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8. Dezember 2008, 16:30 Uhr
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Griechisches Konsulat in Berlin besetzt

Die Unruhen in Griechenland schwappen nach Berlin über. 15 Demonstranten sind in das Generalkonsulat des Landes eingedrungen. Sie protestieren gegen den Tod eines Schülers, der in Athen von einem Polizisten erschossen worden war. Unterdessen flackern in Griechenland die Proteste erneut auf.

Krawalle, Griechenland, Konsulat, Demonstranten

Demonstranten halten das griechische Konsulat in Berlin besetzt. Sie protestieren gegen den Tod eines 15-Jährigen, der in Athen von einer Polizeikugel getroffen worden war© Gero Breloer/DPA

Aus Protest gegen den Tod eines 15-Jährigen durch eine Polizeikugel in Athen haben etwa 15 Demonstranten das griechische Konsulat in Berlin besetzt. Die Aktion blieb bis zum Nachmittag friedlich. Nachdem es in Griechenland zu massiven Unruhen gekommen war, hatte die Polizei den Schutz der Botschaft und des Konsulats in der deutschen Hauptstadt bereits am Samstagabend verstärkt.

Nach Angaben von Polizeipräsident Dieter Glietsch waren die Demonstranten am Montag als Besucher gekommen und deshalb nicht daran gehindert worden, in das Gebäude zu gelangen. Im Konsulat liefen stundenlange Gespräche mit den Besetzern, sagte Botschaftssprecher Pantelis Pantelouris. Die Demonstranten seien Landsleute und befänden sich in allen Räumen des Konsulats, wo etwa zehn Staatsdiener arbeiteten. Bis zum Nachmittag griff die Polizei nicht ein, hielt sich aber mit 120 Einsatzkräften vor dem Gebäude in Bereitschaft.

An der Fassade hatten die Demonstranten ein Transparent mit der Aufschrift "Ermordet vom Staat" angebracht. Am Nachmittag fanden sich etwa 60 Menschen zu einer nicht angemeldeten Sympathie-Kundgebung vor dem Konsulat zusammen, die von der Polizei geduldet wurde. Das Auswärtige Amt weist Reisende inzwischen auf die Unruhen in Griechenland hin und betont, dass auch in den nächsten Tagen mit Zwischenfällen gerechnet werden muss.

Unterdessen ist es am Montag in Griechenland erneut zu Demonstrationen gekommen. In Athen gingen mehrere tausend Schüler auf die Straßen und protestierten gegen den Tod des Jugendlichen, berichtete das Fernsehen. Vor der Polizeidirektion zogen sich zwei Jugendliche bis auf die Unterwäsche aus und legten sich vor den Eingang. "Tötet uns auch", skandierten sie.

Schüler blockierten die Straßenbahn von Athen. Andere Jugendliche besetzten eine Station der U-Bahn nahe der Vorstadt Kifissia. In Piräus warfen Schüler Steine auf eine Polizeistation. Randalierer zerstörten sechs Autos.

In der nordgriechischen Metropole Thessaloniki lieferten sich Hunderte Studenten Straßenschlachten mit den Sicherheitskräften. Die Autonomen warfen Brandsätze auf die Polizisten, die mit Tränengas gegen die jungen Leute vorgingen. Für Montagabend wurden in fünf Städten, darunter auch in Athen und Saloniki, weitere Proteste angekündigt. Viele Griechen rechnen mit einem Anhalten der Unruhen, da am Mittwoch ein Generalstreik gegen die Rentenreform und die Wirtschaftspolitik der konservativen Regierung geplant ist.

In fast allen Landesteilen Griechenlands blieben am Montag die Schulen geschlossen. "Sie werden bis Mittwoch aus Protest gegen den Tod des Schülers geschlossen bleiben", sagte der Generalsekretär des Gymnasiallehrergewerkschaft, Kostas Maniatis, im Radio. Auch das Kultusministerium erklärte den Dienstag zum Tag der Trauer für die Schulen.

Ministerpräsident mahnt in TV-Ansprache zu Besonnenheit

Der griechische Ministerpräsident Kostas Karamanlis kündigte in einer Fernsehansprache an, die Verantwortlichen für den Tod des 15-Jährigen Schülers zur Rechenschaft zu ziehen. "Wir werden alles tun, damit diese Tragödie sich nicht wiederholt", sagte Karamanlis.

