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14. Juli 2006, 15:25 Uhr

USA rufen Israel zur Mäßigung auf

Die Vereinigten Staaten gelten als einer der engsten Verbündeten Israels. Doch die Militäroffensive im Libanon geht offenbar auch Präsident George W. Bush zu weit. Er wird die israelische Regierung nun zur Mäßigung auffordern - nicht als einziger Staatschef.

Lautes Artilleriefeuer im Norden Israels: Ein Soldat in der Nähe von Kyriat Shmona© Oded Balilty/AP

Das Urteil der internationalen Gemeinschaft über Israel fällt eindeutig aus: Das Land solle sich bei seinem Militäreinsatz gegen den Libanon bitte mäßigen. Selbst die USA, traditionell enger Verbündeter Israels, wird nach Angaben der libanesischen Regierung, Jerusalem zur Mäßigung drängen. Dies habe US-Präsident George W. Bush Ministerpräsident Fuad Siniora in einem Telefonat zugesagt, sagte die Beiruter Regierung. Der Libanon hatte Bush zuvor um Hilfe gebeten.

Das deutsche Auswärtige Amt sowie US-Außenministerin Condoleezza Rice sagten, dass das Land alles unterlassen müsse, was zu einer weiteren Destabilisierung der Lage im Libanon beitragen könnte. Alle Beteiligten müssten angesichts einer "bedrückenden Zahl ziviler Opfer" deeskalierend wirken.

Der US-Präsident telefonierte zudem auch mit dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak. Ägypten hat im Konflikt zwischen Israel und der palästinensischen Hamas-Bewegung wiederholt eine vermittelnde Rolle gespielt. Während seines Besuchs in Deutschland sprach Bush Israel das Recht auf Selbstverteidigung zu, äußerte sich zugleich aber auch besorgt um den Bestand der Demokratie im Libanon.

Auch der Vatikan hat das militärische Vorgehen Israels im Libanon verurteilt und gefordert, dass die internationalen Normen zur Sicherheit der Zivilbevölkerung einzuhalten. Der einzige Weg aus der Krise sei der Dialog, sagte Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano.

"Konflikt mit internationalen Folgen"

Papst Benedikt XVI. verfolgte eng die jüngste Entwicklung, die seiner Meinung nach "ein Konflikt mit internationalen Folgen" werden könnte. Weiter sagte Sodano. "Wie schon in der Vergangenheit verurteilt der Heilige Stuhl sowohl terroristische Angriffe wie auch militärische Vergeltungsmaßnahmen." Das Recht auf Selbstverteidigung dürfe nicht dazu führen, internationale Vereinbarungen außer Kraft zu setzen wie etwa zum Schutz der Zivilbevölkerung.

Auslöser der Militäraktion war die Entführung zweier israelischer Soldaten durch die libanesische Hisbollah-Miliz am Mittwoch. Die Armee hat eine See- und Luftblockade des Landes durchgesetzt und greift zahlreiche Ziele aus der Luft an. Am dritten Tag der Militäraktionen wurden die Angriffe, trotz der internationalen Mahnungen, weiter verstärkt. Neben der erneuten Bombardierung des internationalen Flughafens von Beirut nahm die Armee vor allem die Hauptroute nach Syrien unter Beschuss.

Der Flughafen ist seit Donnerstag geschlossen, nachdem Israel Landebahnen und Treibstofflager bombardiert hatte. Auch weitere Stromversorgungs- und Kommunikationseinrichtungen wurden angegriffen. Mit dem Beschuss der Verbindung nach Syrien verschärfte die Armee ihre Blockade des Landes.

Im Süden der Hauptstadt Beiruts bombardierten Kampfflugzeuge ein Viertel, das als Hisbollah-Hochburg gilt. Nach Angaben aus libanesischen Sicherheitskreisen starben drei Menschen. 40 weitere seien verletzt worden. Geschäfte und andere Gebäude wurden beschädigt, dutzende Autos zerstört.

Damit sind seit Beginn der Offensive 60 Menschen im Libanon getötet worden, die meisten von ihnen Zivilisten. Die von Syrien und dem Iran unterstützte Hisbollah beantwortete die israelischen Angriffe mit einem heftigen Beschuss Nordisraels.

Mehr als 130 Raketen in Israel eingeschlagen

Innerhalb von 48 Stunden seien mehr als 130 Raketen in Israel eingeschlagen, teilte das Militär mit. Zwei Zivilisten wurden getötet, mehr als 100 verletzt. Zwei Raketen schlugen am Donnerstag auch in der israelischen Großstadt Haifa ein, was Israel als schwere Eskalation bezeichnete. Die Hisbollah bestritt, diese Raketen abgefeuert zu haben.

Mehr als 100 Europäer haben den Libanon inzwischen über Syrien verlassen. Sie waren am Donnerstagabend mit Bussen von Beirut nach Damaskus gebracht und von dort per Flugzeug nach Larnaca auf Zypern geflogen worden, wie die Behörden des südosteuropäischen Landes mitteilten.

DPA/Reuters/AP
 
 
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