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2. April 2009, 13:05 Uhr

Dieser Krieg kann gewonnen werden

Beim nun beginnenden Nato-Gipfel steht der Kampf gegen den islamistischen Terror ganz oben auf der Agenda. Braucht es noch mehr militärisches Engagement in Afghanistan oder sind alternative Strategien gefragt? Ein Gastbeitrag des Sicherheitsexperten Uwe Kranz.

Nato, Afghanistan, Krieg, Frieden, Experte

Blicken sie einer besseren Zukunft entgegen? Ein kanadischer Soldat patrouilliert durch ein afghanisches Dorf© Stefano Rellandini/Reuters

Afghanistan ist eines der ärmsten Länder, gebeutelt von Dekaden des Kriegs und der Ausbeutung, geschunden von Warlords und Drogenbaronen, verrottet unter allgegenwärtiger Korruption und Nepotismus, gefährdet durch die Zunahme terroristischer Anschläge an Zahl, Wirkung und Professionalismus, die das Jahr 2008 zum blutigsten Jahr seit der Niederschlagung der Taliban werden lies. Afghanistans mächtige Gegner hatten über Jahre Gelegenheit, sich in den afghanisch-pakistanischen Grenzgebieten ungestört, geduldet, vielleicht sogar still unterstützt zu restrukturieren, rekrutieren und refinanzieren. Anwerbung und Ausbildung findet weltweit statt, Experten schätzen die Zahl der Terror-Camps allein im Grenzgebiet auf bis zu 1500.

Nato-Strategie kostete Sympathien

Viel zu viele Jahre wurden beim Aufbau des Landes vertan. Jahre, die zu sehr dem "War on terror" statt dem Wiederaufbau gewidmet waren. Jahre, die zu einer zunehmend uneinheitlichen Strategie der Nato-Verbündeten führten; Jahre, in denen das Nord-Süd-Gefälle weiter auseinanderdrifte; Jahre, in denen nicht nur die Gegner mächtiger wurden, sondern auch der Rückhalt ausländischen Truppen in der Bevölkerung schwand.

Wie die letzten Umfragen von Ende 2007 zeigten, sehen jeweils rund 30 Prozent der Afghanen in ihren Regionen die größten Probleme bei der Sicherstellung der Stromversorgung und dem (Wieder-)Aufbau der Wirtschaft, gefolgt von Infrastruktur und Straßenbau (ca. 20 Prozent. An vierter Stelle steht die Erziehung (seit 2005 leider von rund 30 auf 16 Prozent gefallen) und erst auf Platz fünf steht die innere Sicherheit (Anstieg von 8 auf 16 Prozent). Diese Erkenntnisse, im Detail nachzulesen im aktuellen "Afghanistan Index", sprechen für sich: Afghanen wollen eigentlich das Gleiche wie jeder deutsche Bundesbürger: Arbeit, Wirtschaft, Infrastruktur, Bildung, Sicherheit. "Vollständige Fehleinschätzung der Lage"Die afghanische Bevölkerung hat 2001 in den Alliierten Freunde und Befreier gesehen, und diese selbstbewusst und warmherzig empfangen. Taliban und al Kaida waren ihnen nach Jahren der Unterdrückung verhasst, die Nato-Kräfte, selbst Einheiten der Operation Enduring Freedom (OEF), hatten von Anfang an ihre Herzen gewonnen und hätten mit diesem Pfund sorgsamer umgehen müssen. Stattdessen wurde in vollständiger Fehleinschätzung der Lage selbst führenden Talibankämpfern der Ausflug nach Pakistan ermöglicht, bis zu 6000 konnten sich 2001 unangetastet zurückziehen. Der Wiederaufbau wurde auf Kabul und Umgebung konzentriert, der Aufbau der Wirtschaft vernachlässigt, der Korruption wurde nicht entschieden genug Einhalt geboten, die enge Zusammenarbeit mit Pakistan sträflich vernachlässigt und insgesamt mit absolut ungenügenden Einsatz- und Finanzmitteln eine eher halbherzige Aufbauhilfe geleistet, die zudem noch nach kurzer Zeit durch den Irakkrieg geteilt werden musste.

Parteipolitisch und ideologisch überfrachtet

Die Liste der Fehlleistungen ist lang. Dazu zählen neben der schon fast grotesken Trennung von Isaf- und OEF-Komponenten und den deutschen "Verrenkungen" zur Begründung des Einsatzes der beiden Aufklärungs-Tornados, die im "targeting-process" der Nato von größter Bedeutung sind, auch die transatlantischen - und wohl auch innereuropäischen - Differenzen in der Polizeiausbildung. Ebenso misslich waren die parteipolitisch-ideologisch überfrachteten Diskussionen um die Mandatsverlängerungen und die gesteuerte (Des-) Informationspolitik. Zumindest ungenügende Beachtung fand die Kultur Afghanistans bei den Einsätzen, die unvertretbar hohe Zahl getöteter und verletzter Zivilisten bei Nato-Luftangriffen, die von manchen Beobachtern als Umsetzung der "General-Warden-Doktrin" bezeichnet wird. Verheerend wirkten sich schließlich auch die Drogenpolitik und Guantanamo aus. Die Liste der "lessons learned", der Versäumnisse, ist lang und könnte leicht verlängert werden.