Für die schweren Ausschreitungen am Wochenende machte er "extreme Elemente" verantwortlich. "Deren einziges Motiv ist die Gewalt und die Zerstörung", sagte der konservative Regierungschef. "Wir werden das nicht dulden." Er rief die Griechen auf, Ruhe zu bewahren und versprach Entschädigungen für die Inhaber der Geschäfte, die beschädigt oder zerstört wurden.

100 Millionen Euro Sachschaden

Bei den Straßenkämpfen waren seit Samstagabend rund 40 Menschen verletzt worden. Der Sachschaden wird auf 100 Millionen Euro geschätzt. Straßenzüge in Athen und im nordgriechischen Thessaloniki boten Bilder wie in einem Bürgerkrieg. Mehr als 500 Angestellte der Stadt versuchten am Montag in Athen, die Wracks der Autos aus den Straßen zu entfernen. Die Krawalle hinterließen zudem zerstörte Geschäfte, Bankfilialen und Polizeiwachen. Auch Privatwohnungen waren demoliert worden. Brennende Barrikaden und massiver Tränengaseinsatz der Sicherheitskräfte legten weite Teile der Innenstadt Athens unter eine dichte Rauchdecke.

Am Samstagabend war in Athen ein 15 Jahre alter Schüler durch eine Polizeikugel gestorben. Der 37 Jahre alte Polizist, der den Schuss abgegeben haben soll, sagte aus, er habe lediglich drei Warnschüsse abgefeuert. Der Jugendliche sei von einem Querschläger getroffen worden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Totschlag vor.

Anwalt des Todesschützen legt Mandat nieder

Einer der Anwälte des Polizisten trat am Montag zurück. Er lies verlauten, dass er einen "solchen Mandanten" aus Gewissensgründen nicht verteidigen könne. Über den mutmaßlichen Schützen wurde bekannt, dass er wegen seines harten Durchgreifens unter dem Spitznamen "Rambo" bekannt gewesen sei, berichtete der griechische Rundfunk.

DPA/AP/Reuters
KOMMENTARE (10 von 26)
 
