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3. April 2009, 17:42 Uhr

Obama auf Partnersuche

Die US-Regierung unter Barack Obama will eine Totalreform der Nato. Damit verbunden ist natürlich mehr Engagement in Afghanistan. Doch statt direkt um mehr Soldaten zu bitten, versucht es der US-Präsident mit einer stärkeren strategischen Einbindung. Letztlich wird es aber trotzdem Obamas Krieg bleiben. Von Katja Gloger

Nato, Nato-Gipfel, Barack Obama, Afghanistan, James Jones

US-Präsident Barack Obama wirbt auf dem Nato-Gipfel um Unterstützung, auch bei Bundeskanzlerin Angela Merkel© Bernd Weißbrod/DPA

Ach, wie nett es bei der Nato so zugeht. Freundschaftsgesten, hehre Worte. Frühlingslächeln. Schöne Frauen wie Michelle Obama und Carla Bruni herzen einander. Jubelnde Zuschauer, und zum Auftakt am Abend greift Anne Sophie Mutter im Kurhaus zur Geige. Ein wenig Erleichterung macht sich breit. Nach dem mühsamen Ringen um Kompromisse, den Krächen der G-20 in London soll der Nato-Gipfel rund laufen, Harmonie und Entschlossenheit gezeigt werden. 60 Jahre Nato - ein historisches Freudenfest. Schließlich tritt sogar das als Mafia-Staat verschriene Albanien dem Bündnis bei.

Am liebsten würde man an diesem Wochenende diese verdammte Sinnfrage erst gar nicht stellen. 60 Jahre Nato - eine Erfolgsstory! 40 Jahre davon hatte es das Wirtschaftswunder im Westen gegen den bösen, roten Osten geschützt. Zwar eiert man nun seit 20 Jahren auf der Suche nach einer neuen Mission herum (Einsatz im Kosovo? Aufnahme Georgiens?, Verteidigung der Menschenrechte?) - doch wenigstens kehrt la Grande Nation Frankreich jetzt in die Arme der Allianz zurück.

Und schon wieder sind die Amerikaner die Spaßbremse. Als "Party Pooper" fungiert ausgerechnet jemand, der es wirklich weiß. Jim Jones, ein General, ehemaliger Nato-Oberkommandierender. Jetzt ist General James Jones der Sicherheitsberater von US-Präsident Obama, einer seiner wichtigsten Berater. Und weil der General ein Mann von besten Manieren und der Disziplin eines ehemaligen Marines ist und außerdem niemandem auf die Füße treten darf, formuliert er Amerikas Anspruch und Kritik verhalten und höflich: man brauche eine "neue Nato", eine "neue strategische Vision," das Militärbündnis eine "Überholung und Modernisierung". Also: eine Totalreform.

Deutlicher kann General Jones nicht formulieren, dass Amerika mehr will von seinen Alliierten, mehr Engagement in Afghanistan erwartet. Bush hatte erfolglos gedrängelt, Obama versucht es mit Schweigen. Man werde seine Freunde nicht um etwas bitten, was die Freunde nicht geben könnten, so hatte es US-Vizepräsident Joe Biden im Februar dem deutschen Außenminister Steinmeier versprochen. Im Klartext: man werde die Deutschen nicht um mehr Truppen für Afghanistan bitten. Denn ein Nein will sich Obama nicht einfangen. Man schweigt, so Karen Donfried, die besonnene Vize-Direktorin des German Marshall Fund in Washington. "Und das ist nun wirklich ein Alarmzeichen."

An ihr Versprechen haben sich die USA bislang gehalten. Ganz multilateral haben sie ihre Verbündeten gar um Mitarbeit an der neuen Afghanistan-Strategie gebeten. Als Außenminister Steinmeier unlängst in Washington weilte, ging er auch im Büro von Sicherheitsberater Jones vorbei. Der zeigte ihm drei dicke Stapel Papier - drei Strategieentwürfe. Er müsse jetzt einen daraus zimmern. Hilfe willkommen.

Es geht um die Verantwortung des Westens

Und dieser Krieg ist jetzt Obamas Krieg. Er weiß, er kann ihn nicht gewinnen. Doch er muss diesen Krieg solange führen, bis er seine Truppen ehrenvoll abziehen kann. Und in aller Höflichkeit, in aller Freundschaft mahnt er in Strassburg: "Wir waren manchmal arrogant, herablassend, gar hämisch", sagt er. "Wir suchen Partner. Wir verändern uns. Aber auch Europa muss sich ändern. Es handelt sich nicht um eine amerikanische Mission. Es ist ein internationaler Einsatz." Und er sagte auch: Das Risiko eines Al-Kaida-Anschlages sei in Europa größer als in den USA.