"Jeder neue Brunnen ist ein Sieg"

Was ist also zu tun? Wichtig ist, dass die Zäsur, die uns das "neue Amerika" beschert, auch genutzt wird. Wir brauchen in Sachen Afghanistan eine Neuorientierung, einen umfassenderen Ansatz statt eines Terror-Managements, ja, auch eine Exit-Strategie. Die Nato muss die gelernten Lektionen jetzt auch umsetzen: In eine stärkere militärische Absicherung der Aufbaukräfte und -projekte, in Schulbau und Sicherung des Schulbesuchs, in Straßenbau und Infrastruktur und ihre Sicherung. Denn jede Straße vom Feld zum Marktplatz, jeder Brunnen, jede Schule ist ein Sieg. Sie muss Sicherheit in den Bereichen Energie, Verwaltung und Information gewährleisten und die rigorose Bekämpfung der Korruption auf allen Ebenen angehen.

Schwerpunkte sind auf Provinz- und Distriktsebene zu setzen, der Aufbau lokaler Milizen unter der Führung der Clanführer, die wiederum direkt Kabul unterstellt sind, muss forciert werden. 200 Mann je Distrikt kosteten gerade mal ‚läppische fünf Million US-Dollar. Pragmatische Projekte, wie der Dialog mit den Treffen der Clanführer, den sogenannten Shura-Räten, und den gemäßigten Taliban, müssen Nato-einheitlich vorangetrieben werden, statt sie auf nationalen oder ideologischen Altären zu opfern.

"Klotzen statt kleckern"

Die Nato sollte jetzt "klotzen statt kleckern", die Formel für den Erfolg lautet "zehn Soldaten und Polizisten auf 1000 Einwohner". Zu den 4000 US-Militärausbildern sollte die EU zumindest auch 4000 Ingenieure, Mentoren und Ausbilder für Polizei, Verwaltung, Straßenbau, Wirtschaft, Wasser- und Stromversorgung stellen.

Sicher: Deutschland ist auch am Hindukusch zu verteidigen. Aber es steht mehr auf dem Spiel, denn der islamistische Terrorismus bedroht längst die ganze Welt, auch Russland, Afrika und Asien. Darauf muss sich die Nato in ihren Beratungen einstellen.

Zur Person

Zur Person Uwe Kranz, 62, ist leitender Ministerialrat a.D. und arbeitet aktuell als internationaler Sicherheitsberater unter anderem für den Europarat, die Polizeimission zur Unterstützung der Europäischen Gemeinschaft für Albanien und das Deutsche Institut für Internationale Politik und Sicherheit. Als Projektleiter bei Europol beschäftigte er sich unter anderem mit der Bekämpfung organisierter Kriminalität. Kranz gilt als Experte in Sachen Afghanistan, Terrorismus, internationale Polizeizusammenarbeit. Er ist Mitglied der Akademie für Europäisches Recht in Trier.