makira (08.12.2008, 20:05 Uhr)
Da muss man hart durchgreifen
Sowas darf sich der Rechtsstaat nicht gefallen lassen. Da muss hart durchgegriffen werden !
csyas (08.12.2008, 16:04 Uhr)
@Marty_D
...Respekt all jenen, die sich gegen eine Faschistische Staatsgewalt auflehnen!! - genauso gegen Überwachungsterror und Freiheitsbeschneidungen...
- das Zynische an diesen Aufständen ist leider nur, dass wiedereinmal die Neoliberalisten und Kapitalisten profitieren: wo viel zerstört wird, kann viel aufgebaut werden - auch eine makabere Methode, um die Wirtschaft anzukurbeln, wobei die Ideologie keinerlei Bedeutung hat...
Pamela_1971 (08.12.2008, 15:51 Uhr)
huxley
Nun, wir werden sehen, was die Untersuchungen in den nächsten Tagen ergeben. Ich jedenfalls habe bislang den Pressemeldungen entnommen, dass es 2 verschiedene Versionen des Tatablaufs gibt: eine der Täter bzw. Beschuldigten, und eine von AugenzeugInnen. Und ich sehe keine Veranlassung, ausgerechnet der Täterversion größeren Glauben zu schenken. Zumal man sich auch mal etwas einlesen muss, was das Thema Polizeigewalt in Griechenland betrifft. Die Polizei dort ist (auch politisch) ein deutlich anderes Kaliber als z.B. die deutsche Polizei.
.
Aber ich gebe Ihnen Recht, dass - was auch immer da nun passiert sein mag - dies absolut kein Grund ist, irgendwelche Geschäfte zu verwüsten oder Autos abzufackeln. Dafür habe ich auch keinerlei Sympathie, auch wenn ich die dahinter stehende Wut verstehen kann - aber die richtet sich nunmal gegen Sachen, die keinerlei ersichtlichen Zusammenhang zur Tötung des 15-jährigen Kindes aufweisen.
UR63 (08.12.2008, 15:45 Uhr)
Huxley_82
Warum tun Sie sich diese frustrierte Hausfrau an??
Da können Sie gleich mit Ihrer Kloschüssel kommunizieren.
Die keift hier permanent rum!
Zum Thema.
Der Rambo sitzt im Knast.
Also ist der Gerechtigkeit genüge getan!
Marty_D (08.12.2008, 15:42 Uhr)
Gewalt
Gewalt darf Grundsätzlich nur vom Staat ausgehen und muss gesetzlich gestütz sein.
Lou123 (08.12.2008, 15:38 Uhr)
@vegefranz
Aaachso...prima, dann können wir ja einfach bei jeder Randale ein Maschinengewehr nehmen und einfach alles niedermähen. Bei jeder Fussball-Schlägerei kann man dann auch schon mal auf Verdacht in die Menge ballern, es könnte ja schnell Lebensgefährlich werden.
Huxley_82 (08.12.2008, 15:36 Uhr)
@Pamela
Nein, mit ofiziellen Stellen meine ich eben ganz einfach ofizielle Stellen. Und ich habe bisher aus keiner seriösen Quelle gehört, dass das Opfer nur mal eben mit den Polizisten reden wollte. Das sich die Staatsanwaltschaft einschaltet ist logisch, denn ob angegriffen oder nicht, der Polizist hat so oder so Mist gebaut. Es muss nur noch gekärt werden ob es Totschlag war oder ein Unfall bei einer Selbstverteidigungsmaßnahme und für mich persönlich sieht es nach der aktuellen Nachrichtenlage eher nach zweiterem aus.
Aber auch wenn es Totschlag war und der Cop ein irrer "Rambo" ist, ist das lange keine entschuldigung für Linke Spinner das Eigentum und teilweise auch das Leben anderer Menschen zu zerstören.
Pamela_1971 (08.12.2008, 15:30 Uhr)
lügefranz
Wie kommen Sie darauf, dass ich mich im Fall des von nationalistischen Hooligans schwer verletzten Polizisten Nivel nicht aufgeregt habe? Das war ein schlimmer Fall, der mich damals sehr berührt hat. Anders als Sie mache ich meine Empathie für die Opfer von ungerechtfertigter Gewalt nicht von irgendwelchen irrationalen Feindbild-Rastern abhägig. -- Sie machen sich wirklich lächerlich, wenn ausgerechnet Sie irgendjemandem doppelte Moral unterstellen wollen. Ausgerechnet Sie, der (zu Recht - wenn auch zumeist off-topic) die DDR-Mauermorde wortreich anprangert, und gleichzeitig uniformierte Todesschützen im Kapitalismus mit zynischen Sprüchen verteidigt, nur weil sie die (aus Ihrer Sicht) "richtigen" töten.
Huxley_82 (08.12.2008, 15:19 Uhr)
@che1975
Naja... also zu Video Nr.1, ein Obdachloser der offensichtlich auf Alkohol oder Droge ist kann froh sein, dass er von den Polizisten nicht in eine Ausnüchterungszelle gesteckt wird sondern eine Dusche kriegt, im übrigen ist das m.E. nicht wirklich brutal. Viedo nr. 2 kann ich nix zu sagen, weil man 1. fast nix sieht auf dem Video und 2. nicht erfährt was da vor dem Angriff abging. Bei Video Nr. 3 Verteidigt sich ein Sicherheitsbeamter irgend eines öffentlichen Gebäudes gegen "aktivisten" die sich an dem Fenster zu schaffen machen. Er schießt in die Luft und gut ist.
kaisergarten (08.12.2008, 15:19 Uhr)
Spinner
Ein einziger Mob. Am liebsten würden sie den Typen lynchen. Mehr als verhaften - Liebe Pamela - geht in einem Rechtsstaat übrigens nicht. Bei Herrn Klar finden Sie das ja auch gut, oder? Sie haben eine sehr seltsame Einstellung zum Rechtstaat - im Zweifel für den (linken) Angeklagten und gegen den (immer) bösen Polizisten. Auch ein sehr einfaches Weltbild.
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