Man nimmt, was man von den Europäern kriegen kann. Zusätzliche Truppen zur Sicherung der Wahlen in Afghanistan, Fachleute zur Ausbildung von 140.000 Polizisten und bis zu 220.000 Soldaten - eine Säule der neuen Strategie. Wunderbar, dieser multilaterale Ansatz, loben die Europäer, endlich werde ihre Arbeit am Hindukusch auch von den USA gewürdigt. Sie nennen es Arbeitsteilung. So schickt Belgien 35 zusätzliche Soldaten, die stolzen Spanier sind mit zwölf weiteren Soldaten zur Armeeausbildung dabei.

Doch die Soldaten im Kampf gegen vermeintliche und echte Taliban und Al-Kaida, die heißen Jim und Bob und Jose und kommen aus den USA. 30.000 zusätzliche US-Truppen werden in den kommenden sechs Monaten Richtung Hindukusch in Marsch gesetzt. 10.000 weitere GIs sollen nach dem Willen des Oberkommandierenden General Petraeus im kommenden Jahr folgen. Dann stünden mehr als 20mal so viele US- wie deutsche Soldaten in Afghanistan. Gerne lästert man in Washington über die ewig zögernden Europäer. Die verstünden unter dem Einsatz-Kürzel "Isaf" wohl nur "I saw America fight". Ich habe Amerika kämpfen gesehen.

Im kommenden Jahr werden die USA das Oberkommando im gefährlichen Süden übernehmen, sie werden das Oberkommando im gefährlichen Osten behalten, sie werden Einsätze auf pakistanischem Staatsgebiet wagen. Im Grunde wiederholt man Amerikas Strategie im Irak. Mehr Truppen für die Sicherheit der Bevölkerung, Geld und Personal für den Wiederaufbau, Verhandlungen mit moderaten Gruppen, gerne auch viel Bargeld, am liebsten Dollar. Im Irak hieß diese Strategie "surge", Truppenaufstockung. Dieses Wort soll es zwar jetzt nicht mehr geben, eine Weisung aus dem Weißen Haus. Jetzt heißt es "Afpak Strategy" - "Strategie für Afghanistan/Pakistan".

Ob Afpak oder surge - dieser Krieg ist nun Obamas Krieg

Gut möglich, dass man diese Amerikanisierung in einigen europäischen Hauptstädten sogar ganz gerne sieht. Afghanistan als Krieg der USA. Liefert dies nicht einen wunderbaren Vorwand, sich aus Afghanistan zurückzuziehen?

Von Katja Gloger
 
 
KOMMENTARE (10 von 14)
 
