30. Dezember 2011, 14:53 Uhr

PKK ruft zum "Aufstand" auf

Der offenbar fehlgeleitete Luftangriff des türkischen Militärs, bei dem 35 Schmuggler ums Leben kamen, soll nach Auffassung der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK nicht unbeantwortet bleiben.

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35 Menschen kam bei dem offenbar fehlgeleiteten Luftangriff im Osten der Türkei ums Leben©

Nach dem tödlichen Luftangriff der türkischen Armee im kurdisch dominierten Grenzgebiet zwischen der Türkei und dem Irak hat die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) zu einem "Aufstand" aufgerufen. "Wir rufen das Volk von Kurdistan auf, auf dieses Massaker zu reagieren", erklärte der Kommandeur Bahoz Erdal vom bewaffneten Arm der PKK am Freitag. Regierungschef Recep Tayyip Erdogan äußerte sein Bedauern über den Vorfall.

Die Kurden müssten mittels "Aufständen" reagieren, erklärte Erdal. Die PKK benutzt diesen Begriff sowohl für Aktionen zivilen Ungehorsams als auch für gewaltsame Proteste und Angriffe auf Sicherheitskräfte. Erdal warf dem türkischen Militär vor, absichtlich Zivilisten in dem Gebiet angegriffen und ein "organisiertes und geplantes Massaker" verübt zu haben. Dass in dem Grenzgebiet Menschen vom Schmuggel etwa mit Zigaretten und Treibstoff lebten, sei bekannt und es sei daher "unmöglich", dass die Zivilisten nicht als solche erkannt worden seien.

Ziel verfehlt?

Bei dem Angriff am Mittwochabend waren im Grenzgebiet 35 Menschen getötet worden, örtlichen Angaben zufolge handelte es sich vor allem um junge Menschen, die vom Grenzhandel lebten. Die Gruppe war offenbar mit Rebellen verwechselt worden, die dieselben Wege nutzen, um etwa Waffen in die Türkei zu schmuggeln. Das türkische Militär hatte zunächst von einem Einsatz gegen PKK-Rebellen gesprochen, die Regierungspartei AKP aber dann von einem möglichen Versehen. Am Freitag dann sprach die Armee den Angehörigen der Opfer ihr Beileid aus, was als ungewöhnlicher Schritt und Einräumen eines Versehens galt.

Erdogan bezeichnete den tödlichen Vorfall in seiner ersten öffentlichen Reaktion als "bedauerlich und betrüblich". Mittels Drohnen übertragene Bilder hätten eine Gruppe von rund 40 Menschen gezeigt. "Es war unmöglich zu sagen, wer sie sind." Erst später habe sich herausgestellt, dass es sich um Schmuggler gehandelt habe, die auf Maultieren Zigaretten und Benzin transportiert hätten. Auch Erdogan sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus. "Kein Staat bombardiert absichtlich sein eigenes Volk."

Die ursprünglich aus der türkischen Grenzprovinz Sirnak stammenden Zivilisten wurden am Freitag beigesetzt. "Die PKK ist das Volk" und "Märtyrer sterben nicht" riefen weinende Angehörige bei der Trauerfeier. Die Opfer wurden in einem Massengrab auf dem Friedhof in Gülyazi in der südöstlichen Provinz beigesetzt. Ihre Särge waren mit kurdischen Fahnen geschmückt, auch Bilder des inhaftierten PKK-Chefs Abdullah Öcalan waren zu sehen. Aus Gülyazi stammten viele der Opfer.

In der nahegelegenen Stadt Uludere wurde ein Gottesdienst für die Getöteten abgehalten. Dort protestierten zudem erneut mehrere Einwohner wegen des tödlichen Vorfalls gegen die türkische Regierung und nannten Erdogan einen "Mörder". "Auch du wirst eines Tages unseren Schmerz empfinden", riefen sie. Bereits am Donnerstag waren in der Türkei tausende Kurden aus Protest auf die Straße gegangen. Dabei war es zu teils schweren Zusammenstößen gekommen.

tmm/AFP
 
 
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