Israel feuert trotz Premierbesuch auf Gaza

16. November 2012, 06:40 Uhr

Ein Krieg droht: Palästinenser attackieren Tel Aviv. Israel lässt Bomben auf Gaza-Stadt fallen. Für den Besuch von Ägyptens Premier sollten die Waffen schweigen - doch beide Seiten greifen weiter an.

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Rauch über Gaza: Raketen aus Israel treffen Häuser in palästinensischen Wohngebieten. Am Donnerstag waren aus Gaza abgefeuerte Geschosse bei Tel Aviv eingeschlagen©

Die Gewalt zwischen Israel und den Palästinensern hält trotz einer vorübergehend vereinbarten Waffenruhe an. Radikale Palästinenser feuerten am Freitag zahlreiche Raketen auf den Süden Israels ab, wie die israelische Armee mitteilte. Die israelische Luftwaffe antwortete mit einem Angriff auf das Haus eines Hamas-Kommandeurs, wie aus Kreisen der Palästinensergruppe verlautete. Bei dem Bombenangriff in der Region Nasila sind demnach zwei Palästinenser getötet worden.

Israel hatte zuvor angekündigt, während des Aufenthalts von Kandil keine Angriffe auf das Palästinensergebiet fliegen. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu habe eingewilligt, einer entsprechenden Bitte der Regierung in Kairo nachzukommen, sagte ein ranghoher israelischer Regierungsvertreter. Einzige Bedingung sei, dass während des für drei Stunden angesetzten Besuchs von Kandil keine Raketen vom Gazastreifen aus auf Israel abgefeuert würden.

Die israelische Luftwaffe hat am Freitagmorgen weiter massiv Ziele im Gazastreifen angegriffen. Der Nachrichtensender Al-Dschasira und der US-Sender CNN zeigten am frühen Morgen Live-Bilder von Gaza-Stadt und berichteten, die Bombardierung hätte an Intensität zugenommen. Es waren Rauchsäulen über der Stadt zu sehen. Korrespondenten des arabischen Nachrichtensenders Al-Arabija sprachen von massiven nächtlichen Luftangriffen.

Militante Palästinenser feuerten auch in der Nacht zum Freitag Raketen auf Israel ab. Nach israelischen Medienberichten wurde offensichtlich niemand verletzt. Mehr als 420 Raketen von militanten Palästinensern seien in den vergangenen zwei Tagen in Israel aufgeschlagen, teilte laut "Jerusalem Post" das israelische Militär im Kurznachrichtendienst Twitter in der Nacht mit.

Erster Luftalarm in Tel Aviv seit 1991

Bei einem israelischen Luftangriff auf den nördlichen Gazastreifen starben am Donnerstagabend nach Angaben der palästinensischen Nachrichtenagentur Maan drei Palästinenser. Die Zahl der Todesopfer der israelischen Luftangriffe unter den Palästinensern habe sich damit auf 19 erhöht, hieß es unter Berufung auf das Gesundheitsministerium. In Israel kamen bei einem Raketenangriff drei Menschen ums Leben.

Die israelischen Streitkräfte erklärten, über dem Gazastreifen seien am Donnerstag Flugblätter abgeworfen worden. Darin werde die Bevölkerung aufgefordert, sich von der radikal-islamischen Hamas und anderen Terrororganisationen fernzuhalten.

Erstmals seit dem Golfkrieg 1991, als der Irak Scud-Raketen auf Israel abschoss, heulten am Donnerstag die Luftalarm-Sirenen in Tel Aviv. Zugleich war eine dumpfe laute Explosion zu hören. Nach Medienberichten ging eine Gaza-Rakete im Mittelmeer nieder.

Israel verlegt Soldaten an die Grenze

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas brach seine Europareise ab und kehrte ins Westjordanland zurück. Die Vereinten Nationen und viele Regierungen weltweit warnten vor einer Verschärfung der Lage.

Israel begann mit der Mobilisierung seiner Reservisten, laut Militär könnten bis zu 30.000 Mann einberufen werden. Berichte über eine angeblich schon begonnene Bodenoffensive im Gazastreifen wurden aber von den Streitkräften und dem Außenministerium dementiert. Allerdings würden Soldaten in die Region verlegt, um für einen Einmarsch bereit zu stehen, sollte der Befehl kommen, sagte ein ranghoher Beamter in Tel Aviv.

Im Gazastreifen bekannten sich der bewaffnete Arm der dort herrschenden radikal-islamischen Hamas, die Kassam-Brigaden, und die militante Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad zum Raketenangriff auf Tel Aviv. Zwei Raketen vom iranischen Typ Fadschr-5 seien bei Rischon Lezion und in Jaffa eingeschlagen, hieß es in einer Mitteilung der Organisation, deren Kommandeur am Vortag von Israel getötet worden war.

Hamas sieht die Tötung als Kriegserklärung

Einen Tag nach der gezielten Tötung des Hamas-Militärchefs durch Israel versammelten sich in Gaza Tausende Palästinenser, um Ahmed al-Dschabari das letzte Geleit zu geben. Der militärische Arm der Hamas im Gazastreifen bezeichnete dessen Tötung durch die israelische Luftwaffe als "Kriegserklärung" und kündigte blutige Rache an.

Die USA hoffen zur Entschärfung des Konflikts auf die ägyptische Regierung. "Wir bitten Ägypten, seinen Einfluss in der Region für eine Deeskalierung zu nutzen", sagte der amerikanische Außenamtssprecher Mark Toner in Washington. Er bekräftigte die US-Position, dass die im Gazastreifen herrschende Hamas die Raketenangriffe auf Israel einstellen müsse.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle zeigte sich in einem Telefonat mit seinem israelischen Kollegen Avigdor Lieberman besorgt über die Lage. Zugleich betonte auch Westerwelle das israelische Recht auf Selbstverteidigung und den Schutz seiner Bürger.

Die neue Runde der Gewalt hatte am Samstag begonnen, als ein israelischer Jeep von einer Rakete aus dem Gazastreifen getroffen wurde. Dabei waren vier Soldaten zum Teil schwer verletzt worden

jar/DPA
 
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