 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
SirExekutive (03.04.2009, 14:52 Uhr)
kranke propaganda
"krieg gewinnen".. wow.. das klingt auf den ersten "schlag" natürlich durch aus positiv.. wer möchte denn nicht einen krieg gewinnen, bzw lieber einen krieg verlieren.
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nun um es mal einfach zu formulieren, darf sich nur ein rechtswidrig angegriffenes land freuen, wenn es den krieg gewinnt.
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aber ein land bzw. eine allianz welche völkerrechtsbruch begeht und ein unschuldiges land in ein extremes blutbad verwandelt, hat niemals das recht, jemals davon sprechen zu können, ein bzw. diesen krieg gewonnen zu haben.
dafür ist schon zu viel schlimmes passiert. vor allem von seiten der allianz welche kein deut "besser" "guter" etc. sind als die taliban.
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schon mit dem beginn des krieges lagen beide parteien auf der seite des verlieres. afgahnistan wurde geschwächt und unzählige unschuldiger zivilisten starben aufgrund unzähliger kollateral schäden.
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aber statt endlich mal laut kritik zu üben, kommen nur durchhalte parolen von wegen der krieg kann gewonnen werden.
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das ist abgrund tief pervers.
globalhumanist (03.04.2009, 14:50 Uhr)
Dieser Krieg
wird nicht durch Außenstehende enden.
.
Das haben die Mongolen erkannt.
Das haben die Türken erkannt.
Das haben die Engländer erkannt.
Das haben die Russen erkannt.
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Das werden auch noch die Amerikaner und ihre willfährigen Fahnenhalter erkennen.
Früher oder später und die Frage is nur, wie viele Opfer sie bereit sind, dafür zu zahlen.
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Nur - je eher diese Einmischung endet, umso besser für diejenigen, die für diesen Wahnsinn tagtäglich ihr Leben auf´s Spiel setzen oder sogar damit bezahlen.
Administrator (03.04.2009, 14:47 Uhr)
Liebe User,
vielen Dank für Ihre Beiträge. Wir schließen die Diskussion an dieser Stelle. Das Thema können Sie hier diskutieren:
http://www.stern.de/politik/ausland/:Krawalle-Nato-Gipfel-Auf-Rodeo-Polizei/659973.html
Herzliche Grüße
Ihre stern.de-Admins
Malt (03.04.2009, 14:31 Uhr)
@Pamela
Lasst euch doch nicht immer von dem Vegefranz provozieren! Der ist nur eine arme Wurst, die vermutlich in einem dunklen Kellerloch ihrem Dasein fristet und für den das einzige Maß an Aufmerksamkeit durch die Kommentarfunktion von STERN online gegeben ist. Einfach lachen über den Kasper... denn dafür sind Kasper da ;)! Würd' mich nicht wundern, wenn er diese "Nachricht" aus einem NPD Hetzblatt abgeschrieben hat, so schlecht wie das verfasst ist.
.
Zum Thema: Es ist doch schon lange klar: NIEMAND erwartet dort einen Sieg - dafür aber einen fetten Gewinn ;)
.
Zitat Kommando Lyrika:
Wenn du genau hinschaust,
dann kannste sehn'
dass in dem Laden
weder Volksvertreter
noch das Volk
etwas zu sagen haben
wir wurden längst verraten
an die Typen hinter den Fassaden
die mit Attentaten Kriege starten
die keinen Sieg,
aber den maximalen Gewinn erwarten
denn WIR zahlen die Raten
auf die Zinsen
für Kreditvergaben
an ein paar Kackerlaken
die grinsend Armanis tragen
und so Plagen wie Bin Laden
sind die Maden dieser Schaben
.
In diesem Sinne: Schönes Wochenende und geniest das schöne Wetter ;-)
Pamela_1971 (03.04.2009, 14:15 Uhr)
vegefranz
Was hat das mit dem Thema zu tun? Was mit der Bundeswehr? Und warum - um Himmels Willen! - ist es von Bedeutung, ob die Täter "Ausländer" waren? Warum erwähnen sie das? Und woraus geht das überhaupt hervor? Die Täter werden doch gesucht, sind also wohl noch nicht gefasst - wie können Sie dann jetzt schon eine Aussage darüber machen, ob es deutsche Staatsbürger sind oder nicht? Und was spielt das für den Fall überhaupt für eine Rolle (außer, dass Sie hier offenbar rassistische Hetze betreiben wollen)?
Pamela_1971 (03.04.2009, 14:04 Uhr)
Ist es wieder soweit?
... dass man in Deutschland offen und schamlos davon fantasiert und schwadroniert, einen Krieg zu "gewinnen"? Zu "siegen"? GEHT´S NOCH?!
vegefranz (03.04.2009, 13:58 Uhr)
Bundeswehr braucht man im Inneren

Hier hätte man die Bundeswehr gebnraucht:
"Wie kaum eine andere setzt sie sich seit vielen Jahren für die Belange der Ausländer in Frankfurt ein. Jetzt wurde Helga Nagel (62), Leiterin des Frankfurter Amtes für multikulturelle Angelegenheiten das Opfer junger krimineller Ausländer.
Vergrößern
Amtsleiterin Helga Nagel
Dienstag Abend, gegen 22.20 Uhr. Helga Nagel kam erst spät nach Hause, es hatte wohl im Büro länger gedauert. Parkplatz gefunden, sie war auf dem Weg zur ihrer Wohnung, ging durch die Paul-Hindemith-Anlage.
Oberhalb der Fürstenbergstraße passierte es dann: Sie ging durch eine Gruppe junger Männer, als sie plötzlich einen harten Schlag spürte, sofort zu Boden ging. Im nächsten Moment schon flüchtete die Bande – und die Amtleiterin bemerkte, dass ihre braune Lederhandtasche weg war.
Helga Nagel kam verletzt in die Klinik, wo der Arzt u.a. einen Jochbeinbruch feststellte.
Inzwischen fahndet die Polizei nach den Tätern – mindestens fünf junge Männer (18 – 25 Jahre), die alle dunkelhäutig, Kapuzenpullis getragen haben sollen."
mupfeline (03.04.2009, 13:40 Uhr)
Und überhaupt ...
wieso muss Deutschland am Hindukusch verteidigt werden!? Hat Deutschland seine Grenzen verschoben? Ist der Hindukusch vielleicht das 17. Bundesland geworden? Oder WAS ist der Grund dass wir Deutschland am Hindukusch verteidigen müssen???
mupfeline (03.04.2009, 13:38 Uhr)
Hier irrt der Verfasser des Artikels
Der Krieg ist schon längst verloren - siehe neueste Gesetze von Karzai. Wenn man natürlich Rückschritt als Fortschritt feiert ...ja dann ...
Bremer-Alexander (03.04.2009, 13:36 Uhr)
opiumfelder
Immer fleissig die Opiumfelder der Amerikaner bewachen fleissiger BRD-Schoßhundsoldat ! wuff wuff!
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