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19. Mai 2008, 09:00 Uhr

Geberkonferenz tagt am Sonntag

Gut zwei Wochen nach dem schlimmen Zyklon "Nargis" soll die Hilfe für die Opfer in Myanmar jetzt endlich international koordiniert werden. Am Sonntag tagt dazu eine Geberkonferenz in Rangun. Allerdings wollen die Militärs bislang nur Helfer aus benachbarten Staaten ins Land lassen.

Während die Menschen im Irrawaddy-Delta ums Überleben kämpfen, haben die Generäle jetzt Staatstrauer angeordnet© EPA/DPA

Die internationale Geberkonferenz für Myanmar wird am Sonntag in der vom Wirbelsturm "Nargis" schwer beschädigten Hafenmetropole Rangun abgehalten. Das gaben UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und die südostasiatische Staatengemeinschaft (Asean) in New York bekannt. Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen seien eingeladen, an der Konferenz auf Ministerebene teilzunehmen, heißt es in der gemeinsamen Erklärung.

Die Konferenz werde sich auf die Bedürfnisse der Menschen konzentrieren, die von dem Zyklon betroffen sind und um finanzielle Unterstützung für internationale Hilfsmaßnahmen bitten. Dabei gehe es sowohl um die aktuell notwendigsten Hilfsgüter als auch um den langfristigen Wiederaufbau der zerstörten Dörfer. "Wir rufen die internationale Gemeinschaft auf, ihre Solidarität und Sympathie für die Menschen in Myanmar durch konkrete Maßnahmen zu zeigen, damit sie nach der Tragödie ihr Leben wieder aufbauen können", so die Erklärung.

Die Verhandlungen über Hilfe für die mehr als zwei Millionen Überlebenden des verheerenden Zyklons laufen weiter. Nach Angaben Singapurs lässt die Junta weitere Helfer aus Südostasien ins Land und ist bereit, für Sonntag eine Geberkonferenz in Rangun zu organisieren. Einer umfassenden Hilfe aus dem Ausland verweigern sich die Militärs aber weiter.

Als Erfolg wertete Singapurs Außenminister George Yeo die Beratungen der zehn Asean-Staaten über Hilfen für die Katastrophenopfer. Künftig dürften die Asean-Staaten die ausländische Hilfe koordinieren, sagte Yeo während des Treffens in Singapur, an dem auch Myanmars Außenminister Nyan Win teilnahm.

Frage nicht politisieren

Das Zugeständnis bleibt aber weitgehend auf medizinisches Personal aus den Asean-Staaten beschränkt. Der Staatenbund werde insgesamt etwa 300 Helfer entsenden, die sich frei bewegen dürften, erklärte Yeo nach der Krisensitzung.

Internationale Experten dürften weiterhin nur von Fall zu Fall einreisen, sagte Yeo weiter. "Wir müssen uns an dem speziellen Bedarf ausrichten - es wird keinen unkontrollierten Zugang geben." Die Gemeinschaft forderte ihr Mitglied Myanmar zwar auf, mehr Helfer ins Katastrophengebiet im Irrawaddy-Delta zu lassen. Zugleich mahnte sie aber, die Frage dürfe nicht politisiert werden.

Dafür hat die Militärregierung eine dreitägige Staatstrauer für die Opfer angekündigt. Diese werde am Dienstag beginnen, wie im staatlichen Fernsehen bekanntgegeben wurde. Im ganzen Land würden die Flaggen dann auf Halbmast gesetzt. Eine ähnliche Staatstrauer begann in China am Montag für die Erdbebenopfer in der Provinz Sichuan.

Schiffe kreuzen vor der Küste

Alles andere blieb vage. "Die Außenminister haben sich darauf geeinigt, einen Koordinierungsmechanismus einzurichten", teilte Yeo mit. Myanmar richte eine Koordinierungseinrichtung ein, Asean eine Arbeitsgruppe.

Wann die Bürokratie steht, um die dringend benötigte Hilfe zu den mehr als zwei Millionen Bedürftigen durchzulassen, blieb unklar. Vor der Küste Myanmars kreuzen amerikanische, französische und britische Schiffe mit tausenden Tonnen Hilfsgütern und Ärzteteams. Sie könnten die Hilfebedürftigen innerhalb einer halben Stunde mit dem Hubschrauber erreichen. Ob und wann die Junta ihre Hilfe akzeptiert, ist nach wie vor unklar. Birma geht offiziell von mehr als 130.000 Toten und Vermissten aus und Schäden von weit über 6,4 Milliarden Euro.

