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Hamas feuert neue Raketen auf Israel

Israel hat seine Luftangriffe auf den Gazastreifen unvermindert fortgesetzt. Kampfflugzeuge beschossen die Islamische Universität und das Innenministerium. Die Antwort der Hamas: Raketen auf Israel. Eine schlug in Aschkelon ein und tötete mindestens einen Menschen.

Die israelische Luftwaffe hat den dritten Tag in Folge Angriffe auf den Gazastreifen geflogen. Dabei nahmen Kampfflugzeuge am Montag auch das Innenministerium der in dem Küstenstreifen herrschenden radikal-islamischen Hamas unter Beschuss. Zudem wurde nach Hamas-Angaben bei einem Luftangriff ein Laborgebäude der Islamischen Universität in Gaza zerstört. Eine Sprecherin der israelischen Armee erklärte, die Einrichtung sei von der Hamas zur Entwicklung von Waffen und Sprengstoff genutzt worden.

Nach Angaben der Armee soll die Operation "Gegossenes Blei" weitergehen. Der israelische Rundfunk meldete, in der Nacht habe die Luftwaffe etwa 40 Angriffe auf Hamas-Ziele geflogen. Seit Beginn des Großeinsatzes am Samstag sind nach palästinensischen Angaben mehr als 300 Menschen getötet und mehr als 1000 verletzt worden. Israel will mit der Operation den ständigen Raketenbeschuss seiner Grenzorte aus dem Gazastreifen unterbinden.

Bislang aber ohne Erfolg: Am Morgen schlug erneut eine Rakete in der israelischen Stadt Aschkelon ein und tötete mindestens einen Menschen. Es war der zweite Tote in Israel seit Beginn der Offensive am Samstag. Zudem seien elf Menschen bei dem Angriff verletzt worden, meldete der israelische Rundfunk, als die Grad-Rakete auf einer Baustelle in der Küstenstadt nördlich des Gazastreifens ein Gebäude traf. Seit den frühen Morgenstunden feuerten militante Palästinenser vier Raketen in das israelische Grenzgebiet.

Die Gewalt greift inzwischen auch auf das Westjordanland über. Ein palästinensischer Angreifer verletzte in der Siedlung Kirjat Sefer vier Israelis mit einem Messer, wie israelische Rettungsdienste mitteilten. Ein Militärsprecher sagte, der Angreifer sei niedergeschossen und schwer verletzt worden. Es wird vermutet, dass der Angriff im Zusammenhang mit der israelischen Offensive im Gazastreifen steht.

Die Hamas bat nach den israelischen Luftangriffen den Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Scheich Chalifa bin Said al-Nahjan, um Hilfe. Nach einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur der Emirate vom Sonntagabend rief der im syrischen Exil lebende Hamas-Politbürochef Chaled Maschaal den Präsidenten an. Scheich Chalifa habe ihm versprochen, sich auf internationaler Ebene für ein Ende der "Aggression gegen das palästinensische Volk" einzusetzen, hieß es. Außerdem habe er zugesagt, über das UN-Hilfswerk für Palästinaflüchtlinge (UNRWA) Hilfsgüter in den Gazastreifen zu schicken.

Am Montag sollen auf Anweisung des israelischen Verteidigungsministers Ehud Barak 100 Lastwagen mit Lebensmitteln, Medikamenten und humanitären Hilfsgütern in den Gazastreifen gelassen werden.

Der israelische Rundfunk meldete, bei den Angriffen seien unter anderem ein Waffenlager getroffen worden. In der Nacht hatte die Armee ein Gebäude der Islamischen Universität und ein Gästehaus der Hamas-Regierung angegriffen. Zudem wurde nach israelischen Medienberichten ein Gebäude in der Nähe des Hauses von Ex-Ministerpräsident Ismail Hanija (Hamas) getroffen.

Israelische Medien berichteten unter Berufung auf palästinensische Kreise, bei den Angriffen sei auch der vor zweieinhalb Jahren verschleppte israelische Soldat Gilad Schalit verletzt worden. Aus israelischen Sicherheitskreisen hieß es, man halte dies nicht für glaubwürdig. Schalit sei eine "Trumpfkarte" für Hamas, und die Organisation werde alles tun, um ihn am Leben zu erhalten. Schalit war am 25. Juni 2006 von einem Kommando unter Hamas-Leitung in den Gazastreifen entführt worden. Verhandlungen über seine Freilassung waren bislang erfolglos.

Unterdessen schaltete UN-Generalsekretär Ban Ki Moon wegen der Eskalation der Gewalt im Gazastreifen das Nahost-Quartett ein. Ban habe mit den übrigen Partnern der Vermittlungsgruppe telefoniert, teilten die Vereinten Nationen in New York mit. Neben den UN gehören dem Quartett die Europäische Union, die USA und Russland an. Ban habe seinen Aufruf zu einem sofortigen Ende der Gewalt zudem in Gesprächen mit Israels Ministerpräsident Ehud Olmert, Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas, dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak, dessen syrischem Kollegen Baschar al-Assad und anderen regionalen Spitzenpolitikern erneuert. Der UN-Sicherheitsrat hat nach einer Dringlichkeitssitzung am Wochenende die Wiederherstellung der Waffenruhe gefordert. Er verabschiedete eine Erklärung, was als eine der schwächsten Formen des Eingreifens gilt.

joe/DPA/AP/Reuters/AP/DPA/Reuters
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