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Die "Greatest Hits" von Guantanamo

Es ist eine Hitparade des Grauens, die "Greatest Hits von Guantanamo": Metallica, Bruce Springsteen, Eminem und der Titelsong der "Sesamstraße". In diesem Fall macht nicht die Mischung das Grauen aus, sondern die Lautstärke. Diese und viele weitere Songs setzen Verhörexperten der US-Streitkräfte als Folter unter anderem im Gefangenenlager Guantanamo ein.

Musik als Folter – was zunächst wie ein Witz klingt, hat Ruhal Ahmed selbst aushalten müssen. Er hat zweieinhalb Jahre ohne offizielle Anklage im amerikanischen Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba gesessen. Er sagt, wie aus Musik Qual wird. Die Folter dauert Stunden, oft sogar Tage. "Du kannst dich nicht mehr konzentrieren, du glaubst, du wirst verrückt", beschreibt der Ex-Häftling.

Und genau das ist auch das Ziel der Methode: den Willen zu brechen. Um die Häftlinge unter Druck zu setzen, wird gern stressvolle Musik genommen, beispielsweise Rap, Heavy Metal oder Death Metal. Die "Hitliste" der Folterer ist lang: "Hells Bells" und "Shoot to Thrill" von AC/DC, "Enter Sandman" von Metallica, "White America" von Eminem.

Aber auch Britney Spears, Christina Aguilera, Neil Diamond oder der Titelsong der "Sesamstraße" sind dazu geeignet, Inhaftierte in den Wahnsinn zu treiben - und das ist in diesem Fall wörtlich gemeint. "Laut abgespielt, löst solche Musik einen Adrenalinschub aus, der Mensch findet keine Ruhe mehr", erklärt Christine Schoenmakers von Amnesty International. Kombiniert mit ständigem Schlafentzug und taghellem Licht sind die Menschen "letztlich traumatisiert", sagt die Expertin.

Ruhal Ahmed hat die Tortur überstanden – und lebt heute bei Birmingham. Doch auch diejenigen, deren Musik als Folter missbraucht wird, sind damit nicht mehr länger einverstanden. Zusammen mit der Menschenrechtsorganisation "Reprieve" kämpfen Musiker wie David Gray gegen Missbrauch ihrer Kunstwerke. Ausgerechnet Grays eher sanftes Lied "Babylon" wurde auch zur Folter eingesetzt.

Die Organisation will Künstler dazu ermutigen, entsprechende Klauseln in ihre Verträge aufzunehmen und sich öffentlich gegen Musikfolter auszusprechen. "Wir sprechen hier von Menschen, die in dunklen Räumen gefangen sind, mit Handschellen gefesselt, mit Säcken über ihren Köpfen und Musik, die auf sie einhämmert." Um welche Art von Musik es sich handele, sei egal, so Gray. "Es ist Folter."

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