3. April 2009, 22:59 Uhr

Türkischer Einspruch stoppt Rasmussen

Gipfel-Gastgeberin Angela Merkel hatte die Sache forcieren wollen, doch ihre "Überzeugung", dass sich der Nato-Gipfel auf einen neuen Generalsekretär für das Bündnis einigen werde, trog. Die Türkei sperrt sich gegen den Dänen Anders Fogh Rasmussen. Mit ihrer Meinung stehen die Türken allerdings allein da.

Nato, Nato-Gipfel, Generalsekretär, Rasmussen, keine Einigung

Der türkische Regierungschef Erdogan (l.) will verhindern, dass sein dänischer Amtskollege Rasmussen Nato-Generalsekretär wird©

Die Staats- und Regierungschefs der 28 Nato-Staaten haben einen Streit über den neuen Generalsekretär des Bündnisses nicht beilegen können. Sie beschlossen am späten Freitagabend auf ihrem Gipfeltreffen in Baden-Baden nach Angaben von Diplomaten jedoch, an diesem Samstag einen neuen Einigungsversuch zu unternehmen. Der türkische Präsident Abdullah Gül hielt an seinen Bedenken gegen den dänischen Regierungschef Anders Fogh Rasmussen fest.

Sowohl US-Präsident Barack Obama als auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hätten vergeblich versucht, Gül umzustimmen. Nach Angaben von Diplomaten wollte Obama vor dem neuen Einigungsversuch vom Samstag noch einmal mit Gül sprechen. Der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan hatte am Freitag seine Ablehnung Rasmussens bekräftigt. Ankara ist vor allem erbost, dass Rasmussen bisher nichts gegen einen in Dänemark beheimateten kurdischen Fernsehsender getan hat.

Merkels Überzeugung trog

Merkel hatte sich als Gipfelgastgeberin kurz vor Beginn eines Arbeitsessens im Kurhaus von Baden-Baden demonstrativ hinter die Kandidatur Rasmussens gestellt. "Ich bin der Überzeugung, dass es uns gelingen sollte, heute Abend einen neuen Nato-Generalsekretär zu benennen", sagte sie. Sie habe mehrfach deutlich gemacht, dass sie Rasmussen für "eine gute Wahl" halte. "Ich glaube deshalb auch, dass wir alles versuchen werden, um andere davon zu überzeugen, dass das so ist."

Die Kanzlerin sagte, sie glaube nicht, dass Rasmussen durch den Streit um den Posten beschädigt sei. "Die Nato-Generalsekretäre werden innerhalb der Nato einstimmig bestellt. Und jeder, der ein einstimmiges Votum hat, der ist in einer Demokratie gut gestellt. Insofern ist er, wenn er es wird, ein starker Generalsekretär." Rasmussen hatte sich am Freitag nach wochenlangem Dementieren als Kandidat für das Amt des Generalsekretärs zu erkennen gegeben.

Türkei fordert Verbot für krudischen Sender

Erdogan sagte einem Bericht des Fernsehsenders CNN-Türk vom Freitag zufolge, er sehe Rasmussen "negativ". Er kritisierte die Reaktion der Rasmussen-Regierung auf die Veröffentlichung von Karikaturen über den Propheten Mohammed in dänischen Zeitungen 2005. Rasmussen habe auch den in Dänemark beheimateten kurdischen Fernsehsender Roj TV nicht gestoppt. "Das Medium der Terrororganisation in meinem Land sendet von Dänemark aus. Ich habe Herrn Rasmussen gebeten, das zu stoppen, aber er wollte oder konnte es nicht tun."

Gül machte deutlich, sein Land wolle mit den Verbündeten weiter und ohne Eile über die Besetzung des Spitzenamtes sprechen. "Das Amt des jetzigen Nato-Generalsekretärs endet nicht morgen", sagte er. "Wichtig ist nicht der Kandidat, sondern die Stärke der Nato."

Rasmussen wird keinesfalls dänischer Regierungschef bleiben

In Kopenhagen stellten sich die Politiker auf einen Rücktritt Rasmussens ein. Auch im Fall des Scheiterns seiner Kandidatur könne er "nicht in der gewohnten Form" nach Kopenhagen zurückkehren. In Kopenhagen galt als sicher, dass Rasmussen Anfang nächster Woche zurücktreten will, auch wenn der Nato-Gipfel in Straßburg und Kehl sich gegen ihn als neuen Generalsekretär entscheidet oder die Entscheidung bis zum Sommer aufschiebt.

Die Türkei könnte eine Berufung Rasmussens verhindern. Der Nato-Generalsekretär kann nur einstimmig ernannt werden. Der bisherige Nato-Generalsekretär, der Niederländer Jaap de Hoop Scheffer, scheidet Ende Juli aus dem Amt. Eine Reihe von neuen Nato-Mitgliedern aus Zentral- und Osteuropa hat in den vergangenen Monaten immer wieder gefordert, der neue Generalsekretär solle aus einem der Ost-Länder kommen. Unter anderem wurden dem polnischen Außenminister Radoslaw Sikorski Ambitionen auf das Nato-Amt nachgesagt

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 30)
 
