhi im Namen der Gewaltlosigkeit gegründet, selten friedlich zuging. Besonders im vergangenen Jahr: Im Mai explodierten in der Touristenstadt Jaipur die ersten sechs Bomben, von Kurieren auf dem Fahrrad unauffällig in das Marktgetümmel geschoben. 80 Menschen starben. Danach gab es hintereinander in drei indischen Städten, Ahmedabad, Surat und Chennai, Attentate. Anfang September war schließlich die Hauptstadt Neu Dehli dran - über 300 Opfer im ganzen Land. "Es gehört nicht viel Fantasie dazu, um zu kapieren, dass wir in Mumbai das nächste Ziel sind", sagt Israr Khan, Mumbaier Taxifahrer. Er ist gemäßigter Muslim und hat mit den Extremisten keinerlei Sympathie. Zumal er weiß, dass jedes Attentat blutige Rache auf der anderen Seite auszulösen pflegt. Wie 1993 in Mumbai, als der Hindu-Mob nach dem islamistischen Bombenattentat auf die Börse tausende von völlig unbeteiligten Muslimen tötete.

Doch bisher bestand der Terrorismus indischer Prägung meist aus eher harmlosen Informatik-Studenten, die sich bei ebenso harmlosen Bürgern in die Internet-Accounts einloggten, Bomben aus Ammoniumnitrat, in Indiens Landwirtschaft leicht zu beschaffen, bastelten und die Explosivkörper auf altertümlichen Fahrrädern auf den nächstbesten Wochenmarkt schoben. Lokaler indischer Terrorismus in den Kinderschuhen. Die Terroristen von Mumbai, wo immer sie herkamen, aber hatten ganz andere Ziele und Mittel: Symbolträchtige Luxushotels zu kapern, wo viele westliche Touristen verkehren, Geiseln zu nehmen - und sich auf einen langen, grausamen Stand off einzurichten, bei dem die ganze Welt den Atem anhält. Mumbai erlebte seinen 11.September an diesem 26. November.

Das "Ausland" ist Pakistan

Wenn der indischer Ministerpräsident Manmohan Singh das "Ausland" für die blutigen Tage von Mumbai verantwortlich macht, dann meint er damit expressis verbis den Nachbarn Pakistan und vor allem dessen undurchsichtigen Geheimdienst ISI. Seit der Teilung 1947 haben Indien und Pakistan drei Kriege ausgefochten, der ungelöste Kaschmirkonflikt schmerzt wie eine Wunde, die von Nationalisten beider Seiten ständig aufgekratzt wird. Die neue Terrormasche von Mumbai erinnere verdächtig an die Taktik der in Pakistan stationierten Elite-Kämpfergruppe "Lashkar e Tayyeba", die ein von Indien unabhängiges Kaschmir freischießen will, sagen indische Geheimdienstler. Der schwere Anschlag der islamistischen Terroristen auf das Marriott-Hotel zur pakistanischen Parlamentseröffnung im September in Islamabad und der Bombenanschlag auf das Serbena-Hotel in Kabul trügen die gleiche Handschrift. Amerikanische Agenten sehen die Attentäter von Mumbai dagegen als Ableger von al Kaida.

Wer immer die Drahtzieher hinter den eiskalten jungen Terroristen sein mögen: Vor ihrem diffusen, mörderischen Zorn ist zukünftig nicht einmal mehr die Bar im Fünf-Sterne-Hotel sicher. Und die angeschlagene Global Economy wird ihr globaler Terror noch mehr gefährden.

Terror, Bombay, Mumbai, jüdisches Zentrum, Bomben, Islamismus

Von Swantje Strieder, Mumbai
 
 
KOMMENTARE (10 von 57)
 