Noch keine Termine für Ban Ki Moon

Das Katastrophengebiet von der Größe Österreichs ist nach wie vor für ausländische Helfer gesperrt. Hunderttausende Menschen leben dort nach Angaben von Hilfsorganisationen noch unter freiem Himmel und ohne ausreichend Nahrung und medizinische Versorgung. Zehntausende Kinder, die schon vor dem Sturm unterernährt waren, drohen zu verhungern. Die Regierung hat in einigen Regionen Zelte aufgebaut und verteilt Reis.

Der bislang ranghöchste UN-Diplomat in Rangun, Nothilfekoordinator John Holmes, durfte das Katastrophengebiet mit dem Hubschrauber überfliegen. Nach Angaben der Vereinten Nationen in Bangkok wartete er in Rangun anschließend auf Termine bei Regierungsmitgliedern. Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, der am Mittwoch nach Myanmar reisen wird, hat nach Angaben der Vereinten Nationen noch keine Zusage für ein Gespräch mit Juntachef Than Shwe. "Wir wissen (noch) nicht, wen er treffen wird", sagte Amanda Pitt, Sprecherin des UN-Büros für humanitäre Angelegenheiten. Zwei Briefe von Ban und Anrufe hat Than Shwe nicht beantwortet.

Das Rote Kreuz kündigte eine massive Ausweitung seiner Hilfsflüge nach Birma an. Mit seinen mehr als 10.000 freiwilligen Mitarbeitern in Myanmar ist es eine der wenigen Hilfsorganisationen, die Güter selbst ungehindert im Katastrophengebiet verteilen kann. Die Föderation der Rotkreuzgesellschaften charterte fünf Maschinen, die diese Woche jeweils 40 Tonnen Hilfsgüter nach Rangun fliegen sollen, sagte Logistikchef Igor Dmitryuk in Kuala Lumpur.

Der französische Außenminister Bernard Kouchner kritisierte die für diesen Sonntag geplante Geberkonferenz scharf, sagte aber die Beteiligung Frankreichs zu. "Notwendig ist Hilfe von Hand zu Hand und von Herz zu Herz, keine Geberkonferenz mit katzbuckelnden Spendern", sagte Kouchner, der Gründer der Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen", dem Radiosender Europe1.

Kritik an Asean

Trotz der einberufenen Konferenz steht die Asean wegen ihres Verhaltens in der Kritik. Im Gegensatz zu den meisten westlichen Staaten hielten sich die südostasiatischen Staaten bisher mit Kritik an der Militärjunta zurück. Der Asean gehören neben Myanmar und Thailand auch Malaysia, Indonesien, die Philippinen, Singapur, Brunei, Laos, Vietnam und Kambodscha an. Nach den Statuten muss jede Entscheidung im Konsens getroffen werden.

Die einzige Möglichkeit zur Vermeidung einer humanitären Katastrophe im Irrawaddy-Delta sieht der kambodschanische Politiker Son Chhay in der Entsendung von Truppen der EU und der USA unter Führung der Vereinten Nationen, die Hilfsgüter ins Land zu bringen. "Asean, das aus autoritären, sozialistischen sowie aus schwachen demokratischen Regierungen besteht, wird es nicht wagen, eine Entscheidung zu treffen, die mehr ist als eine freundliche Bitte an die Junta", sagt Son Chha, Viezpräsident des "Asean Inter-Parliamentary Myanmar Caucus" (AIMPC), einem Zusammenschluss von Myanmar-kritischen Abgeordneten aus Asean-Staaten. Die AIMPC hat klare Vorstellungen davon, wie die Asean-Staaten mit Myanmar umgehen sollten. "Die Suspendierung der Mitgliedschaft Myamars wäre ein guter Anfang", sagt Chhay.

Sean Turnell, Wirtschaftswissenschaftler und Myanmarexperte von der australischen Macquarie-Universität, zeigt sich verhalten optimisch, dass die Initiative von Asean Erfolg bringt. "Die werden das Signal aussenden: Tut es mit uns, oder ihr werdet unschönere Aussichten haben." Der Experte rechnet im Fall des Scheiters des internationalen Durchs auf Myanmar aber nicht mit einer "humanitären Intervention" des Westens mit militärischen Mitteln. Er sagt: "Mich würde dann der Abwurf von Hilfsgütern aus der Luft nicht überraschen. Das ist zwar kein sehr effizientes Verfahren, hätte aber einen hohen symbolischen Wert."

