17. Juli 2012, 15:24 Uhr

Nordkorea ernennt Hyon Yong Chol zum Vize-Marschall

Nach der überraschenden Entmachtung von Nordkoreas Armeechef Ri Yong Ho ist der General Hyon Yong Chol zum Vize-Marschall ernannt worden. Die Beförderung ist ein starkes Indiz dafür, dass Hyon neuer Armeechef des Landes wird.

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Neuer Titel, neue Aufgabe: Hyon Yong Chol wird wohl der neue Generalstabschef der nordkoreanischen Armee©

Nach der überraschenden Entmachtung von Nordkoreas Armeechef Ri Yong Ho ist der General Hyon Yong Chol zum Vize-Marschall ernannt worden. Dies berichtet die amtliche Nachrichtenagentur KCNA in einer knappen Meldung. Die Entscheidung löste im Nachbarland Südkorea sofort Spekulationen aus, Hyon könne Ri als Generalstabschef nachfolgen.

Den Berichten zufolge wurde Hyon der Titel am Montag durch die zentrale Militärkommission der herrschenden Arbeiterpartei und der Nationalen Verteidigungskommission verliehen, deren erster Vorsitzender der neue Machthaber Kim Jong Un ist. Hyon war im September 2010 zusammen mit Kim Jong Un und seiner Tante Kim Kyong Hui sowie drei anderen Offizieren zum General ernannt worden. Er gehört dem 120-köpfigen Zentralkomitee der Arbeiterpartei an, nicht aber deren mächtiger Militärkommission.

Laut dem Experten Yang Moo Jing von der Universität für Nordkorea-Studien in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul ist sonst wenig über Hyon bekannt. Gewissen Quellen zufolge soll er aus einer Familie stammen, die gemeinsam mit Nordkoreas Staatsgründer Kim Il Sung gegen die japanische Besatzungsmacht kämpfte. Hyon ist nun einer von vier Vize-Marschällen in Nordkorea. Nach Ansicht von Yang wird er "sehr wahrscheinlich" Nachfolger Ris als Generalstabschef.

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Offenbar in Ungnade gefallen: Ri Yong Ho (li.), Nordkoreas Ex-Armeechef und einstiger Vertrauter von Machthaber Kim Jong Un (re.)©

Krankheit oder Machtkampf?

Staatsmedien hatten am Montag berichtet, Ri, der ebenfalls den Rang eines Vize-Marschalls innehatte, sei wegen einer nicht näher bezeichneten Krankheit aus allen seinen Ämtern entlassen worden. Im Ausland wurde dagegen vermutet, dass ein interner Machtkampf in Pjöngjang herrschen könnte. Der knapp 30-jährige Kim Jong Un war erst vor rund einem halben Jahr nach dem Tod seines Vaters und Vorgängers Kim Jong Il im Dezember zum neuen Machthaber ausgerufen worden.

Ri, der im Oktober 1942 in der Provinz Kangwon geboren wurde, galt als eines der Mitglieder des engsten Führungszirkels in Pjöngjang. Der 69-Jährige war seit 2009 Generalstabschef sowie seit 2010 Vize-Chef der einflussreichen Militärkommission der Arbeiterpartei und Mitglied des Präsidiums des Politbüros. Als Teil einer Gruppe von "Hütern" sollte er Kim Jong Un nach dem Tod seines Vater bei der Übernahme der Macht unterstützten. Er hatte Kim regelmäßig bei Inspektionsreisen oder auch bei Paraden begleitet. Ihr Verhältnis wurde angesichts dieser gemeinsamen Besuche bei den Streitkräften als vertrauensvoll interpretiert. Mit dem neuen Vize-Marschall Hyon hat sich Kim dagegen noch nie öffentlich gezeigt.

Ris plötzliche Entlassung wurde in Südkorea mit Überraschung aufgenommen. Die Tatsache, dass Ri zunächst alle seine Ämter verloren habe und dies nur einen Tag später bekanntgemacht worden sei, sei ein "ungewöhnlicher Vorgang", sagte eine Sprecherin des Ministeriums für Vereinigung in Seoul. Beobachter spekulierten, dass er möglicherweise in Ungnade gefallen sei oder dass Kim Jong Un mit seiner Entlassung die Kontrolle über die Armee stärken wolle. Yoo Dong Ryul vom Forschungsinstitut der südkoreanischen Polizei spekulierte, der neue Machthaber wolle mit seinen jüngsten Personalentscheidungen das mächtige Militär "bändigen".

Nordkorea und Südkorea befinden sich völkerrechtlich seit fast 60 Jahren im Kriegszustand, da seit dem Ende des Korea-Kriegs (1950-53) noch immer kein Friedensvertrag geschlossen wurde.

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