gormiti (01.12.2008, 12:28 Uhr)
Wer wirft die Bombe
Schäubles denken ist altmodisch wie das Mittelalter. Was soll es einen Selbstmordattentäter eigentlich ausmachen, wenn man ihn filmt?
Das Attentat wird nicht verhindert und man weiß wie der Mensch aussah der sich da hochsprengte. Es wird nicht verstanden. Prophylaxe sieht anders aus.
Die Freiheit stirbt, mit Sicherheit!
Das sollten wir gesehen haben. Seine Truppen irgendwo in der Welt einmarschieren lassen und Leute töten. Das provoziert Rache! Überall in der Welt, siehe USA.
vegefranz (30.11.2008, 13:24 Uhr)
Schäuble hat Recht: Die Regierung muss alles tun, damit Massaker wie dieses nicht auch in Deutschland passieren
Islamisten-massaker kann es täglich auch in deutschland gebe. Schäuble hat also Recht: Die Regierung muss alles tun, damit Massaker wie dieses nicht auch in Deutschland passieren. Bedenkenträger gibt es immer- letztlich hat niemand etwas zu befürchten, der nichts zu verbergen hat
deholgi (30.11.2008, 11:20 Uhr)
@h-p-t
Und ich kann das Totschlagargument "Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten" auch nicht mehr hören. Wenn Sie nichts zu verbergen haben, dann raus mit den Infos: Name, Vorname, Kontonummer, sex. Vorlieben, Name der Geliebten, Pincode fürs Onlinebanking usw.
-
Jeder hat Dinge zu verbergen, und es ist mir egal, ob man diese Dinge vor Gericht gebrauchen kann oder nicht. Es geht schlicht weg KEINEM etwas an.
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Hier ein paar Links, die eine andere Sprache sprechen.
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http://www.heise.de/newsticker/foren/S-meine-Email-an-Peter-Struck-zur-Onlinedurchsuchung/forum-129638/msg-14151866/read/
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http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,524711,00.html
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Und noch ein schönes Zitat von einer echten Persönlichkeit.
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... Die leiden unter zwei psychischen Krankheiten: Die eine Krankheit
beruht darauf, dass sie für das, was sie tatsächlich leisten, niemals
öffentliche Anerkennung bekommen. Es ist unvermeidlich so, sie müssen
ja im Verborgenen arbeiten. Das deformiert die Seele. Die andere
Krankheit beruht darauf, dass sie tendenziell dazu neigen, zu
glauben, sie verstünden die nationalen Interessen des eigenen Landes
viel besser als die eigene Regierung. Diese letztere Krankheit ist
der Grund dafür, dass ich ihnen nicht traue. Ich war 13 Jahre lang
Mitglied einer Bundesregierung. Ein einziges Mal habe ich den Chef
des BND für zehn Minuten empfangen; das war einer, den ich kannte."
(Helmut Schmidt zu Geheimdiensten)
-
Holgi
hamburg123 (29.11.2008, 21:08 Uhr)
@manesse
Ja da haben sie völlig recht.
manesse (29.11.2008, 19:49 Uhr)
@hamburg123
In Antwort auf Ihre Frage: Ich bin der Meinung, dass zur Zeit nur die Kirche eine Chance hat, muslimische Führungspersonen dafür zu gewinnen, die muslimischen Gläubigen auf das Postulat der Gewaltlosigkeit einzuschwören. Erst wenn weltweit Fatwas gegen Terroristen und ihre Sympathisanten verhängt werden, erst wenn terroristische Muslime und ihre Anhänger aus der religiösen Gemeinschaft ausgeschlossen werden und solchen Leuten ihr Muslimsein abgesprochen wird, wird man vom Islam als einer Friedensreligion sprechen können.
manesse (29.11.2008, 19:40 Uhr)
@muemmelfrau
Genau diese Frage wollte ich lazarus06 auch stellen. Mir zumindest ist nämlich bislang nichts aufgefallen, was meine Freiheiten eingeschränkt hätte. Lediglich die Kontrollen auf den Flughäfen nerven mich, ebenso das Verbot von Flüssigkeiten im Handgepäck. Aber diesen Ärger haben wir nun wirklich nicht unserer Polizei oder dem Herrn Schäuble zu verdanken, viel mehr haben uns das muslimische Terroristen eingebrockt.
h-p-t (29.11.2008, 18:49 Uhr)
ich kann es ja fast nicht mehr hören...
..sollen se doch ihre shows abziehen, hat es jemanden von euch getroffen ? ich würde dem ganzen sch... nicht soviel bedeutung zumessen.
macht euch gedanken wenn in d die ersten bomben hochgehen...
und das mit der ausländerproblematik in deutschland kann man auch nicht mehr hören, menschen die sich integrieren ( zumindest straffrei bleiben ) sollen doch hier leben können, wogegen verbrecher bestraft werden müssen ( und ausländer eben abgeschoben..) für integration dürfte es eh schon zu spät sein.
es ist nicht das problem das in deutschland moscheen gebaut werden, vielmehr ist es das problem das in der türkei keine kirchen gebaut werden. dafür kann aber der hier lebende türke (..der ab und an sogar auf meine kinder aufpasst) nichts...
und ihr mit eurer "der staat will nur schlechtes von mir"- phobie, es gibt genügend möglichkeiten jemanden bei verdacht auszuspionieren, und ? wird es in D übertrieben? , nein, so einfach geht es nicht, genauso wird es mit dem online spähen" passieren.
euere "aua" und "auweia" kommentationen sind hier fehl am platz, denn zum einen gibt es viele ( mich inklusive ) die "nichts zu verbergen" haben , und deshalb auch nicht unter diese massnahme fallen
( mein privates tagebuch interessiert einen richter absolut gar nicht, denn meine sexpraktiken ( z.b.)haben keinen wert um dieses vor gericht zu verwerten, ( desweiteren steht er unter schweigepflicht ), zum anderen ist es mir auch recht wenn sie auch nur ein perverses schwein dadurch fassen können.
das beste daran ist ja, das die nächste wahl sicher entscheidend ist für die weitere richtung, da sehe ich die meisten "revoluzer" schon auswandern, denn die spd wird sicherlich eines ihrer schlechtesten ergebnisse erzielen.
und dadurch wird schäuble ( der ja auch mächtig rückenwind von der kanzlerin hat ) auch profetieren.
seht euch nicht so oft "fletchers visionen" an.
muemmelfrau (29.11.2008, 18:20 Uhr)
@lazarus06
welche "einschränkungen der persönlichen freiheit" haben sie/wir denn schon hinnehmen müssen ??
lazarus06 (29.11.2008, 17:21 Uhr)
Wiedermal lenkt der " Terror " von den wirklich interessanten Geschehnissen ab... welch eine Überraschung
Wie 9/11 wird auch dieser " Terror " wieder Folgen für die Normalbevölkerung weltweit haben. Was haben wir an Einschränkungen der Persönlichen Freiheit schon hinnehmen müssen...mehr wird folgen warten wirs ab.
Einzig für Kapital und Wirtschaft wirken sich die Ereignisse Gewinnbringend aus .. Wo ist die Achse des Bösen nun ? Wohin wird der Friede nun Gewinnträchtig gebracht ?
hamburg123 (29.11.2008, 13:55 Uhr)
@manesse
Sie sprechen von "Gewaltfreiheit"? Was meinen sie damit in diesem Zusammenhang?
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