Michael Lenz/AFP/Reuters/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
utospatz (19.05.2008, 23:16 Uhr)
Ich habe schon einiges im Leben
überlebt!
Sollte mir aber eine solche auf einem hohlen Hals sitzende Melone begegnen ist mir sofort gewiss,
ein solches Arschloch macht stand allone den letzten Schiss!
Ich kann es nicht begreifen, da zahlt die ganze Welt für einen unfähigen Popanz, der UNO sich nennt!
kosherpork (19.05.2008, 21:05 Uhr)
Burma/Birma/Myanmar
Die Burmesen hatten 1950 alles, haben über Jahre hinweg untätig zugeschaut, wie ihnen alles von der eigenen Regierung abgenommen wurde. Gell, Germany?
AH.Maurer (19.05.2008, 18:22 Uhr)
Birma= Irak= Vietnam ?
Nein, ist es nicht. Während in den anderen Fällen lediglich machtpolitische bzw. wohl auch ökomische Interessen zu teilweise bestialischen Kriegen führten, sehe ich hier in erster Linie den humanitären Aspekt, dem bei weiterem beharrlichem Widerstand der in Birma "regierenden" Kaste gegen die nunmehr dringlichst und umgehend durchzuführenden Massnahmen auch militärisches Gewicht geben müsste. Die Wahl liegt ja klar bei der Junta, der es anscheinend mit dem Massensterben der "eigenen" Bevölkerung nicht schnell genug gehen kann, da sie sie eh´ nicht alle ernähren können, sondern nach dem Sturm womöglich sogar noch den Reis teuer importieren müsste. Nahrungsmittel kaufen kann aber nur ein souveräner Staat. Und das ist Birma eben nicht, sondern ein lukrativer Selbstbedienungsladen ohne Kasse für die Kaste. Es ist doch offensichtlich, das das herrschende System in Birma nach einer internationalen Intervention niemals Bestand haben wird und ohne diese erscheint es auch bereits fraglich. Wenn es also jemals in meiner 41jährigen Lebenszeit einen Anlass gab, im Zweifelsfall auch für eine spontane militärische Option zu plädieren, dann jetzt und hier, denn es ist NOCH nicht zu spät. Natürlich werden wieder einmal Kugeln fliegen und auch natürlich wieder die Falschen treffen... ... ... das tat es in Birma aber bereits vorher. Und wenn jetzt wieder alle wegschauen oder sich in die üblichen und endlosen Diskussionen verkriechen, dann haben wir eben wieder einen neuen Holocaust. Wie in Darfur, wie in Srebrenica, wie in ......, wie in...... ( es möge jeder seinen Favoriten eintragen ). Was mich bewegt ist, wie viele Menschen in der Zeit, in der ich wohlgenährt diese Zeilen eintippe, wohl erbärmlich krepierten oder von einem Glas frischem Wasser träumen. Oh Gott ...
utospatz (19.05.2008, 17:34 Uhr)
Wenn einer dieser Gerneräle
in Zukunft in ein westliches Land einreisen sollte, müsste die Zivilisation diese sofort inhaftieren, unter Anklage wegen Völkermord am eigenen Volk stellen!
Wenn eine, von der ganzen Welt finanzierte, unfähige Organisation wie die UNO nicht in der Lage ist, Syphilitiker als solche zu behandeln, sollte sie zumindest in der Lage sein mich zu rufen!
Leondriel (19.05.2008, 16:44 Uhr)
Gute Idee...
...im Irak hats ja auch geklappt, mal eben weg mit dem schrecklichen Unterdrücker, Freiheit und Hilfe fürs Volk, alle tanzen auf den Straßen... halt nein, die weichen den Kugeln aus, die immer noch fliegen.
Aber klar, marschieren wir doch mal geschlossen ein. Die benachbarten Staaten werden uns sicher helfen. Ganz sicher. Wir sind nämlich die Guten, die Superhelden in Oliv. Und wer was anderes sagt... was dann? Nochmal 1000 Soldaten, 100 Bomber, 200 Hubschrauber?
Schnaafpaaf (19.05.2008, 14:57 Uhr)
@AH.Maurer
Habe leider Iheren Beitrag nicht gelesen, bevor ich meinen Senf dazu gegeben habe. Sorry. Stimme Ihnen voll zu und hätte gern noch aus eigener Berufserfahrung gewachsene Ergänzungs-/Verbesserungsvorschläge zu machen.
