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Rothemden geben Widerstand auf

Nach einer massiven Offensive der thailändischen Armee hat die Opposition ihren Protest gegen die Regierung aufgegeben. Die Besetzung des Zentrums von Bangkok wurde für beendet erklärt.

Der Widerstand der thailändischen Protestbewegung gegen die Regierung ist gebrochen. Die Führer der oppositionellen Rothemden teilten am Morgen mit, die Besetzung des Zentrums von Bangkok sei beendet. Sie reagierten damit auf die Erstürmung ihres Protestlagers durch die Armee. Tausende Regierungssoldaten waren mit Panzern und Wasserwerfern auf das seit Ostern besetzte Geschäftsviertel der thailändischen Hauptstadt vorgerückt. Die Panzer rissen am Lumphini-Park Barrikaden aus Autoreifen und Zäunen mit spitzen Bambusstöcken ein. Einwohner, die aus Hochhäusern auf die Kampfzone blicken, berichteten im lokalen Rundfunk von Verletzten, die auf den Straßen liegen. "Wir wollen weitere Verluste unserer Brüder und Schwestern unter den Rothemden verhindern", begründete einer der Rothemden-Führer, Natawut Saikua, die gemeinsame Entscheidung der sieben Oppositionsführer.

Bei heftigen Schusswechseln waren zuvor laut unterschiedlichen Quellen zwischen drei und fünf Menschen getötet worden, darunter ein italienischer Journalist. Der Leiter des Polizeikrankenhauses sagte, der Reporter sei durch Schüsse in Bauch und Herz verletzt worden und noch auf dem Weg ins Krankenhaus gestorben. Die Armee feuerte Warnschüsse ab und setzte Tränengas ein. Die Führer der Rothemden forderten ihre Anhänger schließlich dazu auf, ihre Stellungen im Stadtzentrum zu verlassen und die Blockade aufzugeben. Die Erklärung rief unter den Regierungsgegnern Unmutsäußerungen hervor.

Rothemden-Führer skandiert Durchhalteparolen

Hunderte Rothemden waren zuvor während der Armee-Offensive in die Mitte des von ihnen besetzten Viertels geflohen. Dort beschworen ihre Anführer zunächst, Ruhe zu bewahren. "Bitte bleibt ruhig. Egal, was passiert, wir bleiben zusammen", rief Nattawut Saikuar. Die, die um ihr Leben fürchteten, sollten in einen Tempel in der Nähe gehen, der als sichere Zone gelte. Wenig später jedoch gaben Saikuar und und seine Mitstreiter den Widerstand auf. "Wir haben unser Bestes getan", resümierte Natawut.

Während des gesamten Tages waren an mehreren Stellen in Bangkok dicke Rauchsäulen aufgestiegen. Die Demonstranten hatten Barrikaden in Brand gesetzt, um die vorrückenden Truppen aufzuhalten. Auch ein Büro der Drogenfahndung war in Flammen aufgegangen. Sympathisanten der Rothemden waren am Morgen zur Satellitenstation nördlich von Bangkok gezogen, die von den heimischen Fernsehsendern genutzt wird. 300 bis 400 Menschen drohten dort mit einem Sturm auf das Gebäude, sollte die Armee weiter vorrücken. Die Aktion blieb ohne Wirkung, der Druck des Militärs auf die Widerständler war zu groß. Die Angst, dass ein Sturm der Armee auf das von den Oppositionellen blockierte Geschäftsviertel Bangkoks zu einem Blutbad führen würde, hatte die Widerständler einlenken lassen.

Ex-Regierungschef warnt vor Guerillakrieg

Der im Exil lebende frühere Regierungschef Thaksin Shinawatra, den die Rothemden unterstützen, hatte vor der Aufgabe der Oppositionsführer vor einem landesweiten Guerillakrieg gewarnt. Die blutige Niederschlagung der Proteste könnte zu einem tiefsitzenden Hass gegen die Regierung führen und dies wiederum einen Untergrundkampf auslösen, sagte Thaksin telefonisch der Nachrichtenagentur Reuters. Zugleich bestritt er, die Verhandlungen zwischen Opposition und Regierung in den vergangenen Tagen hintertrieben zu haben.

Die Gewalt war eskaliert, nachdem Vermittlungsbemühungen durch den Senat gescheitert waren. Die Regierung hatte Gespräche abgelehnt, solange die Oppositionellen ihre seit neun Wochen anhaltende Blockade im Stadtzentrum aufrecht erhalten. Noch in der Nacht hatte ein ranghoher Regierungsberater betont, die Führung des Landes sei weiter zu Verhandlungen bereit. Ob es nun, nach Beendigung des Widerstandes, zu Verhandlungen kommen wird, ist fraglich.

Bei den Straßenkämpfen kamen seit Donnerstag vergangener Woche mehr als 40 Menschen ums Leben, fast 500 wurden verletzt. Der Machtkampf begann Mitte März, als mehrere Zehntausend Menschen aus verarmten Dörfern in die Hauptstadt strömten und den Rücktritt der Regierung forderten. Diese kam der Protestbewegung entgegen und erklärte sich zu Neuwahlen bereit. Eine Einigung scheiterte aber an Detailfragen.

APN/AFP/Reuters/DPA/DPA/Reuters

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