Obama tritt nach - Romney holt auf

5. Oktober 2012, 08:04 Uhr

Barack Obama zeigt sich als schlechter Verlierer: Nach seinem Flop in der TV-Debatte wirft er Mitt Romney vor, nicht die Wahrheit zu sagen. Der nutzte den Rückenwind, um einen Patzer zu korrigieren.

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Barack Obama und Mitt Romney bemühen sich um die Deutungshoheit nach dem TV-Duell©

Nach dem schwachen Abschneiden bei der TV-Debatte im US-Wahlkampf zieht Präsident Barack Obama alle Register. Im Kern wirft er seinem Herausforderer Mitt Romney vor, die Wahrheit über seine Steuerpläne zu verheimlichen und die Wähler zu täuschen. Ein neuer TV-Spot versucht massiv, die Glaubwürdigkeit Romneys zu untergraben. Romney schwieg zunächst zu den Vorwürfen. Zudem konnte er sich freuen: Er erhielt die Zustimmung der mächtigen Waffenlobby.

Mit einer gehörigen Portion Sarkasmus griff Obama einen Tag nach dem Rededuell an. "Ich traf diesen sehr schneidigen Typen, der behauptet Mitt Romney zu sein", rief er Anhängern bei einer Wahlveranstaltung am Donnerstag (Ortszeit) zu. "Aber das konnte nicht Romney sein. Denn der echte Mitt Romney läuft seit einem Jahr im Land auf und ab und verspricht fünf Billionen Steuersenkungen, die die Reichen bevorzugen."

Ätzend fuhr Obama fort: "Und der Typ, der gestern Abend auf der Bühne war, sagte, er wüsste davon nichts." Kaum verhüllt bezichtigt Obama seinem Gegner der Lüge.

"Einen Tag zu spät"

US-Kommentatoren fragen sich allerdings, warum Obama den Vorwurf nicht bereits während des Rededuells in Denver (Colorado) angebracht habe. "Einen Tag zu spät", meinte ein Kommentator im TV-Sender NBC. "Obama versucht, sein Gleichgewicht wiederzugewinnen", schreibt die "New York Times". "Die knallharte Attacke auf Romney lässt erahnen, wie groß die Sorge im Wahlkampflager Obamas ist."

Knallhart ist auch der Vorwurf in einem neuen TV-Spot gegen Romney. "Wenn wir ihm nicht einmal hier trauen können", heißt es darin mit einem Ausblick auf die Debatten-Bühne. "Wie können wir ihm jemals hier trauen?", fragt eine sonore Stimme aus dem Off - während das Oval Office im Weißen Haus zu sehen ist.

Kern des Streits sind die von Romney geplanten Steuererleichterungen. Obama warf Romney in der Debatte vor, er wolle fünf Billionen Steuern streichen und dabei auch die Abgaben von Reichen und Superreichen senken - beides bestritt Romney mehrfach energisch. Beides seien unwahre Behauptungen, meinte Romney.

Romney nimmt Schelte von Obama-Wählern zurück

Romney hielt sich mit einer Reaktion auf die Anschuldigen Obamas zunächst zurück. Stattdessen nahm er seine umstrittene Äußerung über Anhänger von Amtsinhaber Barack Obama zurück. "In diesem Fall habe ich etwas völlig Falsches gesagt", erklärte Romney am Donnerstag im US-Fernsehen. Romney hatte im Mai bei einer Spendengala geäußert, dass 47 Prozent der US-Wähler von der Regierung abhängig seien und deshalb bei der Wahl am 6. November nicht für ihn stimmen würden. Der heimlich per Video aufgezeichnete Satz wurde im September auf der Internetseite des linksgerichteten Magazins "Mother Jones" veröffentlicht und entwickelte sich zu einem der größten Handicaps für Romney im Kampf um den Einzug ins Weiße Haus.

Ferner darf sich Romney im US-Präsidentenwahlkampf über die Unterstützung der mächtigen Waffenlobby freuen. Wie der Herausforderer auf seiner Website mitteilte, stellt sich National Rifle Association (NRA) stellt hinter ihn. "Ich bin stolz über ihre Unterstützung für meine Kandidatur", meinte Romney und fuhr fort: "Ich werde alles in meiner Kraft tun, das Recht aller gesetzestreuen Amerikaner, Waffen zu besitzen und zu tragen, zu verteidigen und zu schützen."

67 Millionen US-Bürger sehen TV-Duell

Das Rededuell am Mittwochabend wurde von mehr als 67 Millionen Menschen in den USA verfolgt. Wie die endgültigen Daten von Nielsen ergaben, schalteten 67,2 Millionen Zuschauer über elf verschiedene Sender bei dem Duell ein. Das waren 28 Prozent mehr als vor vier Jahren mit 52,4 Millionen beim ersten Fernsehduell zwischen Obama und dem damaligen Kontrahenten John McCain. Laut einer am Donnerstag veröffentlichten Reuters/Ipsos-Umfrage, die nach dem Duell in den USA durchgeführt worden war, konnte Romney in dem Duell Boden gut machen. Demnach sehen ihn nun 51 Prozent der Wähler positiv. Obamas günstigen Umfragewerten hat sein verhaltener Auftritt indes nicht geschadet: Er verteidigt seine Favoritenrolle und kommt auf unverändert 56 Prozent.

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