Benkku (04.04.2009, 10:37 Uhr)
Welch ein Wahnsinn steckt dahinter!
Die USA samt ihren militärischen Ambitionen gleichen einem Schwarzen Loch. Unsere gewählten sogenannten Volksvertreter können wohl nur noch wie gelähmt zugucken, mit welcher Energie das ihnen anvertraute Volksvermögen davon angesaugt wird und auf Nimmerwiedersehen darin verschwindet. (Übrigens gibt es für das gegenwärtige weltweite Wirtschaftsdesaster keine andere Erklärung.)
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Besser: Ohne uns Deutsche !!! Wehrt Euch dagegen, Deutsche !!!
widder1 (04.04.2009, 09:25 Uhr)
Die „Schmusetruppe“ scheitet?
Hat denn keiner an Mehdorn gedacht? Oder an (Sch)Westerwelle?
Ist doch egal wer den Job macht. Es sollte nur nicht einer sein, der weiß – warum ER den Job macht.
flyingfree (04.04.2009, 06:57 Uhr)
@whismerh2
"Gesetz zur Vergewalting in der Ehe". So wird uns das verkauft. Das ist sicher nicht gut, und ich lehne sowas barbarisches selbstverständlich ab. Aber auch wir "zilisierten" Westler haben sind nicht ohne, bei uns nennt sich das "eheliche Pflichten", und soweit mir bekannt können die eingeklagt werden.
However. Es ist Obamas Krieg.
NO TO NATO
Julian2225 (04.04.2009, 03:40 Uhr)
@Gmathol und Onkel Erwin:
Ja stimme zu Gmsthol, sollen sie sich doch rekrutieren lassen. Dazu bedarf es nichtmal der Staatsbuergerschaft, somit fuer viele US lover sicherlich reizvoll...aber der Deutsche ist wirklich zu feige geworden!!!
Und Erwin, waere sehr und hoechst seltsam wenn nun ein Anschlag in D stattfinden wuerde. Denn es waere dann doch ein Grund fuer D in Afghanistan mehr involviert zu werden.
Wie hat das alles angefangen? Die Invasion im Iraq und Bombadierung von Afghanistan? Haben das alle vergessen??? Was war die Ursache? Ach ja, ein Anchlag in den USA hat es moeglich gemacht und das Volk hier hat mitgejubelt und keine Fragen gestellt!! Den Rest koennen sich die Schaefchen selbst ausrechnen...aber natuerlich sind das alles "Conspiracy theories?!" Denn die Welt ist doch soooo gut! Oder!??
Banken und Finanzinstitute brauchen Milliarden waehrend Karl Knapp pleite geht und seine 10Angestellten entlassen muss, aber die Hauptsache muss sein das der Aktienmarkt ok ist! Die Billionen von Gewinnen die diese Konzerne abschuerfen durften wurden auch ganz vergessen! Irgendwer wird es schon richten und uns den Takt vorgeben von dem Tanz den wir zu tanzen verpflichtet sind!
Also lassen wir uns doch von unserem "transatlantischen Partner wieder in die Spur helfen". IN diesem Sinne, guter Kommentar!
"in a time of universal deceit telling the truth becomes a revolutionary act" - und genau da sind wir!
mutti1 (04.04.2009, 02:07 Uhr)
gehirnwäsche
wenn es bei angie m.
um sex ginge, echten , wie bei den arabern, hätte sie wohl einige 1000 x offen, mit oder ohne mann.
whismerh2 (04.04.2009, 00:53 Uhr)
hinzu sei zu erwähnen
das , sollte man den Berichten glauben, die von uns unterstützte
afganische Regierung ein neues Gesetz untermauert und bekräftigt hat,das Vergewaltigung in der Ehe und das ausgesprochene Hausarest gegenüber der eigenen Frau tolleriert
und als Rechtens empfunden wird.
Der nachsatz des Berichtes fande ich besonders gut,
schlimmer als die talliban.
So so dafür tritt also die gerechte Weltpolizei ein, ein Schlag ins Gesicht für alles jenigen die ihr Leben für mehr Gerechtigkeit auf diesem Planeten einsetzen.
pirri (04.04.2009, 00:13 Uhr)
vom geben und nehmen
In den Zeiten einer sich stark verändernden Welt sollte man sich gut überlegen,ob und mit wem man welche Bündnisse eingeht.
Doch eines ist auch sicher. Wir können nicht überall mitreden wollen, wenn wir nicht bereit sind, auch mit zu verändern.
Die Grundfrage lautet: Wie stark wollen wir mitreden ?
STR_EDDS (03.04.2009, 21:44 Uhr)
No To NATO?
Leicht OT, aber:
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Ich glaube die Europäer brauchen einfach ein Aha-Erlebnis - leider wird es dann zu spät sein.
Wenn 1 Milliarde Chinese erstmal ihre Weltanschauung und ihre Ideale - Disziplin, Hegemonie, Nationalstolz - anfangen durchzusetzten, dann werden wir sehen wie dekadent wir geworden sind. Dann werden wir sehen wie tolerant andere Weltanschauungen sind, wenn sie erstmal an der Macht sind.
Dann werden Fragen nach Legitimation ihnen diese in form einer Gewehrkugel zeigen.
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Das älteste Recht, das einzige das keinen Richter braucht, das einzige das schon lange vor dem Menschen galt, und das noch gelten wird, wenn wir eines Tages vergangen sind, wird dann zum Tragen kommen.
Es ist das Recht des Stärkeren.
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Wir waren nun lange die Stärksten, und ich bin der Meinung das wir recht fair der restlichen Welt gegenüber waren.
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Mal gespannt wie das wird wenn es die Hegemonie der Natostaaten - des Westens - nicht mehr gibt.
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gmathol (03.04.2009, 21:10 Uhr)
Fuehren Sie ihre Kriege selber!
@facilidad_de_ser - Man sollte endlich die als Botschaften getarnten israelischen Terrorbuden in Europa dicht machen!
Al-Quaida - gibt es nicht, dafuer aber Al-CIA-da und US Todesschwadronen die glauben das Recht zu haben Menschen und gewaehlte Repraesentanten zu morden.
Das Mordatlantischen Buendnis muss endlich aufgeloest werden, damit es nicht mehr von den USA/Israel und Grossbritannien missbraucht werden kann.
Warum wird wohl versucht mittels NATO Druck auf Russland auszuueben? Rohstoffe und Oel!
Wer fuer den Ami kaempfen will, kann das tun und sich beim naechsten US Rekruter fuer Mord und Terror als Kaempfer melden. Liebe Ami-Freunde warum tut ihr das eigentlich nicht? Zu feige?
facilidad_de_ser (03.04.2009, 20:22 Uhr)
Ein Superartikel...
... der mir aus der Seele spricht.
@onkel.erwin
Die Gefahr eines Al-Kaida-Anschlages (oder wer auch immer hinter diesen Anschlägen steckt)ist in Europa größer als in den USA, weil hier weniger Menschen an den Terror glauben und deshalb Überzeugungsbedarf besteht.
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