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Ein Toter bei Schüssen auf Polizei in Saudi-Arabien

Eskaliert der Konflikt um den hingerichteten schiitischen Geistlichen Nimr Baker al Nimr auch in Saudi-Arabien selbst? In seiner Geburtsstadt haben Unbekannte auf Sicherheitskräfte geschossen.

  Die Proteste gegen die Hinrichtung des schiitischen Geistlichen Nimr al Nimr erstrecken sich bis nach Karachi in Pakistan

Die Proteste gegen die Hinrichtung des schiitischen Geistlichen Nimr al Nimr erstrecken sich bis nach Karachi in Pakistan

In der saudiarabischen Geburtsstadt des hingerichteten schiitischen Geistlichen Scheich Nimr Baker al Nimr ist die Polizei mit Schüssen attackiert worden. Dabei ist ein Zivilist getötet und ein Kind verletzt worden. Wie die amtliche Nachrichtenagentur SPA unter Berufung auf die örtliche Polizei berichtete, fanden die Angriffe am späten Sonntagabend in dem Dorf im ölreichen Osten des Landes statt. Laut SPA, kamen die Beamten in der Stadt Awamija im ölreichen Osten des Landes am späten Sonntagabend unter "schweren" Beschuss. Dem Bericht zufolge gab es unter den Polizisten keine Opfer.

Kind nicht in Lebensgefahr

Wer die Schüsse abfeuerte, war zunächst unklar. In sozialen Netzwerken wurde der getötete Zivilist als "Märtyrer" gefeiert. Einige Internetnutzer gaben an, er sei von saudiarabischen Sicherheitskräften getötet worden. Das wurde von unabhängiger Seite zunächst nicht bestätigt. Der Nachrichtenagentur SPA zufolge wurden Ermittlungen eingeleitet, die Sicherheitskräfte fahndeten demnach intensiv nach den Verantwortlichen der "terroristischen" Aktionen. Das verletzte Kind wurde ins Krankenhaus gebracht, es schwebte nicht in Lebensgefahr.


Die Hinrichtung des 56-jährigen al Nimr und 46 weiterer Terrorverdächtiger am Samstag hat zu schweren Spannungen in der Region und zu massiver Kritik aus dem Westen geführt. Besonders angespannt ist die Situation zwischen den rivalisierenden Regionalmächten Saudi-Arabien und Iran. Die Regierung in Riad verkündete am Sonntagabend den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Teheran. Damit lässt das Land das Verhältnis zum Erzrivalen weiter eskalieren.

"Irrationale Entscheidungen der Saudis"

Der Iran bezeichnete die Entscheidung Saudi-Arabiens als "voreilig". "Die Saudis haben schon in der Vergangenheit mit solchen voreiligen und irrationalen Entscheidungen Instabilität in der Region verursacht", sagte Vizeaußenminister Hussein Amirabdullahian. Riad könne aber mit dieser Initiative nicht von der Hinrichtung des schiitischen Geistlichen Nimr al Nimr ablenken, so der Vizeminister nach Angaben der Nachrichtenagentur Tasnim.

Die US-Regierung äußerte sich zurückhaltend. Die USA glaubten, dass "diplomatisches Engagement von grundlegender Bedeutung" sei, zitierte der Sender CNN den Sprecher des Washingtoner Außenministeriums, John Kirby. Die USA würden weiterhin die Führungsparteien in der Region dazu aufrufen, "positive Schritte" zur Entspannung der Lage zu unternehmen. Einen ähnlichen Appell hatten die USA bereits am Samstag veröffentlicht.


Saudi-Arabien hatte im Zuge einer Massenhinrichtung von 47 Menschen wegen Terrorismusvorwürfen am Samstag - nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch die größte Hinrichtung im Königreich seit 1980 - auch den bekannten schiitischen Kleriker Nimr al Nimr exekutiert. Dies verschärfte die Spannungen zwischen beiden Staaten massiv.

Der schiitische Iran, der mit dem sunnitisch geprägten Königreich um die Vormachtstellung in der Region ringt, hatte empört reagiert. Die saudischen Führer würden "die Rache Gottes spüren", drohte der oberste Führer des Irans, Ajatollah Ali Chamenei. In der Nacht zum Sonntag stürmten iranische Demonstranten die saudische Botschaft in Teheran, setzten Teile des Gebäudes in Brand und verwüsteten Büros. 

Dieser Angriff sei ein "schwerwiegender Bruch internationaler Konventionen", sagte al Dschubair am Sonntagabend. Er warf Teheran vor, die Führer des Terrornetzwerkes al Kaida zu schützen und Waffen zu schmuggeln. "Wir lehnen es ab, mit einem Staat zu tun zu haben, der Terrorismus unterstützt und Chaos und sektiererische Spannungen in der islamischen Welt verbreitet."

Erneuter Tiefpunkt seit 28 Jahren

Das Verhältnis zwischen dem Iran und Saudi-Arabien war bereits jahrzehntelang schwierig, Phasen der Spannung wurden durch Zeiten der Annäherung abgelöst. Die Eskalation vom Sonntag allerdings markiert eine lange nicht erreichten Tiefpunkt zwischen beiden Ländern. Vor fast 28 Jahren, 1988, hatte Saudi-Arabien das letzte Mal die Beziehungen zum Iran abgebrochen. Der Schritt bekräftigt auch die gestiegene Aggressivität des ultrakonservativen Königreichs unter König Salman, der seit knapp einem Jahr an der Macht ist.

Die beiden Länder spielen eine Schlüsselrolle bei der Lösung des Konflikts in Syrien und dem Irak. Das internationale Vorgehen gegen die Terrormiliz Islamischer Staat hatte zuletzt zu einer leichten Annäherung beider Widersacher geführt. Sie sind zugleich auch die wirtschaftsstärksten Staaten im Mittleren Osten.

Proteste in Teheran

Nach der Hinrichtung Al Nimrs, der lange Zeit im Iran lebte und in Saudi-Arabien die Unterdrückung der schiitischen Minderheit anprangerte, waren am Sonntag Proteste unter Schiiten in anderen Ländern aufgeflammt - darunter im Irak, Bahrain und dem indischen Teil Kaschmirs.

Trotz weiträumiger Absperrungen versuchten in Teheran auch am Sonntag Hunderte Demonstranten zur saudischen Botschaft vorzudringen. Es gab Zusammenstöße mit der Polizei und Rufe nach dem "Tod der saudischen Königsfamilie". Der iranische Präsident Hassan Ruhani verurteilte den nächtlichen Sturm auf die Auslandsvertretung.

nik/DPA
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