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Wieso gehen Buddhisten so brutal gegen Muslime vor?

Mehr als 400.000 muslimische Rohingya sind aus Myanmar geflüchtet. Vertrieben vom Militär. Warum eskaliert der Konflikt mit der Minderheit immer wieder und welche Rolle spielt der "Hitler Burmas"? Vier Fragen und Antworten.

Was passiert gerade in Myanmar?

Seit Ende August geht das Militär in der Unruheregion Rakhine massiv gegen die muslimische Minderheit der Rohingya vor. Rund 400.000 von ihnen, mehr als ein Drittel, ist ins benachbarte Bangladesch geflohen. Laut den Vereinten Nationen gibt es Satellitenbilder, die angeblich zeigen, wie Rohingya-Dörfer niedergebrannt und fliehende Zivilisten erschossen würden. Die Vertreibung der Minderheit sehe aus "wie ein Paradebeispiel für ethnische Säuberungen", sagte der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Said Raad al Hussein.

Was war Anlass für den Gewaltausbruch?

Die jüngste Gewaltwelle hatte am 25. August mit Angriffen der muslimischen Rebellen auf Polizei- und Militärposten in begonnen. Dabei waren rund 80 Menschen ums Leben gekommen. Myanmars Armee reagierte auf die Attacke nach eigenen Angaben mit Razzien und "Räumungsoperationen".

Wer sind die Rohingya?

Die muslimischen Rohingya im Nordwesten Myanmars gelten laut der UN als eine der am meisten verfolgten Minderheiten der Welt. Weite Teile der buddhistischen Mehrheit im Land betrachten sie als illegale, staatenlose Einwanderer aus Bangladesch, obwohl viele der Rohingya schon seit Generationen in Myanmar leben. Aung Sang Suu Kyi, de-facto-Regierungschefin, sprach nach den Angriffen von Ende August von "bengalischen Terroristen". Bereits seit 1948 kommt es immer wieder zu militärischen Einsätzen gegen die . 1982 wurde ihnen die Staatsbürgerschaft aberkannt. Seitdem sind sie staatenlos und haben fast keine Rechte. In jüngerer Vergangenheit gab es mehrfach größere Flüchtlingswellen. Nach hartem Vorgehen der Militärregierung gegen sie flohen 1978 schätzungsweise 200.000 und 1991 noch einmal 250.000 Rohingya nach 

Welche Rolle spielen die Buddhisten in Myanmar?

Das Klischee des gewaltfreien Buddhismus hält sich im Westen hartnäckig. Doch ein Blick in die Geschichte zeigt, dass auch die angeblich friedliebenden Anhänger dieser Religion regelmäßig Krieg führen oder ihre Interessen zumindest unerbittlich durchsetzen. So hatten mongolische Herrscher im 16. Jahrhundert mit rabiaten Mitteln versucht, den Buddhismus in der Mongolei einzuführen. Buddhistische Mönche aus China nahmen am Korea-Krieg teil und in Sri Lanka ging erst 2009 ein jahrzehntelanger Bürgerkrieg zwischen buddhistischen Singhalesen und hinduistischen Tamilen zu Ende. Seit 2011, als die Militärdiktatur in Myanmar die Macht (teilweise) an gewählte Politiker übergab, schüren buddhistische Mönche Feindseligkeit gegen die Minderheit. Im Zentrum steht dabei der Mönch Ashin Wirathu, der wegen seiner Hasspredigten auf Muslime der "Hitler " genannt wird. Er ist Führer der rassistischen Gruppe "969", eine Art buddhistische Neonazi-Bewegung.

Wie geht es weiter in dem Konflikt?

Kurzfristig könnte wieder Ruhe in der Unruheprovinz einkehren. Vor einigen Tagen haben die die Rohingya-Rebellen einen einseitigen Waffenstillstand ausgerufen. Eine humanitäre Feuerpause, die einen Monat lang gelten soll. Zuvor hatte die Regierung Myanmars erstmals humanitäre und medizinische Hilfen für die Muslime in Aussicht gestellt. Auch der internationale Druck und die Bereitschaft von Aung San Suu Kyi ausländische Beobachter ins Land zu lassen, dürfte für eine Beruhigung sorgen. Mittel- und langfristig aber wird sich an der grundsätzlichen Situation der Rohingya nicht viel ändern. Die breite Mehrheit der Myanmarer teilt die Ansicht der Militärs, dass die Muslime Eindringlinge aus Bangladesch sind und den Buddhisten Land und Ressourcen wegnehmen. Solange sich diese Meinung nicht ändert, wird es wohl immer wieder zu blutigen Konflikten kommen. 

PS. Heißt es eigentlich Myanmar, Burma oder Birma?

Das südostasiatische Land am Indischen Ozean wird unterschiedlich benannt. Im deutschen Sprachraum war bis Ende der 80er Jahre die Bezeichnung Birma üblich, im Englischen heißt die ehemalige britische Kolonie Burma. Seit Juni 1989 lautet der offizielle Name Union Myanmar. Myanmar ist bei den Bewohnern seit vielen Jahrhunderten die gängige (Schrift-)Bezeichnung für das Land, in der gesprochenen Sprache ist daraus "Bama" geworden, woraus die frühere Kolonialmacht Großbritannien Burma gemacht hat.


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