Administrator (06.04.2009, 08:46 Uhr)
Liebe User,
wir schließen die Debatte an dieser Stelle.
Mit freundlichen Grüßen,
Ihre stern.de-Admins
murat06 (05.04.2009, 11:31 Uhr)
Neue schöne Welt???
Früher hätte sich kein türkischer Offizieller gewagt irgend einen Einwand gegen die Entscheidungen der westlichen Partnern vorzutragen. Natürlich kann man behaupten, dass die frühe Rolle der NATO den Schutz gegenüber Russland zu sorgen, nicht mehr aktuell ist. Aber die Rolle der Türkei ist heute umso wichtiger geworden. Warum haben wohl die Franzosen keinen Murkser von sich gegeben? Sie waren auf die Zustimmung der Türkei für ihren wieder Vollmitgliedschaft angewiesen. Warum ist der Obama so freundlich gegen über der Türkei? Ab morgen ist er in der Türkei und will mehr Leistung für Afghanistan und Vermittlung mit dem Iran. Warum ist die EU so freundlich gegen über der Türkei? Türkei ist auch eine Energiebrücke für die EU. Wenn der Putin das Gas abdreht, dann ist die liebe Türkei da. Also??
sedanon (05.04.2009, 10:43 Uhr)
Danke, Herr Erdogan !
Besser und deutlicher hätte es kein Gegner der türkischen EU-Mitgliedschaft aufzeigen können, dass die Türkei rein gar nichts in der EU verloren hat.
Noch einen faulen Apfel, neben Polen, kann sich die EU und Deutschland nicht erlauben.
Hoffentlich ziehen unsere Politiker endlich die richtigen Schlüsse aus dem türkisch-nationalistischen Egotrip. Alleine mir fehlt der Glaube.
leboz (04.04.2009, 13:51 Uhr)
Die Türkei gehört
nicht in die Nato und die Türkei gehört nicht in die EU. Die Verfolgung und die Diffamierung der christlichen Religion und der Christen in der Türkei kann uns in Europa nicht gleichgültig sein.
Nihat.Savmaz (04.04.2009, 13:09 Uhr)
Fast richtig: Die Türkei steht alleine dar.
Sie steht zwar offiziell alline dar aber das heisst nicht, dass das türkische Veto unwillkommen ist. Jeder, der sich bischen über Rasmussens weg zur Kandidatur gedanken gemacht hat, merkt schnell. Rasmussen war einer der Schosshunde Bush´s. Für seine in der Vergangenheit liegende Bush-Unterstützer-Taten hatte die Bush-Regierung Rasmussen eine schöne Nato-Rentner-Stelle versprochen. Die Bushregierung ist aber nun nicht mehr da. Also hat Rasmussen eindeutig aufs falsche Pferd gesetzt. Und alle die auf Rasmussen gesetzt haben auch. Denn Rasmussen ist nicht geeignetste Person für dieses Amt. Rasmussenspartei koaliert mit der Ausländer und Moslemfeindlichen Volkspartei Dänemarks. Und so einer will/soll Anführer der NATO werden, die in Afghanisten Kriegführt mit hunderten von Toten Zivilisten. Ich sage nur Bush ist weg und der Kuhhandel ist somit Geschichte. Rasmussen wird sicherlich eine andere Rentnerstelle bekommen. Er kann ja IWF-Cheff werden oder eine Professur in der USA bekommen, wie der andere Schoßhund Bush´s Aznar aus Spanien.
sleddi (04.04.2009, 12:59 Uhr)
Raus mit den Türken
aus der NATO und nimmt diese niemals in die EU auf. Erdogan gehört mit seinem respektlosem verhalten überall ausgeladen.
follow22 (04.04.2009, 12:51 Uhr)
KRUDISCH??
"Türkei fordert Verbot für krudischen Sender"
Gemeint ist wohl eher "kurdisch". "Krudisch" ist allenfalls die Forderung der Türkei ...
Xennia (04.04.2009, 12:42 Uhr)
islamische Eroberung ohne Widerstand
Das Verhalten Erdogans zeigt, dass er
tatsächlich immer noch ein verkappter Islamist ist, der vor allem ein Ziel hat: den Islam in Europa durchzusetzen, ohne dass irgendwelche Widerstände zu befürchten sind.
zaxxon (04.04.2009, 12:35 Uhr)
@CemG
genau so menschen wie sie prägen in D das bild von türken...*lol
die größte armee schon mal nicht, aber die 2.größte! das hat aber keine bedeutung mehr in der heutigen zeit, vor allem wenn man nur alten nva schrott hat! und warum werdet ihr dann nicht mit den paar kurden fertig,hmm? ich bin ja schon sooo gespannt auf ihren nächsten kommentar...er wird mich bestimmt sehr berühren, so wie ne feder am gaumen...
zaxxon (04.04.2009, 12:31 Uhr)
@Mastergirl
über sachlichkeiten von kommentaren haben sie bestimmt nicht zu richten! aber wenn sie meinen das rasmussen als bewarer freier meinungsäußerung ein quertreiber ist, lässt das auch tief auf ihre freiheitlich demokratische geisteshaltung blicken! und der rest ihres kommentares ist auch nicht richtig, von wegen strategischer bündnispartner im nahen osten oder brücke zu allen islamischen nationen...leere populistische worthülsen. in zeiten des kalten krieges war die gemeinsame grenze der türkei zur udssr nützlich,hat nun aber seinen strategischen nutzen verloren.
und zum islamo mob; wollen sie abstreiten das das erdogans ziehlgruppe ist? erinnern sie sich nicht an erdogans aussagen über israel? und wie der mob ihn gefeiert hat?
nochmal, da die türkei/erdogan lieber den islam in europa voranbringen will und die säkularität in der türkei abschaffen will hat sie, wie jeder islamistische religionsstaat nichts in unserer westlichen wertegemeinschaft zu suchen!
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