Schnaafpaaf (19.05.2008, 14:51 Uhr)
Hier wäre eine militärische
Intervention dringend angebracht, um das Volk aus dem Schwitzkasten dieser verbrecherischen Generals-Clique zu befreien: Und dann diese zwölf Verbrecher nach Guantanamo fliegen. Vielleicht könnte sich in zwölftausend Meter Höhe ja "aus Versehen" die Ladeklappe öffnen.
AH.Maurer (19.05.2008, 10:52 Uhr)
Der Betroffenheitsreflex....
... sollte sich schon ausgezuckt haben angesichts der Tatsache, dass in Birma (nicht Myanmar, schön wär´s) eine absolutistisch menschenverachtende Junta alles, aber auch alles daran setzte, den letzten, so gerade noch aus dem Sumpf hochragenden "eigenen" Strohhalm zu erklimmen und sich in einem beispiellosen Akt der Inhumanität und Hybris auch noch "demokratisch" per "Volksabstimmung" noch gerne legitimieren lassen wollte.
Gut, die deutsche Freiheit wird selbstverständlich bereits am Hindukusch bestmöglich verteidigt und Terroristen ziehen wir in Zukunft an der Nase durch das DSL-Kabel direkt nach Den Haag.
Wo sind sie denn nun alle, die Weltverbesserer,- Feuerwehren und -Polizisten, die sich immer "ach" so beredt auf ihre Vorreiterrollen in Sachen Demokratie, Freiheit und Humanität berufen...?
Wo sind denn die UN, wenn man sie mal wirklich brauchen könnte, wenn es mal nicht um die Sanktionierung eines Krieges geht oder auch trotzdem ?
Wer hält denn Die Deutschen, Die Amerikaner, Die Russen, Die Japaner, Die Franzosen, Die Engländer, Die Spanier, Die Australier davon ab, hier Flagge zu zeigen gegenüber einem unerträglichen Zustand? Brot, keine Bomben wohlgemerkt. Trotzdem : Wer sich entgegenstellt, wird erschossen und alles ist ruck-zuck OK.
Hier sind nicht die Bürger gefragt, die gerne helfen würden, sondern die Staaten, die von ihnen gegründet wurden und über sie als Individuum nur noch einen kleinen aber immerhin demokratischen Einfluss haben.
20 Kampfhubschrauber, 100 Jagdbomber und 1000 hauptberufliche Soldaten könnten dem Spuk militärisch exemplarisch schnell ein Ende machen, 20 Schiffe, 200 Transporthubschrauber, 100 Transportflugzeuge und 1000 ausgebildete Logistiker sowie weitere 5000 Helfer endlich den humanitär längst überfalligen Einsatz leisten, ja zehntausende würden sich freiwillig gemeldet haben, hätte man sie zu Beginn der angekündigten Katastrophe angesprochen und ihnen die Sicherheit garantiert.
Heute wären es bestimmt noch einige tausend, morgen sind es vielleicht noch ein paar tausend und übermorgen vielleicht noch einige hundert...
In einem Monat aber, wenn es vielleicht schon wieder ganz andere Schreckensmeldungen gegeben hat, werden wir uns fragen müssen, warum wir wieder einmal weggeschaut haben, lehnen uns leicht beschämt in unserem Sessel zurück und denken vielleicht an diesen Aufsatz.
ganzbaf (19.05.2008, 10:50 Uhr)
Einmarschieren...

ggf. militärischen Widerstand platt machen, Hilfsgüter verteile, für etwas Ordnung sorgen und wieder gehen...
So hätte es Bud Spencer gemacht und womit?
Mit Recht natürlich.
mister-mister (19.05.2008, 09:46 Uhr)
Aber sicher doch !!!
Klar bewegen sie sich - laut einem anderen Artikel ist eine Geberkonferenz geplant - UND DA GIBT ES WAS ZU HOLEN !!!! Da bewegen sich auch mal Massenmörder.
.
Bleibt zu hoffen dass die UN, welche ihre Effizienz gerade mal wieder hervorragend unter Beweis gestellt hat, das nicht als Fortschritt ansieht.
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Und in der Zwischenzeit - sterben Menschen.
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