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17. Juli 2006, 11:38 Uhr

Uno-Truppe soll Flächenbrand verhindern

Die internationale Gemeinschaft ist hektisch bemüht, den Nahost-Konflikt einzudämmen. Uno-Generalsekretär Kofi Annan dringt auf eine Uno-Beobachtertruppe im umkämpften Libanon. Israel reagiert skeptisch.

Puffer auch im Libanon? Uno-Blauhelme aus Uruguay bei einem Einsatz im Kongo im Jahr 2003© Maurizio Gambarini/DPA

Die Mitglieder des Uno-Sicherheitsratsrates wollen noch am Montag über die Entsendung einer zusätzlichen multilateralen Beobachtertruppe in den Libanon beraten. Uno-Generalsekretär Kofi Annan unterstützt den Vorschlag. Er betrachte das Thema als äußerst dringlich und werde es daher auf dem Gipfeltreffen der sieben führenden Industrienationen und Russlands (G8) in St. Petersburg vorantreiben, sagte Annan, der zum Abschluss des Gipfels nach Russland gereist war.

Die Gelegenheit sei günstig, weil etliche G-8-Staaten auch Schwergewichte im Uno-Sicherheitsrat seien. "Wir müssen der Diplomatie Zeit und Raum geben", sagte Annan. Sobald der Sicherheitsrat der Truppe dann offiziell zugestimmt habe, müsste sie schnell in die Region entsendet werden, sagte er. Unterstützung erhielt der Uno-Generalsekretär auch von dem britischen Premier Tony Blair.

Mit Hilfe einer internationalen Truppe könne die Bombardierung Israels gestoppt werden, sagte Blair nach einem Treffen mit Annan in St. Petersburg. "Das wird nicht aufhören, wenn wir nicht die Bedingungen dafür schaffen", sagte der britische Premier.

Mindestens 200 Menschen sterben in dem Konflikt

Die Gefechte zwischen Israel und der militanten Hisbollah-Miliz, die ihre Stützpunkte im Libanon hat, dauern bereits den sechsten Tag in Folge an. Die Hisbollah-Kämpfer attackieren Israel, in dem sie nord-israelische Orte mit Raketen beschießen. Angeblich verfügt die Hisbollah auch über Rakten, die sogar das etwa 100 Kilometer entfernte Tel Aviv erreichen könnten. Die bisher abgefeuerten Raketen flogen höchstens 30 Kilometer weit.

Im Gegenzug bombardiert die israelische Luftwaffe Ziele im Libanon. Mit den Angriffen reagiert Israel auf die Entführung zweier Soldaten durch die libanesische Hisbollah-Miliz. Die Gefechte kosteten im Libanon bislang rund 180 Menschen das Leben, in Israel starben 23 Menschen. Beobachter fürchten, der Konflikt könnte sich ausweiten, etwa auf Syrien. Das Land sowie der Iran, gelten als Schutzmächte der Hisbollah.

Der Vorschlag, eine Uno-Truppe zu entsenden, ist Teil der internationalen Krisen- und Pendeldiplomatie, die spätestens am Sonntag voll eingesetzt hat. Die Uno-Truppe könnte vor Ort als Puffer zwischen den Konfliktparteien auftreten und so eine weitere Eskalation verhindern. Noch ist allerdings unklar, wie schnell so eine Truppe zum Einsatz kommen könnte. EU-Chefdiplomat Javier Solana war bereits am Sonntag in den Libanon gereist, am Montag werden der französische Premier Dominique de Villepin sowie Außenminister Philippe Douste-Blazy in der Region erwartet.

USA, Großbritannien und Deutschland unterstützen Annan

Die Staats- und Regierungschefs der G-8-Staaten hatten schon am Wochenende über die Möglichkeit einer Beobachtertruppe beraten. In einer Erklärung hieß es, sie würden die Prüfung einer solchen Option begrüßen.

Neben Großbritannien unterstrichen auch die USA und Deutschland die Notwendigkeit einer internationalen Mission. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, mit einer solchen Truppe solle eine weitere Zuspitzung der Gewalt zwischen israelischen Streitkräften und der Hisbollah-Miliz im südlichen Libanon verhindert werden. Bislang ist im Grenzgebiet zwischen dem Libanon und Israel nur eine relativ kleine Uno-Einheit stationiert. Annan sagte am Montag auch, die Uno erwäge, ihre Mitarbeiter aus dem Libanon in Sicherheit zu bringen.

Verhaltene Reaktion aus Israel

Israel selbst reagierte am Montag verhalten auf den Vorschlag. Die Nachrichtenagentur AP meldete, nach Angaben aus Regierungskreisen lehne der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert eine Stationierung ausländischer Truppen im Libanon ab. Ein Regierungssprecher in Jerusalem sagte, es sei derzeit noch zu früh, über eine neue internationale Beobachtertruppe in dem Gebiet zu reden. Momentan gehe es hauptsächlich darum, sicherzustellen, dass die Hisbollah-Miliz nicht mehr an der Nordgrenze Israels präsent sei. Uno-Generalsekretär Annan forderte Israel am Montag auch dazu auf, sich an internationales Recht zu halten und die Zivilbevölkerung sowie die Infrastruktur zu schützen

In ihrer Erklärung vom Sonntag hatten die G-8-Staaten Israel sowie die radikal-islamische Hisbollah-Miliz und die palästinensische Hamas aufgerufen, das Feuer einzustellen. Zur G8 gehören die USA, Kanada, Japan, Frankreich, Großbritannien, Italien, Deutschland und Russland. Die USA, Russland, Frankreich und Großbritannien verfügen jeweils auch einen ständigen Sitz im Uno-Sicherheitsrat.

GÜSS mit AP/DPA/Reuters
 
 
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