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Der Krieg der toten Kinder

Wenn in einem Krieg Kinder sterben, sieht die Welt genauer hin. Vier waren es in Gaza bei einem Angriff Israels am Sonntag. Doch die Hamas missbraucht die jüngsten Opfer für ihre Zwecke.

Von Sophie Albers

  Die Kinder von Gaza werden zwischen den politischen Positionen einfach zerrieben.

Die Kinder von Gaza werden zwischen den politischen Positionen einfach zerrieben.

Etwa die Hälfte der Bevölkerung des Gaza-Streifens sind Kinder. Rund 800.000 wachsen dort auf - in einer Art Gefängnis, bedroht von Außen wie von einem religiös-machtpolitische Fanatismus im Innern. In diesen Tagen rennen sie herum zwischen noch rauchenden Bombenkratern, Beerdigungen und dem Leichenschauhaus, um "Märtyrer" zu sehen, wie AP-Korrespondentin Karin Laub aus Gaza-City berichtet. Und sie sterben bei den Luftangriffen der Israelis, die eigentlich "chirurgisch genau" hochrangige Mitglieder der radikalislamischen Hamas töten sollen, aber natürlich trotzdem Zivilisten treffen. Rund 1,6 Millionen Menschen leben hier dicht gedrängt auf 365 Quadratkilometern.

Der permanente Stress, die alltägliche Gewalt, eine Gesellschaft, in der vermeintliche Verräter auf offener Straße hingerichtet werden und Hass-Propaganda zur Erziehung gehören, machen die Kinder krank. Die Zahl der post-traumatisch gestörten Heranwachsenden sei nach der letzten Gaza-Offensive 2008 "überwältigend" gewesen, zitiert Korrespondentin Laub den Chef des Gaza Programms zur psychischen Gesundheit, Hussam Nunu. Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten und Brutalität im Umgang miteinander sind normal. Immer wieder sind Kinder dabei zu beobachten, wie sie "Besatzung" spielen, indem sie sich gegenseitig an die Wand stellen, anbrüllen oder verprügeln.

Kinder als Propagandawerkzeuge

Doch Bedrohung und Tod kommen auch von innen. Der Hamas ist die Macht des Kindes bekannt, und sie nutzt sie auf tragischste Weise aus. Als die Grenzmauer noch nicht stand, dank der es kaum noch Terroranschläge in Israels Städten gibt, haben die selbsternannten Gotteskämpfer auch Teenager mit Sprengstoffgürteln an die Checkpoints geschickt. Berüchtigt sind die Aufnahmen von Kleinkindern, die in sogenannten Märtyreruniformen stecken und Sprengstoffattrappen tragen. Kinder werden häufig als Kuriere benutzt.

Der krasseste Missbrauch der eigenen Kinder findet aber wohl im kriegerischen Konflikt statt, in dem sie als Propaganda-Instrumente herhalten müssen. Immer wieder gibt es den Vorwurf, die Hamas benutze Frauen und Kinder als Schutzschilde und stationiere Raketenabschussrampen absichtlich neben Schulen oder Kindergärten. Bewiesen werden kann der Missbrauch der Bilder von toten Kindern, die der bewaffnete Arm der Hamas, die Al-Qassam-Brigaden, online verbreiten. Vor allem über Twitter sind dieser Tage verstümmelte Leichen von Jungen und Mädchen zu sehen, häufig mehrfach und verschieden drapiert, wie die getöteten Kinder der - bei einem von der israelischen Armee eingeräumten "Fehltreffer" - ausgelöschten Familie Al Dalou.

Totes Kind aus Syrien

Als der ägyptische Premierminister Hischam Kandil dem Gazastreifen am vergangenen Freitag einen "Solidaritätsbesuch" abstattete, brachte ihn Hamas-Chef Ismail Hanija unter anderem ins Schifa-Krankenhaus in Gaza-Stadt, wo dem Besucher ein toter Junge in den Arm gelegt wurde, der bei einem israelischen Angriff getötet worden sei. Kandil nannte das Kind einen "Märtyrer".

Einen Tag später berichtete die seriöse britische Zeitung "The Telegraph", dass Experten des Palästinensischen Zentrums für Menschenrechte, die den Ort der Explosion besucht hatten, davon ausgehen, dass es eine palästinensische Rakete gewesen sei, die das Kind getötet habe. Dafür sprächen Zeugenaussagen, wonach vor der Explosion weder eine Drohne gesichtet worden, noch das Herannahen eines Flugzeugs zu hören gewesen sei. Zuletzt bestritt auch die Israelische Armee vehement, an diesem Ort zu dieser Zeit angegriffen zu haben.

Auch das jüngste Beispiel der Propagandamethoden der Hamas zeigt einen toten Jungen. Auf der offiziellen Twitter-Seite der Al-Qassam-Brigaden war das Bild eines weinenden Vaters zu sehen, der sein totes Kind in den Armen hält. Es wurde mittlerweile heruntergenommen, doch der Hinweis eines sonst eifernden syrischen Hamas-Unterstützers ist noch zu finden: "Ich kann nicht glauben, dass ich das schreibe, aber dieses Bild stammt aus Syrien, nicht Gaza."

Ja, auch Israels Propaganda-Maschine hat Kinder zu bieten. Allerdings sind die am Leben und kommen in geringer Zahl zum Einsatz: Ein Poster zeigt Schulkinder, die bei Bombenalarm unter die Tischen kriechen. Darunter steht zu lesen: "Und wie war der Schultag Ihres Kindes?"

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